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Handball
Soll Handball in Haan haften bleiben?

Haan. In der Sitzung des Sportausschusses müssen sich die Verantwortlichen positionieren, ob sie leistungsbezogenen Handball, der Haan über die Stadtgrenzen hinaus bekannt macht, tatkräftig unterstützen wollen. Von Birgit Sicker

Der Vorstand der Unitas war im Mai mit seinen Kräften am Ende. Nicht nur die Belegung der Halle an der Adlerstraße durch Flüchtlinge machte dem Haaner Klub in der vergangenen Saison das Leben schwer. Auch die immer wieder aufkommende Harzfrage setzte den Sportlern zu. Das Ziel Aufstieg in die Nordrheinliga war angesichts der widrigen Umstände schnell ad acta gelegt. Letztlich ging es für die Handballer nur noch darum, in der Schlussphase der Saison die Fans noch einmal mit einem Sieg zu versöhnen. Das Unterfangen gelang. Dennoch bleibt die Zukunft der Herrenmannschaft offen. Und das liegt nicht zuletzt an der Harzfrage.

"Harz hört sich so schlimm an", sagt Martin Blau. Der Vorsitzende der Unitas betont: "Es ist ja ein Haftmittel und kein Harz mehr." In der Tat liegen die Zeiten, in denen die Handballer Baumharz verwendeten, um den Ball besser in den Griff zu bekommen, schon länger zurück. Heutzutage steht vielmehr ein wasserlösliches Haftmittel im Fokus, das die Reinigung der Hallen erleichtern soll. Die Oberliga-Handballer der Unitas dürfen es bei den Punktspielen in der Halle an der Adlerstraße nutzten - aber eben nicht im Training. Und genau das ist das Problem.

"Wir haben jetzt mit Jurek Tomasik einen Coach, der ganz klar sagt, es macht nur Sinn, so zu trainieren wie man auch spielt", berichtet Blau. Will heißen: Auch in den Übungseinheiten wollen die Haaner das Haftmittel gebrauchen, um jene technischen Tricks zu verfeinern, die oftmals über den Sieg entscheiden. Für Martin Blau steht damit fest: "Die Stadt muss sich nun bekennen, ob sie leistungsbezogenen Handball will, der Haan über die Stadtgrenzen hinaus bekannt macht oder eher Breitensport."

Der Haaner TV unterstützt das Ansinnen. "Die letzten Monate scheinen gezeigt zu haben, dass es keine praktikable Lösung ist, ohne Haftmittel zu trainieren und mit Haftmitteln die Spiele auszutragen", schreibt Holger Weiss in einer Stellungnahme. Der HTV-Vorsitzende hat dabei aber auch den Breiten- und Schulsport im Blick. "Es ist uns ganz wichtig, dass andere Sportarten nicht durch den Handball leiden müssen", sagt er. Zugleich betont Weiss: "Auf der anderen Seite möchten wir unsere Handballer unterstützen, wenn sie höherklassig spielen und ohne die Nutzung von Harz Leistungsunterschiede da sind." Der Vorsitzende gesteht: "Ich bin das etwas zwiegespalten, weil ich es eine Zumutung seitens der Verbände finde, die den Städten aufzwingen, Hallen bereitzustellen, in denen geharzt werden darf." Entsprechend interessiert nahm Weiss daher den aktuellen Vorstoß des Handball-Weltverbandes zur Kenntnis, in einem Jahr ein weltweites Harzverbot auszusprechen und bis dahin die Entwicklung eines speziell haftenden Balles voranzutreiben.

Für Jurek Tomasik ist das keine Lösung. "Ob das so funktioniert, glaube ich nicht", sagt der Trainer des Oberliga-Teams der Unitas. Und erläutert: "Es gibt ja schon jetzt so einen Ball, aber sobald Schweiß darauf kommt oder sich Staub darauf sammelt, wird es schlimmer - nach zehn Minuten kann man das vergessen." Tomasik sieht es als kompliziertes Problem, einen Ball zu entwickeln, der dem Schweiß der Sportler und dem Staub in der Halle trotzt. "Wir schwitzen nun einmal permanent - so einfach ist das nicht, wie die sich das vorstellen." Unitas-Vorsitzender Blau will zwei haftende Bälle zur Sitzung des Sportausschusses mitnehmen. Einen neuen und einen gebrauchten - um den Unterschied aufzuzeigen.

Quelle: RP
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