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Analyse
Unitas-Saison stimmt nachdenklich

Haan. Das Ziel war ursprünglich der Aufstieg in die Nordrheinliga, am Ende aber hatten die Haaner Handballer die rote Laterne fest in der Hand und mussten froh sein, dass mit dem Rückzug des TV Jahn Hiesfeld der einzige Absteiger früh feststand. Von Birgit Sicker

Als die Handballer der Unitas Haan vor zwei Jahren den Aufstieg in die Oberliga realisierten, schien der Klub auf einem guten Weg, sportlich bald wieder an die erfolgreichen Regionalliga-Zeiten anknüpfen zu können. Ein Trugschluss, wie die Verantwortlichen schmerzhaft erfahren mussten. Denn im ersten Oberliga-Jahr zahlte der Neuling eine Menge Lehrgeld. Und trennte sich noch vor dem Ende der Hinrunde von Chefcoach Jörg Müller. Seinerzeit übernahm CoTrainer Ronny Lasch das Ruder. Die Wende gelang aber erst in der Rückrunde, als die Haaner mit einer imponierenden Siegesserie doch noch den Klassenerhalt schafften.

Im zweiten Jahr der Oberliga-Zugehörigkeit sollte alles besser laufen. Das Ziel formulierte der Unitas-Vorstand deutlich. "Wir wollen in die Nordrheinliga, brauchen also mindestens Rang acht", unterstrich Martin Blau. Nach einer intensiven Vorbereitung sah der Vorsitzende dem Meisterschaftsstart zuversichtlich entgegen, gestand aber auch: "In der vergangenen Saison war ich am Anfang so optimistisch, dass ich nachher an meiner Einschätzung gezweifelt habe."

Der Start in die Saison 2015/16 kam für die Führungsetage der Unitas eher einem Déjà-vu gleich. Denn das Lasch-Team verlor gleich zum Auftakt in eigener Halle mit 33:39 - und das ausgerechnet gegen Aufsteiger VfB Homberg. Bei Borussia Mönchengladbach gab es für die Haaner ebenfalls nichts zu ernten. Erst gegen den TV Lobberich gelang der erste Sieg. Es war zugleich der vorerst letzte Auftritt der Unitas in ihrer Heimstätte. Denn die Halle an der Adlerstraße stand in den nächsten Monaten nicht mehr den Sportlern zur Verfügung, sondern diente als Erstaufnahmelager für Flüchtlinge. Für die Haaner Handballer begann damit eine Odyssee: Fieberhaft suchten die Verantwortlichen in der Umgebung nach Möglichkeiten, Training und Spiele ordentlich durchzuführen. Ein schwieriges Unterfangen. Immerhin konnte der Unitas-Vorstand auf die Unterstützung der Nachbarstadt Hilden bauen. Die Übungszeiten hingegen gingen oft "zu nachtschlafender Zeit" über die Bühne. Kein Wunder, dass es in der Folge Niederlagen hagelte.

Als der 27:20-Sieg über die SG OSC Wölfe Rheinhausen gelang, hofften die Haaner auf die Wende, zumal die Mannschaft zwei Spieltage später ein Remis beim TSV Aufderhöhe holte. Dann aber folgte der Tiefpunkt: Die Unitas-Handballer unterlagen der SG Langenfeld mit 23:29 - und übernahmen damit kurz vor Weihnachten die rote Laterne. Und die sollten sie bis zum Saisonende nicht mehr abgeben. Spätestens jetzt war der Traum von der Nordrheinliga geplatzt.

Immerhin blieb den Haanern der Gang in die Verbandsliga erspart: Weil der TV Jahn Hiesfeld seine Mannschaft vom laufenden Spielbetrieb zurückzog, stand der erste und einzige Absteiger frühzeitig fest. Der Motivation der Lasch-Truppe war das nicht förderlich. Der ehrgeizige Coach Ronny Lasch klagte zudem immer wieder über die unzureichenden Trainingsmöglichkeiten und das Harzverbot, dass in den fremden Hallen einzuhalten war. Sätze, die letztlich eher eine Alibifunktion hatten und nicht unbedingt den Druck auf die Spieler erhöhten, den widrigen Umständen zum Trotz die bestmögliche Leistung zu liefern. Zudem schaffte es der Trainer nicht, eine Formation aufs Feld zu stellen, die mit Leidenschaft punktet.

Das änderte sich erst in der Schlussphase der Saison, als sich der Haaner Vorstand zur vorzeitigen Entlassung des Trainers entschloss. "Wir müssen jetzt Ruhe im Umfeld haben und dürfen nicht alles negativ darstellen", erklärte Vorsitzender Martin Blau. Stefan Panthel sprang als Interimscoach ein. Eine glückliche Personalentscheidung, denn das Unitas-Urgestein ist ein Kämpfertyp und verkörpert genau jene Tugenden, die die Mannschaft zuletzt hatte vermissen lassen. In der Folge legte das Team wesentlich mehr Einsatzfreude und Siegeswillen an den Tag. Und einige Spieler liefen plötzlich zur Top-Form auf. Wie Karsten Mühlenhaupt, der mehr Einsatzzeiten im Rückraum bekam und das Vertrauen mit guten Vorstellungen zurückzahlte. Schade nur, dass sich der Mittelmann nach der durchwachsenen Saison dazu entschloss, seine Zelte in Haan abzubrechen und sich Mettmann-Sport anzuschließen - einem Verein, der kurz vor dem Aufstieg in die Oberliga steht.

"Aller guten Dinge sind drei" dürfte jetzt das Unitas-Motto lauten. Im Sommer übernimmt Jurek Tomasik das Traineramt bei der Haaner Herrenmannschaft. Der erfahrene Coach soll das Team mittelfristig wieder in die Erfolgsspur zurückführen. Immerhin kennt er die Oberliga aus dem Effeff - zuletzt betreute Tomasik das Team des Liga-Rivalen TV Lobberich.

Quelle: RP
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