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Lokalsport
Tennis: Matthias Huning ist Weltmeister

Wülfrath. Für den 46 Jahre alte Wülfrather begannen die Titelkämpfe in der Türkei mit einer Erkrankung, die ihn für Einsätze der Mannschaft fast komplett lahmlegte. Im Einzel der Herren 45 folgte dafür aber eine überraschender Siegeszug. Von Erdinc Özcan-Schulz

Es ist einige Wochen her, dass der Wülfrather Matthias Huning bei den Tennis-Herren 45 im türkischen Side/Manavgat den Weltmeistertitel holte. Der Stolz des ehemaligen Tennis-Profis ist aber immer noch lebendig - und dazu hat der 46-Jährige auch allen Grund. Nach seiner Ankunft im beliebten Urlaubsgebiet plagte den Wülfrather zunächst eine Angina und er musste zuerst das Bett hüten, sodass er mit seinen Nationalmannschaftskollegen nicht auf den Platz konnte. Erst im kleinen Finale konnte der Lehrer am Gymnasium Wülfrath dann wieder angreifen. Ans Ergebnis erinnert sich der Zwei-Meter-Mann ungern: "Da fehlten mir Kraft und Reaktionsvermögen. Wir haben verloren."

Fürs Einzel wurde Huning allerdings wieder fit und er kam nach einem Freilos immer besser in Fahrt. Hintereinander besiegte er seine Gegner aus Spanien, England und Schweden. Im Viertelfinale des mit 80 Teilnehmern besetzten Turniers schienen ihn gegen den Finnen Terro Nissinen im dritten Satz beim Stande von 3:5 wieder die Kräfte zu verlassen. Huning, der seine Tennisschuhe zuerst bei Blau-Weiß Wülfrath schnürte, drehte die Partie jedoch nach rund vier Stunden Spielzeit tatsächlich noch um. Nachdem er im Halbfinale einen Italiener klar mit 6:2, 6:2 besiegt hatte, wartete im Endspiel erneut ein Drei-Satz-Match auf den Tennislehrer.

Nach dem 6:3, 3:6 und 6:4 gegen den Belgier Christophe Thijs gehörte sein Kumpel und Europameister Matthias Schramm, mit dem Huning in Haan eine Tennisschule betreibt, zu den ersten Gratulanten. Seine Frau Birgit und die vierjährige Tochter Mathilda waren beim Triumph ebenfalls zugegen. Anschließend bekam Huning dann 724 Euro Preisgeld für seinen Sieg überreicht - was er mit Humor nahm: "Damit konnte ich noch nicht einmal die Hotelkosten abdecken."

Seine Schüler müssen nicht befürchten, dass ihr Lehrer wieder auf Tour geht. Das war für dem ehemaligen Weltranglistenspieler bei diesem Turnier auch gar nicht das Ziel. Er nutzt die Veranstaltung eher als Wiedersehen mit alten Weggefährten, die er damals als Profi auf den Tennisplätzen der Welt kennenlernte. Dabei war Leistungstennis nie das große Streben von Huning, der in der Jugend neben dem Tennis auch erfolgreich Handball beim TB Wülfrath spielte. Von der Mutter bei Blau-Weiß gefördert und vom ehemaligen Teamchef Detlev Irmler entdeckt, machte Huning trotzdem seinen Weg. In der Bundesliga spielte er unter anderem für Düsseldorf, München, Solingen und Hagen. Sogar in Wimbledon kam der Doppel-Spezialist 1995 zum Einsatz. Der Start bei den US Open waren ihm im selben Jahr aufgrund einer Verletzung nicht vergönnt. Die Reise nach Australien war ihm wiederum zu aufwändig.

Als Trainer beim Tennisverband konnte der mittlerweile wieder in Wülfrath lebende Familienvater weitere wichtige Erfahrungen sammeln. "Ich wollte immer unterrichten - entweder auf dem Platz oder in der Schule", erzählt Huning. Seine Schüler am Gymnasium Wülfrath finden es klasse, einen echten Weltmeister als Lehrer zu haben. Für Huning haben sie sowieso einen beachtlichen Anteil an seinem überraschenden Titelgewinn. "Schließlich haben sie in den Wochen vor dem Turnier Nachmittags längeren Sportunterricht auf sich genommen", sagt Huning, der die zwei Wochen Freistellung akribisch vorgearbeitet hat.

Selbst ein Weltmeister muss halt seinen Dienst tun.

Quelle: RP
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