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VfB 03 Hilden holt Ex-Bundesligaprofi Dum

Hilden. Der frühere Spieler von Bayer Leverkusen und Fortuna Düsseldorf wechselt zum Oberligisten - und freut sich wahnsinnig drauf. Von André Schahidi

Worauf sich Sascha Dum am meisten freut? Das kalte Radler nach dem Spiel. Oder die Bratwurst am Bierstand. Und dabei noch ein bisschen quatschen. "Das sind Dinge, die sind als Fußball-Profi einfach nicht möglich", sagt Dum. "Sowas habe ich in den vergangenen 13 Jahren aber echt vermisst. Um so mehr freue ich mich auf das, was jetzt kommt." Denn der 31-Jährige wird künftig für den VfB 03 Hilden in der Fußball-Oberliga auflaufen. Und das mit der Erfahrung aus 65 Erst- und 83 Zweitligaspielen.

Ein Transfercoup für die Hildener? Sicherlich. Und doch möchte Dum das alles nicht zu hoch hängen. "Ich bin kein Star oder so. Es ist ja nicht so, dass ein zigfacher Nationalspieler nach Hilden wechselt", sagt er nüchtern. "Natürlich hatte ich meine Zeit in der Bundesliga, auch in der Zweiten. Aber das ist jetzt auch schon ein paar Jahre her. Für mich war nach der vergangenen Saison klar, dass ich mein Leben als Fußball-Profi beenden wollte - aber trotzdem weiter spielen will. Da war Hilden eine gute und logische Wahl."

Dass Verein und Spieler zusammengekommen sind, hatte dennoch ein wenig mit Glück und Zufall zu tun. David Moreno ist ein Freund der Familie und sowas wie ein Spielerberater für die Region. Mit ihm sprach Dum über seine Pläne. "David fragte mich dann, ob der VfB nicht was für mich sei", meinte Dum. "Dort gehe es kameradschaftlich und familiär zu - genau das, was ich suche." Zumal auch Dums Eltern in Hilden wohnen. Moreno fühlte beim Verein vor, das war vor zwei Wochen. Danach ging alles ganz schnell. "Natürlich waren wir interessiert", betont Teammanager Michael Kulm. "Aber erst einmal waren wir etwas überrascht. Wir wären von alleine niemals auf die Idee gekommen, bei einem solchen Spieler anzufragen, aber als uns Moreno anrief, haben wir uns sofort bei Sascha gemeldet." Das erste Gespräch führte der Vorsitzende Wolfgang Appelstiel, danach stiegen Kulm und Trainer Marcel Bastians mit in die Gespräche ein. "Wir haben uns total schnell geeinigt", betont Kulm. "Und bevor einer denkt, wir würden jetzt mit Geld um uns werfen - das war nie ein Thema. Er bekommt die gleichen Auflauf- und Siegprämien wie alle anderen."

Ums Geld geht es Dum wirklich nicht. "Es gab noch zwei Angebote von Klubs aus der Regionalliga Südwest. Aber meine Tochter kommt jetzt in die Schule. Ich möchte nicht nochmal aus Leverkusen wegziehen, und pendeln kommt für mich auch nicht in Frage. Ich war jetzt 13 Jahre Profi. Und das reicht dann auch. Ich möchte künftig bei einem Verein spielen, der zwar ambitioniert ist, aber in dem es auch um das Miteinander geht. Ich möchte zum Ausklang meiner Karriere noch einmal richtig Spaß haben", betont er.

Trotzdem denkt er dabei auch an seine Zukunft. "Beim Arbeitsamt bin ich gerade arbeitslos gemeldet, aber das soll natürlich nicht der Dauerzustand sein. Ich habe zwar eine Ausbildung zum Bürokaufmann - aber da war ich gerade 18. Die bringt mir jetzt gar nichts mehr", sagt Dum. "Wenn ich ehrlich bin, befinde ich mich gerade in einer Findungsphase. Wenn du 13 Jahre Profi warst, gibt es daneben nichts. Du lebst nur von Training zu Training und von Spiel zu Spiel. Ich würde jetzt gerne meinen Betriebswirt im Sportbereich machen, werde demnächst bei Bayer Leverkusen schnuppern dürfen. Und beim VfB Hilden werde ich Co-Trainer der A-Jugend und meine ersten Trainerscheine machen." Und während Dum das alles erzählt, verspürt man die Begeisterung.

Überhaupt ist Begeisterung etwas, was den heute 31-Jährigen durch seine Karriere getragen hat. "Natürlich weiß ich, dass es ligamäßig bei mir stetig bergab ging. Angefangen in der Bundesliga, dann Zweite, Dritte, Regionalliga. Dafür gab es Gründe. Die liegen aber nicht nur bei anderen, dazu habe ich auch meinen Teil beigetragen." Trotzdem würde Dum im Nachhinein nicht sagen, dass er etwas falsch gemacht oder verpasst hätte. "Natürlich taten die Abstiege jetzt zuletzt mit Schalke oder mit Aachen richtig weh. Aber die positiven Momente überwiegen. Der Aufstieg mit Fortuna, Europapokal mit Bayer Leverkusen. Ich konnte viel Gutes mitnehmen", sagt er. Anfield zum Beispiel, das legendäre Stadion des FC Liverpool. "Ich stand als 18-Jähriger bei Bayer im Kader zum Champions-League-Spiel. Nach dem Aufwärmen bin ich aber nicht zurück in die Kabine gegangen. Ich blieb auf dem Platz, bis zum Anpfiff. Das war in meiner ganzen Karriere das einzige Mal, dass ich draußen blieb. Aber ich wollte diese unglaubliche Atmosphäre aufsaugen, habe das "You'll never walk alone" der Fans gehört. Gänsehaut bekommen. Und dann habe ich mich auf die Bank gesetzt. Das war ein unglaubliches Erlebnis."

13 Jahre später: von der Anfield Road an die Hoffeldstraße. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. 150 Zuschauer statt über 40.000. Dum ist das alles egal. Denn Mannschaft ist schließlich Mannschaft. "Ich bin jetzt zwei Tage in Hilden und fühle mich schon unglaublich wohl", sagt er. "Die Mannschaft hat mich super aufgenommen. Im Team herrscht eine gesunde Hierarchie." Dum möchte seine Erfahrung einbringen - aber nun auch nicht wie der Allwissende auftreten. "Ich denke, ich werde meinen Platz im Team schon schnell finden."

Seine fußballerischen Qualitäten brachte er jedenfalls gleich im ersten Testspiel beim 5:1-Erfolg gegen Heiligenhaus ein. Drei Tore bereitete er vor. "Man hat seine Fähigkeiten gesehen", meint Kulm. "Aber man sieht auch, dass er acht Wochen nur für sich alleine trainiert hat. Er kann noch viel mehr." Das weiß auch Dum. "Es ist halt ein Unterschied, ob du jeden Tag mit den Jungs auf dem Platz stehst oder ob du alleine für dich trainierst. Selbst ein bisschen Cageball kann kein richtiges Mannschaftstraining ersetzen. Da geht es um Spielpraxis, Abläufe. Ich werde ein bisschen brauchen, bin aber zuversichtlich, dass ich das packen kann. Ich will spielen und der Mannschaft helfen."

Gerade letzteres fehlte ihm zuletzt bei Schalke 04 II. In der Hinrunde bestritt Dum fast alle Spiele, das auch immer als Kapitän. In der Rückrunde - in der Schalke dann auch aus der Regionalliga abstieg - spielte der Defensivmann kaum noch. "Dafür gab es einige Gründe", sagt er. "Wir bekamen einen neuen Trainer, dazu kam die sportliche Talfahrt. Außerdem waren wir uns nicht ganz einig über Vertragsinhalte." So saß Dum meist nur noch auf der Bank - und verließ die Schalker Reserve zum Saisonende. "Ich bin dort aber nicht im Bösen weggegangen. Bis auf den Abstieg war es auf Schalke eine wirklich gute Zeit."

Eine gute Zeit soll es nun auch beim VfB 03 werden. Mit ambitioniertem Fußball. Und dem Radler und der Bratwurst nach dem Spiel. Gab es die wirklich nie in den vergangenen 13 Jahren? "Natürlich gab es das", meint Dum mit einem Schmunzeln. "Aber dann musstest du schon heimlich zu McDonalds fahren. In der Öffentlichkeit ging das einfach gar nicht. Genau deshalb bin ich jetzt glücklich, wenn ich jetzt einfach Fußball spielen und danach mein Bierchen trinken kann. Und das ohne schlechtes Gewissen."

Quelle: RP
 
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