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Handball
"Wie sollen wir Flüchtlinge integrieren?"

Mettmann. Die Meisterschaft hat gerade erst begonnen, und schon steht die DJK Unitas Haan vor großen organisatorischen Problemen. Denn in der Halle an der Adlerstraße sollen jetzt Flüchtlinge unterkommen - damit fällt der Trainings- und Spielbetrieb flach.

Haan Der Flüchtlingsstrom nach Deutschland reißt in diesen Wochen nicht ab. Und auch Haan ist davon betroffen. Erst in der vergangenen Woche richtete die Stadt die Turnhalle Steinkulle für die Aufnahme von Flüchtlingen her - und die Sportler mussten weichen. Jetzt will die Verwaltung die Halle an der Adlerstraße für die Erstaufnahme von Flüchtlingen nutzen. Heute sollen die Umbauarbeiten beginnen. Die Handballer der DJK Unitas Haan werden damit nicht nur ihrer Übungszeiten beraubt, sondern bekommen auch Probleme, den offiziellen Spielbetrieb regulär durchzuführen. Unsere Redaktion sprach mit dem Vorsitzenden Martin Blau über die vertrackte Situation.

Seit wann wissen Sie, dass die Halle an der Adlerstraße ab Dienstag für Flüchtlinge bereitgestellt wird?

Blau Wir haben noch gar keine offizielle Benachrichtigung. Eigentlich haben wir erst durch die Presse davon erfahren. Im Moment sehen wir gar keine Veranlassung, am Dienstag nicht zu trainieren.

Hat Sie die Nachricht überrascht?

Blau Mich persönlich hat es sehr überrascht. Zwar hat sich durch die stille Post, die durch Haan kreist, angedeutet, dass es kommen könnte, aber es gab nichts Offizielles.

Haben Sie schon eine Lösung für das Problem parat?

Blau Die Hallenbelegungspläne lassen noch nicht zu, etwas Konkretes zu sagen. Wir müssen schauen, welche Möglichkeiten wir über unsere Kooperation in Hilden haben. Derzeit prüfen wir, ob wir in Hallen privater Schulen, auf die die Stadt keinen Zugriff hat, Zeiten bekommen können. Allerdings sind das kleine Hallen, also keine mit den Ausmaßen, die die Halle an der Adlerstraße hat. Wir müssen schauen, wie weit man sich arrangieren kann. Auch bei der Halle am Bandsbusch in Hilden ist die Frage, wie sie belegt ist und ob da nicht auf Dauer auch Flüchtlinge untergebracht werden.

Welche finanziellen Folgen hat der Zwangsumzug?

Blau Uns fallen bei den Heimspielen Eintrittsgelder weg. Ich weiß auch nicht, wie es mit den Sponsoren ausschaut. Im Moment können wir uns vorstellen, auf offene Ohren zu stoßen, aber man weiß nicht, wie das im kommenden Jahr aussieht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Flüchtlingsansturm so schnell vorbei ist.

Wie sieht es mit den Hallenkosten aus?

Blau Wenn wir in fremde Hallen gehen, müssen wir Miete zahlen. Wir brauchen neun Trainingseinheiten für sechs Mannschaften. Wenn wir das die nächsten sieben Monate bis zum Ende der Saison stemmen müssen, kann hier schnell ein Betrag von 10.000 Euro zusammenkommen. Und das ist eine Menge Geld, das wir nicht eingeplant haben. Wir haben erst vor kurzem 2000 Euro investiert, um während der Spiele die Wände in der Halle an der Adlerstraße vor Harzflecken zu schützen.

Gibt es für den Verein denn auch Unterstützung?

Blau Auf jeden Fall werden wir entsprechende Anträge stellen, denn da ist jetzt auch die Politik gefordert. Wenn der Staat eine Willkommenskultur betreibt, aber man seinen eigenen Dingen nicht mehr nachgehen kann, macht das einiges kaputt. Und das ist keineswegs gegen die Flüchtlinge gerichtet. Wir würden uns hier mehr Unterstützung von der Stadt für die Vereine wünschen. Wir helfen gerne, aber wenn der Unfrieden zu groß wird, kann es schnell nach hinten losgehen.

Wo könnte die Stadt sonst Flüchtlinge unterbringen?

Blau Ich weiß nicht, ob die Stadt wirklich alle Möglichkeiten geprüft hat. Neben der Halle an der Adlerstraße gibt es zum Beispiel noch eine große Halle von Schüco, in der nicht gearbeitet wird. Oder es gibt leerstehende Hotels wie das Eugen Engels in Unterhaan oder das Jakobs-Hotel. Warum investiert die Stadt nicht in diese Unterkünfte, statt eine Halle zu nehmen, die erst vor kurzem aufwendig für viel Geld renoviert wurde und die die Stadt seither wie ihren Augapfel hütet? Wenn Sportvereine aufgefordert werden, Integration zu betreiben, geht das nicht, wenn man ihnen die Grundlagen nimmt.

BIRGIT SICKER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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