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Analyse
Vorwurf: Danscheidt blieb zu unbekannt

Analyse: Vorwurf: Danscheidt blieb zu unbekannt
Wollen mit Bürgern und Mitgliedern über die Zukunft der Stadthalle und über die Schullandschaft sprechen: Vorsitzender Fabian Kippenberg (l.) und seine beiden Stellvertreter Dr. Richard Bley und Gabi Hruschka. FOTO: CDU Mettmann
Mettmann. Die Mettmanner CDU diskutierte die verlorene Bürgermeisterwahl. Die große Abrechnung blieb aus. Fabian Kippenberg bleibt Vorsitzender, aber er hat Kritiker in der eigenen Partei. Von Christoph Zacharias

Wer geglaubt hat, die Mitgliederversammlung der Mettmanner CDU wäre der große Tag der Abrechnung, wurde enttäuscht. Zwar diskutierten die rund 50 anwesenden Mitglieder im Wyndham Garden Hotel mehr als zwei Stunden hinter verschlossenen Türen über die Wahlschlappe bei der jüngsten Bürgermeisterwahl. Doch personelle Konsequenzen wurden kaum gezogen. Einzig Dr. Peter Jakobs-Woltering, einer der härtesten Widersacher von Fabian Kippenberg, ist nicht mehr im Parteivorstand als stellvertretender Vorsitzender vertreten.

Bürgermeisterkandidat Norbert Danscheidt konnte an diesem Abend persönlich keine Stellung beziehen, er ist im Urlaub. Doch er habe seine Meinung und Einschätzung den Mitgliedern schriftlich mitgeteilt, hieß es.

Zur Erinnerung: Kippenberg, alter und neuer Stadtverbandsvorsitzender, hatte früh vor der Wahl seinen Hut in den Ring um eine Bürgermeisterkandidatur geworfen. Zu früh: Er musste ihn wieder aufnehmen, als die Findungskommission sich für Norbert Danscheidt aussprach. Eigentlich eine Demontage des Vorsitzenden. In der anschließenden Mitgliederversammlung wäre es fast zur Spaltung der Partei gekommen, wenn Kippenberg nicht eingelenkt und den Weg zugunsten von Danscheidt frei gemacht hätte. Jakobs-Woltering, dem nachgesagt wird, dass er selbst Interesse an der Kandidatur beziehungsweise am Posten des Parteichefs gehabt habe, hatte damals (und auch andere) innerparteilich gegen eine Kandidatur Kippenbergs Stimmung gemacht.

Nun galt es im Wyndham Garden, eine kritische Nachwahlbetrachtung zu leisten. Die CDU hat es offenbar nicht geschafft, Danscheidts Vorzüge dem Wähler nahezubringen. Seine erfolgreiche berufliche Tätigkeit als Erster Beigeordneter in Hilden, seine Authentizität, und seine langjährige Verwaltungserfahrung waren offenbar für die Wähler nicht ausreichende Gründe, ein Kreuzchen hinter seinem Namen zu machen. Mitglieder maulten in der jüngsten Versammlung, die Wahlhelfer und der Stadtverband hätten Danscheidt nicht genügend bekannt gemacht. Ja, es wurde sogar hinter vorgehaltener Hand von einer CDU-Laienschauspielgruppe gesprochen, die gegen einen hervorragend aufgestellten Thomas Dinkelmann nicht den Hauch einer Chance gehabt hätte.

Ein weiteres Problem: Offenbar sind viele Wähler es leid, Parteikandidaten zu wählen, sie setzen mehr auf Unabhängige. Beispiel Dinkelmann und Ziad Moughrabi. Gerade Moughrabi konnte als Phönix aus der Asche mit seinem multimedialen Wahlkampf bei den jungen Leuten punkten. Und Dinkelmann spielte die etablierten Parteien und die Verwaltung gegeneinander aus und sprach von Filz im Rathaus, beziehungsweise bei politischen Entscheidungen. Das wirkte beim Wähler, der - wenn er von der Stadt spricht - offenbar nicht zwischen Verwaltung und Rat unterscheidet.

Kritik gab's von den Mitgliedern am Nominierungsverfahren. Es hätte öffentlich und nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden sollen. Also mehr Transparenz bei Entscheidungen nach draußen. Kippenberg, der zeitweilig nach der innerparteilichen Entscheidung für Danscheidt mehr als angefressen war und mit Gedanken gespielt hatte hinzuwerfen, lenkte ein und unterstützte Danscheidt im Wahlkampf. So war es auch für ihn jetzt klar, dass er wieder kandieren und er sich nicht in den Schmollwinkel zurückziehen würde.

Allerdings zeigte das Ergebnis, dass die Partei nicht geschlossen ist und mit einer Stimme spricht: Von 47 Wahlberechtigten stimmten 29 für Kippenberg, 13 mit Nein und fünf enthielten sich. Hier liegt anscheinend das Dilemma der CDU Mettmann. Es gibt mindestens zwei Flügel (übrigens auch in der Fraktion). Hinzu kommt, dass die CDU-Granden versuchen, eine Politik neben der Ratsfraktion zu machen. Viel Arbeit für den Vorsitzenden und den neuen Stadtverband der CDU.

Quelle: RP
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