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Lokalsport
Zwillingspaar kämpft gemeinsam um Punkte

Hilden. Die Hildenerinnen Silvia und Simone Mrotzek gehen heute beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen an den Start. Von Dominique Schroller

Sie kämpfen gemeinsam - auch wenn sie eigentlich Konkurrentinnen sind. "Wir sind schon ehrgeizig, doch jeder fiebert auch mit der anderen mit. Und besonders schön ist es, wenn wir beide mit unserem Wettkampf zufrieden sind", sagt Simone Mrotzek. Zusammen mit ihrer Schwester Silvia startet sie an diesem Wochenende beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen. Der Bundestrainer hat die Zwillinge aus Hilden für den Siebenkampf nominiert. "Für uns ist das ein Höhepunkt in der Saison, denn in dem Stadion ist die Stimmung außergewöhnlich. Es sind außerdem viele international erfolgreiche Athleten am Start, um sich für die Weltmeisterschaften zu qualifizieren", sagt Silvia Mrotzek. Die Zehnte der Jahresbestenliste zielt nicht auf ein Ticket nach Peking. Sie hat sich gerade von einem Kreuzbandriss erholt, der sie in der vergangenen Saison ausgebremst hat. "Zunächst wusste ich gar nicht, wie ich zurückkomme. Besonders im Hochsprung hatte ich anfangs Schwierigkeiten", berichtet die 25-Jährige. Inzwischen hat sie jedoch ihre Form gefunden und möchte in Ratingen mit Bestleistungen auftreten. "Die 5500 Punkte zu überschreiten, wäre für mich ein Erfolg." Hundert Punkte weniger wären für ihre Schwester Simone persönlicher Rekord. Sie würde sich außerdem einen Start bei den Deutschen Meisterschaften wünschen. "Bisher gibt es dafür aber noch keinen Ausrichter."

Eine internationale Herausforderung wie vor zwei Jahren, als die beiden Hildenerinnen Deutschland beim Thorpe-Cup in San Diego vertraten, ist derzeit kein Thema. Die beiden Sportlerinnen möchten sich erst einmal auf ihren Einstieg in den Beruf konzentrieren. Sie haben ihr Medizinstudium abgeschlossen und treten in zwei Monaten ihre erste Stelle an. "Im Krankenhaus tragen wir viel Verantwortung und müssen sehen, wie wir das mit dem Training vereinbaren", betont Silvia Mrotzek. Ihr Trainer Erik Schneider vom TSV Bayer Leverkusen hat dafür Verständnis. "Es ist bewundernswert, wie die beiden Studium, Doktorarbeit und Leistungssport gemeistert haben. Obwohl das alles sehr zeitintensiv ist, haben sie sich nie anmerken lassen, dass es für sie eine Belastung ist." Beide hätten sich in dieser Phase sogar noch steigern können. "Das ist wirklich beeindruckend", sagt Schneider.

Simone und Silvia Mrotzek haben den Sport stets als Ausgleich zum Unialltag betrieben. "Für mich war es immer ein Anreiz, fokussiert zu lernen, wenn ich mich anschließend beim Training verausgaben konnte", betont Silvia Mrotzek. "Abends noch etwas ganz anderes zu machen, hat den Kopf entlastet", ergänzt ihre Schwester. Beide verbringen zwei bis drei Stunden täglich auf der Tartanbahn oder im Kraftraum. "Sie sind sehr gewissenhaft und gut organisiert. Ihr Tag beginnt früh und endet spät, trotzdem machen si e alles mit Begeisterung", lobt Erik Schneider. Er schätzt an Silvia die Zielstrebigkeit. "Wenn sie schon mit Spikes auf der Bahn steht, tauscht Simone noch die Schuhe. Im Wettkampf sind aber beide auf den Punkt fit." Bestleistungen traut der Trainer ihnen durchaus zu. "Das ist sicher möglich. Sie sollen das Meeting in Ratingen jedoch auch genießen."

Zwei Stunden vor ihrem ersten Start werden sie im Stadion sein und sich vorbereiten. "Dort ist alles sehr professionell organisiert. Es gibt ein Athletenzelt, einen Physiotherapeuten und eine Eistonne", berichtet Simone Mrotzek. Sie möchte besonders im Weitsprung die drei Zentimeter überwinden, die sie von der Sechs-Meter-Marke trennen. "Dann backt unsere Teamkollegin Kira Biesenbach einen Kuchen. Das ist Tradition."

Das rhythmische Klatschen der vielen Zuschauer spornt Silvia besonders an. "Da hole ich noch mehr aus mir heraus. Gegen die Besten anzutreten, die anschließend bei den Weltmeisterschaften starten, ist natürlich auch reizvoll." Entscheidend ist jedoch die Unterstützung ihrer Schwester. Denn die beiden kämpfen gemeinsam - auch wenn sie Konkurrentinnen sind.

Quelle: RP
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