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Prellball: Ein Sport hat zu wenig Nachwuchs

Lokalsport: Prellball: Ein Sport hat zu wenig Nachwuchs
Drüber soll er: Prellball besteht aus Kraft und Geschicklichkeit - und ist keine Frage des Alters. Aber es gibt zu wenige junge Spieler. FOTO: Olaf Staschik (ARCHIV)
Haan. Früher waren Turniere wie das in Haan echte Groß-Veranstaltungen - und mehrere Hallen nötig. Von Pascal Conrads

Normalerweise sind die Sportler des Haaner Turnerbundes (HTB) in der Dieker Straße zu finden. Da diese aber gerade gesperrt ist, muss das traditionelle Prellballturnier in die Halle an der Adlerstraße ausweichen. Erstaunlich: Kein Ton ist zu hören - dabei sind Sportfeste doch normalerweise immer sehr laut. Es ist richtig heiß und von Luft ist nichts zu spüren. Bei diesem Wetter soll man Sport treiben?

Vor der Halle stehen ein paar ältere Männer, die reden und einen Grill in Gang bringen. Durch die Fenster ist zu sehen, wie Frauen im Foyer ein Buffet aufbauen. An der rechten Wand zeigt eine Plakette, dass die Bundes- und die Landesregierung bei der energetischen Sanierung des Gebäudes behilflich waren. Ein Mann mit runder Brille stellt sich als Gerd Böning vor. Von der mittleren der drei Tribünen aus zeigt er auf die Spielfelder: "Das sind jetzt 16 Mannschaften. Früher waren das mal 60 - verteilt auf drei Hallen."

Auf den vier Feldern sind Gruppen unterschiedlichen Geschlechts und Alters aktiv. In der Mitte spielen gerade zwei Mannschaften aus dem Bereich M 60, also Senioren. Ansonsten betätigen sich noch Teams aus dem Bereich M 1 und aus dem Freizeitsektor. Dort sind Alter und Geschlecht unwichtig.

Immer wieder mühen sich die Spieler zum Ball, um ihn mit ganzer Kraft nach unten zu prellen. In der Regel geschieht das mit der Faust oder dem Unterarm. Es scheint, als lasse sich der Ball nicht richtig kontrollieren. Ein Spieler holt aus - und boxt die Kugel über das Netz. Das Spielfeld ist in der Mitte durch ein gelb-rotes Band in 40 Zentimetern Höhe getrennt. Jede Mannschaft hat acht mal acht Meter Platz - während etwa beim Volleyball eine Spielfeldhälfte neun mal neun Meter groß ist. Die Schiedsrichter an beiden Seiten der Mittellinie tragen Trikots der Mannschaften, die auf den anderen Feldern spielen.

Gerd Böning erzählt, dass er seit 1982 in Haan Prellball spielt. Mit dieser Mannschaft sei er Deutscher Meister geworden. Das war allerdings in einer Zeit, als Prellball-Turniere noch große Ereignisse waren und mehrere Hallen erforderlich, um ein Turnier an einem Wochenende zu bewältigen. Jetzt sei die Sportart nur noch auf dem Land beliebt. In Bonn und Berlin gebe es ebenfalls große Prellball-Abteilungen. Insgesamt fehle aber der Nachwuchs. In der Tat sind die meisten in Haan versammelten Liga-Sportler nicht mehr ganz jung. Die Freizeitteams dagegen bestehen kaum aus Rentnern.

Sie beweisen auch, wie agil und schnell der Sport sein kann. Wojtek Palka von der Barmer TG aus Wuppertal hechtet in de Partie gegen den TV Winterhagen aus dem Oberbergischen Kreis regelmäßig nach dem Ball. Er erwischt ihn und prellt ihn über das Netz. Das Spiel wirkt hier sehr rasant. "Der Ball kann schnell bis zu hundert Stundenkilometer schnell werden", erklärt Palka. Dafür müsse das Sportgerät regelmäßig eingefettet und poliert werden. Palkas Aufschläge sind fest, sie treffen das gegnerische Feld - und verlieren sich dann im Aus, weil keiner rankommt. Mehrmals müssen die Zuschauer auf der Tribüne ausweichen.

Die Spieler wissen genau, wo der Ball auftrifft. Manche Sportler prellen den Ball so kräftig, dass das Spielgerät das Basketballnetz berührt und danach praktisch überall wieder auf den Boden treffen kann. Deshalb kommen häufig Unterbrechungen vor, weil Bälle von der anderen Seite der Halle zurückzuholen sind. Ein Zuschauer schimpft, weil er Fehler der Spieler bemerkt - es ist wie bei jedem Sport. Am Ende verlieren Palka und seine drei Mitspieler ganz knapp gegen das jüngere Team aus Winterhagen.

Quelle: RP
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