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Leichtathletik
Sanaa Koubaa ist in Top-Form für Rio

Leichtathletik: Sanaa Koubaa ist in Top-Form für Rio
Im Endspurt um das Olympia-Ticket hängte Sanaa Koubaa ihre Konkurrenz ab. FOTO: Wolfgang Birkenstock
Hilden. In der Saisonvorbereitung warfen die Hindernisspezialistin immer wieder Krankheiten zurück. Erst mit der Deutschen Meisterschaft begann für sie der Wettkampf-Modus - seither steigert sie ihre Bestzeiten kontinuierlich. Von Birgit Sicker

Jahrelang zählte Sanaa Koubaa zu den Aushängeschildern der LG Stadtwerke Hilden, fühlte sich wohl in ihrer heimischen Trainingsgruppe auf der Sportanlage am Bandsbusch. Zugleich war die Athletin, die am 6. Januar 1985 im Langenfelder Krankenhaus auf die Welt kam, aber in Hilden aufwuchs, über die 3000 Meter Hindernis erfolgreich. Ihr Heimtrainer: Wolfgang Kamps, Lehrer an der Grundschule am Elbsee - hier lernte Koubaa also nicht nur Rechnen und Schreiben, sondern fand auch Spaß an der sportlichen Betätigung. 20 Jahre lang bildeten Kamps und Koubaa im Sport ein Gespann, entwickelten eine "Vater-Tochter-Beziehung" und gemeinsam den Traum von den Olympischen Spielen. 2012 verpasste Koubaa noch das große Ziel. Im Vorlauf über die 3000 Meter Hindernis war sie auf einem guten Weg, die London-Norm zu knacken, doch am letzten Hindernis sprang eine Weißrussin Koubaa vor die Füße - und der Strauchler kostete die Hildenerin wertvolle Zeit.

Vier Jahre später schafft es Sanaa Koubaa nicht, sich für die Europameisterschaft in Amsterdam zu qualifizieren. Und bei der Deutschen Meisterschaft in Kassel verpasst sie die Olympia-Marke um sieben Hundertstel. Doch die 31Jährige steckte nicht auf. "Die Vorbereitung war nicht optimal. Ich war noch nie so krank wie in diesem Jahr", sagt sie. Und schiebt nach: "Die DM war der erste richtige Wettkampf - der Einstieg war wirklich spät." Immer wieder warfen Erkältungen die Athletin zurück. Die Allergikerin hatte eine Desensibilisierung begonnen, musste aber erkennen: "Das hat mich zurückgeworfen. Die Reaktion des Immunsystems und die Belastung im Training und Sport - beides funktioniert nicht." Koubaa brach die medizinische Maßnahme ab - und plötzlich ging es für sie bergauf. Im Nachhinein sieht sie den späten Wettkampfbeginn sogar als glückliche Fügung an. "Letztlich bin ich jetzt noch frisch", sagt sie. Und untermauert den Eindruck mit Bestleistungen auf dem Platz. So unterbot die Hindernisläuferin zwei Tage vor der Nominierungsfrist im belgischen Kortrijk in 9:38,11 Minuten die Qualifikationszeit. Und erst vor einer Woche verbesserte sie erneut in Belgien ihre persönliche Bestzeit über die 1500-Meter-Distanz auf 4:13,48 Minuten. "Ich habe noch eine Schippe drauf gelegt", erklärt sie. Statt noch einmal in die Ferne zu schweifen, führte sie das letzte Trainingslager vor dem Abflug nach Brasilien lieber in der Heimat durch. "Hier bin ich ganz entspannt, habe Sparringspartner, die mit mir laufen, kann regenerieren und zur Physiotherapie gehen", betont sie. Ostern im Trainingslager auf Texel sah das noch ganz anders aus - nur eine Woche konnte Koubaa ihr Programm durchziehen, die andere verbrachte sie krank im Bett.

Am Montag geht für die 31-Jährige das Abenteuer Olympia endlich los. In Frankfurt startet der deutsche Flieger Richtung Rio de Janeiro. Und Koubaa ist gut vorbereitet - nicht nur für den Wettkampf auf der Tartanbahn, sondern auch für die Schule, die Ende August wieder beginnt. Denn ihren Job nimmt sie nicht minder ernst. "Es ist ein neuer Bildungsplan herausgekommen und wir müssen die didaktische Jahresplanung neu erstellen", berichtet sie. Weil sie in Rio den Kopf frei haben möchte, hat sie die unterrichtsfreie Zeit in den vergangenen vier Wochen gut genutzt. Ob das Kollegium die Daumen drückt? Die wenigsten wissen wohl, dass Koubaa bei Olympia startet, weil sie zum einen erst zum Ferienstart die Norm schaffte und zum anderen ihre sportlichen Ambitionen im Kollegium nicht an die große Glocke hängte. Wenn sie aus Brasilien zurückkommt, steht sie ganz sicher gerne Rede und Antwort. Denn Olympia 2016 ist der finale Höhepunkt ihrer Leichtathletik-Karriere.

Ihr Ziel? "Ich träume vom Finale", gesteht sie frank und frei. Doch sie weiß: "Ich bin gut drauf, brauche aber auch ein Quäntchen Glück." Für Koubaa steht fest: "Wenn ich persönliche Bestzeit laufe und das Finale nicht erreiche, brauche ich mir nichts vorzuwerfen." Paul-Heinz Wellmann, der seit dem Wechsel Ende 2014 nach Leverkusen ihr Heimtrainer ist, sagt: "Das Finale wäre eine sensationelle Leistung, aber ich traue ihr das zu." Auf Wolke sieben schweben wird Sanaa Koubaa in den Wochen nach Rio sowieso, denn im September will sie heiraten. Eine Hochzeit ganz in Weiß - der nächste Traum, den sich die Hildenerin dieses Jahr erfüllt.

Quelle: RP
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