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Handball
TB Wülfrath steigt in die Dritte Liga auf

Tb. Das Team von Lars Faßbender beweist im entscheidenden Duell Nervenstärke und kann auf das Publikum in der Fliethe-Halle bauen. Von Birgit Sicker

Wülfrath - TSV Bonn rrh. (Frauen) 19:16 (9:8). Als die Schiedsrichter Christopher Hillebrand und Stefan Umbescheidt die Relegationspartie abpfiffen, kannte der Jubel in der Fliethe-Halle keine Grenzen. Während die TBW-Handballerinnen auf dem Feld Freudentänze vollführten, standen die Bonnerinnen etwas verloren da, mussten die herbe Enttäuschung erst einmal verdauen. Denn nach dem 17:17 im ersten Aufstiegsspiel machten nun die Wülfratherinnen den Sprung in die Dritte Liga mit einem hart erkämpften Sieg perfekt. Und ernteten dafür stehende Ovationen der rund 900 Zuschauer.

Für Jochen Scheler war klar, was den Unterschied zwischen beiden Mannschaften ausmachte. "Zu Hause haben wir 17, hier 16 Tore erzielt - so gut kann man gar nicht decken, um diese geringe Ausbeute wettzumachen", erklärte der TSV-Trainer und ergänzte. "Wenn man im Angriff mit einem Treffer vorne ist, dann muss man auch mal nachlegen." Weil seine Mannschaft das nicht schaffte, nannte Scheler den Sieg des TBW "nicht unverdient" und betonte: "Wülfrath hat zumindest eine Spielerin, die Zug zum Tor zeigt." Damit meinte der Bonner Coach Lena Heider, die am Ende auf elf Treffer kam - darunter sechs erfolgreich verwertete Siebenmeter - und damit klar die beste Werferin beider Teams war.

"Lena war unser Motor im Angriff", lobte auch Lars Faßbender. Nach dem Ausfall von Daria Blume hatte der TBW-Coach das Offensivspiel auf die 19-Jährige zugeschnitten. Viel mehr vermochte Faßbender in der Stunde des Triumphs nicht zu sagen - angesichts der Krönung einer tollen Saison wirkte der sonst sehr redegewandte Übungsleiter sprachlos. Sein kurzes Fazit: "Wenn wir nur 16 Gegentore kassieren, haben wir nicht so viel falsch gemacht."

Auch Hitchcock hätte an diesem Handball-Thriller seine wahre Freude gehabt. Von Beginn an demonstrierten beide Kontrahenten ihren Siegeswillen. Überraschend gut kamen die Bonnerinnen in der Anfangsphase mit der Hexenkessel-Atmosphäre in der Fliethe-Halle klar, während die Wülfratherinnen doch etwas nervös wirkten. "Das ist ein schmaler Grat, aber am Ende haben wir uns vom Publikum tragen lassen", stellte TBW-Mannschaftsführerin Kirsten Buiting später mit glänzenden Augen fest. Zunächst aber waren die Gäste am Zug, gingen bereits nach 24 Sekunden durch Lara Karatanassis mit 1:0 in Führung. Eine knappe Minute später legte Sandra Bauer das Bonner 2:0 nach. Erst ein erfolgreich ausgeführter Siebenmeter von Kirsten Buiting brachte den TBW ins Spiel (3.). Zuvor traf Luisa Kieckbusch nur den Pfosten, dann hinderte die Abwehr die nachsetzende Lena Heider am Wurf. Kurz danach parierte Julia Zander den nächsten Versuch von Heider, aber dann glich Kieckbusch von linksaußen zum 2:2 (7.) aus.

In der Folge fand das Faßbender-Team seinen Rhythmus. Heider traf per Siebenmeter und dann kraftvoll aus der Rückraum-Mitte - der TBW führte trotz Unterzahl mit 4:2 (9.). Und Jochen Scheler nahm seine erste Auszeit. Kurz danach erhöhte Heider auf 5:2. Die Bonnerinnen ließen sich aber nicht abschütteln. Vielmehr egalisierte Lena Grabowsky zum 6:6 (22.). Jetzt hatte auch Lars Faßbender Redebedarf. Seine Ansprache war zunächst nicht von Erfolg gekrönt, denn wenig später übernahmen die Gäste durch Maja Klingenberg, ihre beste Werferin, mit 7:6 (23.) die Führung. In der Schlussphase der ersten Halbzeit wogte das Geschehen hin und her. Nach dem Ausgleich zum 8:8 (29.) durch Franziska Heck markierte Lisa Sippli mit einem gewaltigen Distanzwurf die 9:8-Pausenführung.

Nach dem Seitenwechsel setzte sich der offene Schlagabtausch fort. Zunächst lagen die TBW-Handballerinnen mit 11:9 (37.) in Front. Mit drei Toren in Folge sorgte Bonn aber für die Wende und lag plötzlich mit 12:11 (43.) vorne. Per Siebenmeter traf Heider zum 12:12. Wenig später glich Johanna Buschhaus zum 13:13 (48.) aus und Kirsten Buiting nutzte einen Strafwurf zur 14:13-Führung (49.). Von da an legte Wülfrath immer ein Tor vor und Bonn zog nach.

Als Maja Klingenberg einen Siebenmeter zum 16:16 (55.) verwandelte, stieg die Spannung ins Unermessliche. Doch in der entscheidenden Schlussphase bewiesen die Gastgeberinnen enorme Nervenstärke. Und hatten auch Glück, das Laura Lübke den Ball nur an den rechten Pfosten jagte. Auf der anderen Seite traf Buschhaus im Nachsetzen zur 17:16-Führung - knapp drei Minuten waren da noch zu absolvieren.

Lars Faßbender nahm noch einmal eine Auszeit. Und danach setzte Lena Heider ihren ganz eigenen Schlusspunkt unter die Begegnung. 86 Sekunden vor dem Ende jagte die 19-Jährige das Leder kraftvoll unter die Latte zum 18:16 ins Netz. Und drei Sekunden vor dem Abpfiff ließ sie von der linken Seite noch den Treffer zum 19:16 folgen. Damit war der Traum von der Dritten Liga für ihre Mannschaft endgültig Realität.

Quelle: RP
 
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