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Mettmann
Von der Akademie mit Papierkunst ins Kunsthaus

Mettmann. Es gleicht einem Aufstand der Sanftmütigen, was da gerade im Kunsthaus geschieht. "Rädelsführerin" eines zarten Bildersturms ist Nadja Nafe. Nach ihrer Einzelpräsentation "Behind Curtains" im vergangenen Jahr setzte die Vorsitzende des Kunsthausvereins Sabine Brock vollstes Vertrauen in die kleine blonde Predigerin des Mittelmeerlichts. Mit dem Kuratieren einer Nafe rief eine subversive Rotte von 13 Gesinnungsgenossen zusammen. Diese eint der Glauben an eine einzige Materie, welcher in der jüngst eröffneten Ausstellung "Lucky No. 13" gehuldigt wird. An der Kunstakademie Düsseldorf bildeten die frischen Absolventen die Fraktion der Papierenen. Das hautdünne Papier scheint auf die Gemüter abzufärben. So erstaunt es schon, dass in der von außen oft als Haifischbecken wahrgenommenen Kunstakademie auch jene in sich ruhenden Seesterne gedeihen. Unter dem pastellfarbenen Banner der Zerbrechlichkeit tritt auch Nafe selbst als Künstlerin an. Bei ihrem weisheitlichen Beitrag "Wir werden sehen" aus kostbarem Architektenpapier ist alles erscheinungshaft leicht und selbst der Rahmen aus fragilem Wellkarton. Von Lars Mader

Jede erdenkliche und auf Papier bannbare Maltechnik hat Kai Müller, dem ein Chinaaufenthalt zum Damaskuserlebnis erriet, auf ein einziges Blatt kombiniert. Die Vielfalt versteckte er gekonnt hinter dem Motiv einer scheinenden Erkenntnispforte.

Das schwarzgerahmte Triptychon "Facades" von Gregori Stanchev entstand in seiner Heimat Bulgarien. Die Kamera als Steinschleuder nutzend, suchte sich der Fotograf einen unbezwingbaren Gegner zum Duell: die Zeit. Seit zehn Jahren versucht der Wahlkölner zu dokumentieren, wie die einst glorreiche Großkunstform der Propagandamalerei an Wohnblockfassaden schubweise verschwindet. Seine kleinformatigen Querschnittsdarstellungen gewähren tiefe Einblicke in das Wesen der Vergänglichkeit. Die Macht des Geldes zeigt sich darin, dass die Denovierung der Werbetafeln etagenweise voranschreitet; je nach Bonität des Wohnungseigentümers. Werte zu wandeln, schafft ebenso die buntmuntere Julia Sossinka. Durch einen Umzug nach Berlin erlangte sie neue alchemistische Kreativkräfte. Für "Furore V" zerriss sie bemaltes Papier und kann in der Assemblage beweisen, dass durch entstehende Bruchkanten die Einzelfetzen weit mehr als ihre einstige Summe ergeben. Wenn ihr dieses Kunststück nun noch mit Banknoten gelingt, wäre für weltweite Furore gesorgt.

Die Papierwerke bleiben bis zur Finissage, die am Samstag, 9. Mai, von 11 bis 14 Uhr stattfindet, an der Lohstraße 2 zu sehen. Dann besteht bei Kaffee und Kuchen die Möglichkeit, mit den Künstlern in Dialog zu treten. Geöffnet ist das Kunsthaus bei kostenfreiem Eintritt bis dahin immer freitags von 17 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 13 Uhr. Alle Exponate können käuflich erworben werden.

Quelle: RP
 
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