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Lokalsport
Sportlicher Senior ist große Stütze im Verein

Haan. Seit 69 Jahren ist Hans Strerath Mitglied beim Haaner Turnerbund und engagiert sich seit 50 Jahren ehrenamtlich für den Nachwuchs. Von Daniele Funke

Alter schützt vor Eitelkeit nicht. Erst am Morgen hatte Hans Strerath eine kleine Hautunebenheit im Gesicht entfernt bekommen, ein kleines Pflaster ziert nun seine Stirn. "Für das Foto mache ich es lieber ab", sagt der 75-Jährige zu unserem Fotografen Olaf Staschik. Und fügt hinzu: "Sie können die kleine Wunde ja bestimmt noch weg retuschieren."

In der Turnhalle des Haaner TB an der Diekerstraße herrscht reges Treiben, Sportler kommen und gehen. Von allen Seiten wird Hans Strerath begrüßt, man kennt ihn als Urgestein. Für den jugendlichen Nachwuchs gibt es keine Zeit ohne den dynamischen, verlässlichen, stets freundlichen und für sein Alter noch extrem sportlichen älteren Herrn. Seine jahrzehntelange ehrenamtliche Tätigkeit für den Verein ist beispiellos, aktiv Sport macht er beim HTB allerdings schon lange nicht mehr. "Seit den 80er Jahren mache ich im Sportpark Hilden bis zu fünf Mal die Woche Sport, Work-Out oder Step Aerobic zum Beispiel. Da würden Sie lachen, wenn Sie das sehen - der alte Mann zwischen den ganzen jungen Leuten. Ein Leben ohne Bewegung? Völlig unvorstellbar."

1941 in Haan geboren, wächst Hans Strerath gemeinsam mit drei Brüdern im Jahrtausendhaus in Haan auf, ein Nachbar ist Turnlehrer beim 1890 gegründeten HTB. Der kleine Hans wird mit sechs Jahren Mitglied im Verein, beginnt mit Kinderturnen, nimmt später erfolgreich an Wettkämpfen teil und macht sich auch in Leichtathletik - vor allem im Weitsprung und im Kugelstoßen - recht gut. Nach einer Lehre zum Starkstromelektriker erhält der junge Sportler ein Stipendium von Siemens, zieht zum Ingenieursstudium nach Berlin, setzt seine Turnerkarriere dort aber fort. "Ich weiß noch gut, ich kam einige Tage nach Studienbeginn mit zwei Koffern in Berlin an, wusste nicht, wo ich wohnen sollte, wo ich hin muss, aber ich habe mich so schnell dort eingelebt und Freunde gefunden, dass ich direkt zum Semestersprecher gewählt wurde", erinnert sich der Senior nicht ohne Stolz.

1968 ist für den frischgebackenen Ingenieur ein besonderes Jahr: Er heiratet und tauscht seine aktive Turnerzeit gegen die ehrenamtliche Kampfrichtertätigkeit. Ein Lehrgang befähigt ihn, ab sofort für den Rheinischen Turnerbund zu werten. In den folgenden Jahrzehnten reist der Vater einer 1972 geborenen Tochter nahezu jedes Wochenende von Wettkampf zu Wettkampf, nimmt an allen großen Deutschen Meisterschaften teil, schafft es bis zum Oberkampfrichter in Istanbul, hat drei verschiedene Wettkampfsysteme mit erarbeitet.

"Ich hatte das große Glück, das meine Frau immer hinter mir stand, sie hat mir nie Vorwürfe gemacht, dass ich selten zu Hause war", erzählt der Rentner. "Warum das alles? Es hat mir schon immer unendlich viel Freude gemacht, die Anerkennung für das, was man tut, ist toll und man bereitet anderen Menschen eine Freude." Vor allem die Arbeit mit Kindern macht dem 75Jährigen Spaß. "Ich liebe diese kleinen Kinder mit ihrer offenen Freude, mit ihrer Euphorie, mit ihrer Leidenschaft für das, was sie tun."

Als 2. Vorsitzender und Beisitzer im Sportverband Haan, als Mitglied im Schul- und Sportausschuss und durch andere ehemalige Ämter ist Hans Strerath im Haaner Sportleben nicht wegzudenken. Bei der Sportlerehrung 2016 bekam er eine Auszeichnung für sein großes Engagement im Ehrenamt. Strerath aber winkt bescheiden und ohne jeglichen Anflug von Koketterie ab. "Ich bin wirklich keiner, der Auszeichnungen braucht, denn es gibt immer noch andere, die es viel mehr verdient hätten, geehrt zu werden."

Michael Patschke sieht das anders. "Im Vereinsleben ist es oft so, dass es nur wenig aktive Menschen gibt, die sich unermüdlich einbringen. In unserem Fall ist es nun mal Hans, er ist mit so viel Herz und Begeisterung dabei. Wir möchten, dass es immer so weitergeht und niemals auf ihn verzichten", sagt der HTB-Vorsitzende. Strerath nickt zustimmend. "Das wäre auch mein Wunsch, aber ich werde ja auch nicht jünger."

Entspannung findet der sympathische ältere Herr aber auch in Haan. Gemeinsam mit seiner Familie und seinem eineiigen Zwillingsbruder, der noch immer im Jahrtausendhaus lebt, verbringt er viel Zeit in dessen Garten, hilft bei der anfallenden Arbeit. "Mein Bruder und ich sind sehr eng miteinander. Als eineiige Zwillinge - ich bin übrigens der Ältere - sehen wir uns natürlich ähnlich. Wenn sie uns nebeneinander sehen würden, könnten Sie uns unterscheiden, aber in der Stadt wird mein Bruder oft mit ,Hallo Hans, wie geht's?' angesprochen."

Quelle: RP
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