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Christoph Maurer
Verbraucher sollte Billig-Milch meiden

Christoph Maurer: Verbraucher sollte Billig-Milch meiden
Christoph Maurer sieht auch die Verbraucher in der Pflicht, keine Billig-Milch mehr bei Discountern zu kaufen. FOTO: Achim Blazy
Mettmann. Sorgenfalten trotz der zugesagten Soforthilfe von 100 Millionen Euro behalten viele Milchbauern. "Welche Bedingungen müssen erfüllt werden, um Geld zu bekommen?", fragt sich Christoph Maurer. Auf Gut Karpenhaus hält er 30 Kühe. Sein durchschnittlicher Arbeitstag umfasst 12 Stunden - an 365 Tagen im Jahr.

Lohnt sich der Aufwand?

Maurer: Mein Tag beginnt um 6.30 Uhr und endet nicht vor 19 Uhr. Umgerechnet auf die Stunde lohnt sich das nicht. Der Preis, den wir zurzeit für Milch bekommen, ist so niedrig, davon können wir nicht mal Futter für die Tiere kaufen beziehungsweise unsere eigene Gras- und Maissilage erzeugen.

Was muss anders werden?

Maurer: Es braucht verbindliche Regeln, um die Milchproduktion zu senken. Würden alle 80 Prozent der derzeitigen Milchquote melken, sähe die Sache schon anders aus. Die gesamte Branche muss sich zusammensetzen, um tragfähige Preise auszuhandeln.

Wie kann das Preisdrama beendet werden?

Maurer: Die Überproduktion ist zurzeit gewaltig und die Absatzmärkte im Ausland sind eingebrochen. Da müssen auch wir Milcherzeuger Einsicht haben und die Aufstockung der Kuhbestände bremsen. Das geht aber nicht über Nacht. Wir haben hier auf unserem Hof auch aus Platzgründen keine Möglichkeit, ohne große Investition wesentlich mehr Kühe zu halten. Das hat sich im Nachhinein als positiv herausgestellt.

Was bedeutet diese Überproduktion?

Maurer: Das bedeutet extrem niedrige Preise für die Verbraucher. Das ist ein Problem, denn würde der Verbraucher zu höherwertigen Produkten und fairen Preisen einkaufen, gäbe es einen Teil der Misere nicht.

Sind die Verbraucher zu geizig?

Maurer: Schön wäre es, er würde auf Billigangebote verzichten. Die Verbraucher dürfen sich nicht beklagen, denn mit ihrem Verhalten beeinflussen sie massiv, was und wie Bauern produzieren.

Welche Rolle spielen Discounter?

Maurer: Eine wichtige. Die Molkereien sind von einigen wenigen Discountern abhängig. Die Konzentration ist einfach zu stark. Momentan ist es so, dass Softdrinks wesentlich mehr kosten, als gute gesunde Naturprodukte wie Milch.

Haben Sie schon mal ans Aufgeben gedacht?

Maurer: Meine Frau und ich wären nicht zu alt für etwas Anderes. Unsere Vorfahren und wir haben hier auf Gut Karpenhaus etwas aufgebaut, das wir fortführen wollen. Aber wenn Sie irgendwann Geld dazugeben müssen, hört der Spaß auf.

Welche Konzepte haben Sie, um gut über die Runden zu kommen?

maurer: Zum Beispiel unsere Milchtankstelle. Dort können Sie Milch zapfen, die frisch von der Kuh kommt und lediglich gefiltert und gekühlt wurde. Verfahren wie Homogenisierung und Pasteurisierung beeinflussen nicht nur den Geschmack, sondern machen die Milch aus ernährungspsychologischer Sicht nicht wertvoller. In unserer Milch sind Vitamine etc. enthalten. Sie brauchen nur ein sauberes Gefäß mitzubringen, schon können Sie zapfen.

Wie kommt die Idee an?

Maurer: Gut, Tendenz steigend. Wir hören oft, dass sich die Leute über den 'ursprünglichen' Geschmack freuen. 'Das kennen wir von früher!', heißt es dann oft. Und bleibt tatsächlich aus der Milchtankstelle mal etwas übrig, bekommen es unsere Kälber.

VALESKA VON DOLEGA FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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