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An(ge)dacht
Vatertag

Mettmann. Schon seit Längerem regt sich Kritik bekennender Christen, dass die Hochfeste unserer Kirchen in der Gesellschaft schleichend umgedeutet werden. Ostern, in der Geschäftswelt gern als Frühlings- oder Hasenfest vermarktet, teilt dieses Schicksal zum Beispiel mit Weihnachten. Die Werbung ist da sehr einfallsreich. Das kann schon mal zu ideologischen Streitigkeiten führen, wenn etwa der Hl. Nikolaus gegen den "Weihnachtsmann" antreten muss.

Manchmal aber kann eine Verweltlichung oder Banalisierung des christlichen Festgedankens "von außen" sogar helfen, einen neuen Zugang zum Glaubensbekenntnis zu eröffnen: "Auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters!" Da haben wir´s: Vater-Tag! Jesus Christus, der Gekreuzigte und in das neue Leben Gerufene, kehrt zurück zu dem, von dem er ausgegangen ist: Zum Vater!

Seine und unsere bleibende Heimat ist nicht die irdische Welt mit ihrer Endlichkeit, ihren Irrwegen und Abgründen, sondern das Eins-werden mit dem Vater. Christi Tod und unser Tod ist Heimkehr, so traurig das auch für Menschen sein mag, die Abschied von ihren Lieben nehmen müssen. Jesus bleibt nicht der "Erziehungsberechtigte" in Glaubens- und Lebensfragen seiner Apostel und Jünger. Er will, dass sie - und damit auch wir - im Glauben erwachsen und mündig werden. Mit der Todüberwindung Jesu, mit den Erscheinungen des auferstandenen Herrn und der Sendung des Gottesgeistes aber, geht ihnen ein Licht auf, "zündet" ihr oft so schwacher Glaube. Ist das nicht auch manchmal ganz menschliche Erfahrung und Einsicht? Da muss erst jemand gehen, ehe der Weg des eigenen, selbst verantworteten Lebens "Fahrt gewinnt", "Himmel-Fahrt" gewinnt.

Christus, so bekennen es Christen, hat sich nicht einfach "aus dem Staub gemacht".

Er zeigt "wo es lang geht". ER gibt den Seinen Verantwortung und Begabung. ER lässt sie in ihrer Berufung zum Glauben erwachsen werden. Die Verbindung zu IHM reißt nicht einfach ab. Der Heilige Geist knüpft sie neu. Er verknüpft Himmel und Erde.

Mir hilft das zum Glauben-lernen: Du, Jesus, weißt wohin du gehst. Und du zeigst mir, wohin ich einmal gehen darf: Zu dir, in deine und meine Heimat, zum Vater. Dann, wenn auch für mich der VATERTAG angebrochen ist.

MSGR. HERBERT ULLMANN, PFARRER DER KATHOLISCHEN PFARRGEMEINDE IN METTMANN

Quelle: RP
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