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Rp-Serie Fit Durch Den Herbst (3)
Tiefliegende Muskelpartien stärken

Rp-Serie Fit Durch Den Herbst (3): Tiefliegende Muskelpartien stärken
RP-Mitarbeiter Dirk Neubauer trainierte bei Medi Sport in Mettmann unter Anleitung von Christina Papathanasiou Koordination und Konzentration. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Koordinationstraining: Ein 45-minütiger Selbstversuch erweist sich als sehr anstrengend für den Gastteilnehmer. Von Dirk Neubauer

KREIS METTMANN So fühlt sich das an, wenn gute Vorsätze übers Jahr entschlummern: Erst fehlen die Hallenturnschuhe, dann ein Sporthemd. Die Jogginghose hingegen ist zu oft im extremen Couch-Einsatz und liegt parat. Und gerade als die Sporttasche gepackt ist, lästert die Holde: "Gut, dass Du jetzt mal zu einem Koordinationstraining gehst!" In den nächsten 45 Minuten werde ich bei Medi-Sport in Mettmann im Stillstehen schwitzen, weiche Knie bekommen, an halbvollen Wasserflaschen rütteln und versuchen, einen mir völlig unbekannten Trainingspartner aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Koordinationstraining? Schon die Verwaltungs-Vokabel verhindert, dass daraus jemals ein Fitnesstrend wird. Dabei ist Koordinationstraining in vielen Sportarten die Basis, verbessert Bewegungsabläufe, trainiert die Zusammenarbeit von Hirn und Muskeln, mindert die Verletzungsgefahr.

"Wir wollen an die tiefliegenden Muskeln heran", sagt Trainerin Christina Papathanasiou, die meinen Hinweis, ich sei völlig untrainiert, mit der ganzen Milde einer 28-Jährigen hinweglächelt. Das hatte sie längst selbst gesehen, da ich in der Hektik ein etwas zu kleines T-Shirt gegriffen habe, das rund um den Bauchnabel spannt.

Ausgerechnet dort in der Körpermitte liegt eine der Zielregionen des Koordinationstrainings. Auf mehrfach zusammengelegten, und dadurch besonders wabbeligen Jogamatten versuchen wir - acht aus der Stammgruppe und ich als Gast - unser Gleichgewicht zu finden. Schon auf den hüftbreit auseinander stehenden Füßen ist das eine permanente Balanceübung.

Doch dann hebt Christina auch noch ihr rechtes Bein. "Zur Seite und nach vorn", sagt sie lächelnd und es sieht bei ihr einfach toll aus. Ich hingegen kippe und sehe zu, dass aus meinem weit weniger grazil gehobenen Spiel- schleunigst wieder ein stabilisierendes Standbein wird. Das also war mit "Gleichgewichtsübungen" gemeint.

In der nächsten Runde sind die Wasserflaschen an der Reihe. Sie sind zur Hälfte mit Wasser gefüllt, das mit Lebensmittelfarbe auf Blau, Gelb, Lila oder Grün getrimmt wurde. An der Seite: ein schwarzer Strich als künstlicher Horizont. "Nun bewegen wir uns und bemühen uns dabei, das Wasser immer parallel zum Strich zu halten." Immer noch auf den Wabbelmatten, versteht sich.

Ich schummle. Lasse statt einem beide Füße am Boden oder gewinne ein paar Sekunden auf einem Bein, in dem ich mit der Fußspitze den Boden antippe. Christina guckt tadelnd. Okay, okay. Wenigstens geht es nicht mir allein so. Aus den Augenwinkeln kann ich sehen, dass auch andere neu ansetzen.

"So und nun trainieren wir die Schulterpartie!" Die Wasserflaschen werden geschüttelt, als ginge es um die Barmixer-Weltmeisterschaften. Halt, falscher Gedanke - wir sind hier beim Sport... "Und schon ist unsere Stunde für heute zu Ende", sagt Christina. Schon jetzt fühle ich wo die sind, diese "tieferliegenden Muskelpartien", die Wirbelsäule und Gelenke zusammen mit Sehnen erst zu jenem einzigartigen Bewegungsapparat machen, den viele von uns ihr Leben lang sträflich vernachlässigen und missachten.

Wie oft müsste ich wiederkommen, um einen Trainingserfolg bemerken zu können? "Nach zehn Lektionen kann ich sehen, wie sich die Teilnehmer verändert haben. Sie gehen anders. Viel bewusster. Ihre Körperhaltung ist anders", sagt die Trainerin. Und wie viele weitere Übungen hält das Koordinationstraining für Übende bereit? Da schaut Christina Papathanasiou zum ersten Mal erstaunt: "Unendlich viele. Wie Du an den Flaschen gesehen hast, braucht man nur ein wenig Phantasie und keine teuren Sportgeräte dazu. Und manchmal machen wir Zirkeltraining."

Quelle: RP
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