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Lokalsport
Sport verbindet Kulturen ohne Worte

Lokalsport: Sport verbindet Kulturen ohne Worte
Mutter Mitra (3. v.r.), Vater Mansour und Tochter Mahsa (r.) leben seit vier Monaten in Gruiten. Das Zirkeltraining im Mehrzweckraum der Walddorfschule macht der iranischen Familie sichtlich Spaß. FOTO: Olaf Staschik
Gruiten. Viele Flüchtlinge folgen der Einladung zum ersten internationalen Familiensporttag in Gruiten. Sie machen bei ganz unterschiedlichen Sportarten mit und knüpfen neue Kontakte. Auch für die Ausrichter ist die Aktion ein voller Erfolg. Von Daniele Funke

Knackige Drum- und Technobeats dröhnen in voller Lautstärke durch die Sporthalle. Rund 20 Erwachsene stehen im Kreis - jeder vor sich einen großen, aufgepumpten Gymnastikball - und bewegen sich, stapfen im Rhythmus der Musik, dazu trommeln sie mit Schlagzeugstöcken den Takt, und das alles unter laufender Anweisung von Trainer Barry. "Drums alive" nennt sich dieses noch recht neue, ganzheitliche Workout-Programm, das am internationalen Familiensporttag extrem gut ankommt.

"Die Gruppe besteht schon länger", erzählt Frauke Heiden-Ziegert vom TSV Gruiten, "und ich freue mich riesig, dass heute jede Menge Flüchtlinge der Einladung gefolgt und dabei sind." Eine junge Frau mit Kopftuch schaut schüchtern durch den Schlitz der Hallentür, Frauke Heiden-Ziegert winkt sie herein, hält ihr die Drumsticks hin und fordert sie lächelnd auf, einfach mitzumachen, einfach einzusteigen und sich dem Rhythmus hinzugeben. Auch Durdana ist dabei, aus Aserbaidschan, sie strahlt, hat große Freude an dem dynamischen Sportprogramm. "Ich komme wieder und würde gerne an der Gruppe teilnehmen", erzählt die 26-Jährige mit Hilfe einer Übersetzerin und wischt sich ein paar Schweißtropfen von der Stirn, "aber vielleicht bin ich schwanger, dann warte ich noch."

Gemeinsam mit dem Kreisintegrationszentrum hatte der Kreissportbund Mettmann die Idee für einen internationalen Sporttag in den Kommunen - für Haaner, Gruitener und Heimatvertriebene. Beim TSV Gruiten stießen sie auf besonders offene Ohren, klappt hier doch das Miteinander zwischen Bevölkerung und Zugereisten regelrecht vorbildlich.

"Ich muss sagen, in Haan sind die people so nett", sagt Mansour in gebrochenem Deutsch. Der 50-jährige Familienvater aus dem Iran ist seit sieben Monaten in Deutschland, war erst in Essen, dann in Neuss, seit vier Monaten lebt er nun mit Ehefrau Mitra, dem 14jährigen Sohn und der 21-jährigen Tochter Mahsa in Haan. "Wir sind hier sehr glücklich", bestätigt Mahsa und lacht fröhlich. Die Familie nimmt an dem Angebot "Zirkeltraining" im Mehrzweckraum der Walddorfschule teil. Blaue Matten liegen auf dem Boden, daneben jeweils ein Zettel mit den jeweiligen sportlichen Aufgaben: Liegestütze, Jumping Jack (Hampelmann), Sit-ups, Seilchenspringen. Ein Bild beschreibt die Übungen, Trainerin Annette Pieper spricht ausschließlich Englisch und Deutsch und kommuniziert ansonsten mit Körperbewegungen. Der junge Mann aus Eritrea versteht sie genauso wie die Familie von Mansour und das junge Paar aus dem Irak, das seine kleine Tochter mitgebracht hat. Die zweijährige Jolin sitzt ruhig auf einer Matte, beobachtet die lustigen Bewegungen ihrer Eltern, lacht.

Auch für die Kleinen hat der TSV Gruiten einiges herausgesucht und bietet vom Eltern- Kind Turnen über "Spiel und Spaß" für Drei- bis Fünfjährige auch Einradfahren und eine Einführung ins Inlineskaten. Und wenn die Eltern beim Zirkeltraining oder der Wirbelsäulengymnastik sind, kümmern sich internationale Betreuer um die Kinder, spielen mit ihnen und versorgen sie. "Es ist ein wunderbarer Tag", freut sich Frauke Heiden-Ziegert ebenso wie Simon Tsotsalas vom Kreissportbund und Tatiana Ortsis vom Kreisintegrationszentrum. "Wir finden es toll, dass so viele den Weg hierher gefunden haben, denn Sport verbindet die Kulturen ohne Worte, es ist einfach ein absolut gelungener Tag und ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Integration und gelungenes Miteinander."

Quelle: RP
 
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