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Kreis Mettmann
Weil Gewalt nicht in die Tüte kommt

Kreis Mettmann: Weil Gewalt nicht in die Tüte kommt
Annegret Pollmann, Dirk Hanten, Rita Rüttger, Christoph Schultz und Jürgen Mann mit den Tüten, die am 25. November verteilt werden. FOTO: dj
Kreis Mettmann. Gleichstellungsbeauftragte, SKFM und Händler setzen am Gedenktag gegen Gewalt an Frauen wieder ein Zeichen - in gedruckter Form auf Brötchentüten.

Faltblätter bleiben oft liegen. Druckt man die Hilfsangebote stattdessen auf Brötchentüten, erhöht sich die Verbreitung um ein Mehrfaches. Daher werden einige Bäckereien, Metzgereien und auch Tankstellen im Kreis Mettmann am 25. November, dem internationalen Gedenktag "Nein zu Gewalt an Frauen und Mädchen", die Brötchen wieder in Tüten einpacken, die mit hilfreichen Hinweisen in mehreren Sprachen und Telefonnummern für von Gewalt betroffene Frauen versehen sind. Im Kreis Mettmann sollen an diesem Tag 56.000 solcher Brötchentüten über die Ladentheke gehen, davon 2500 in Mettmann und 8200 in Erkrath. "Es gibt immer noch viel zu viel Gewalt gegen Mädchen und Frauen", sagt Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz, und die Zahlen geben ihm - leider - Recht, wie Gleichstellungsbeauftragte Annegret Pollmann bestätigt: Das Jahr 2015 habe mit 619 Fällen (Vorjahr: 435) einen erheblichen Zuwachs an Meldungen häuslicher Gewalt im Kreis gebracht, und "Erkrath steht nicht besonders gut da. Wir haben 65 Fälle". Die Brötchentütenaktion soll betroffene Frauen ermutigen, sich zu melden, oder auch Freunde und Nachbarn, denen etwas merkwürdig vorkommt. "Es geht nicht um Denunziation oder um Anschwärzen. Aber im Zweifelsfall sollte man die Polizei lieber einmal zu viel als zu wenig rufen", sagt Pollmann. Dem kann Rita Rüttger, Bereichsleiterin Frauen und Familie beim SKFM Mettmann, nur zustimmen. Frauen, die es betrifft, hätten oftmals keinen Zugang zu Hilfsangeboten, das gelte vor allem auch für viele Flüchtlingsfrauen. Rüttger vermutet "eine nicht unerhebliche Dunkelziffer von Gewalt gegen Frauen" in den Flüchtlingsunterkünften - und arbeitet daran, jene mit Informationen zu versorgen, die Flüchtlinge begleiten.

Die Zuwanderung macht sich in der Statistik bemerkbar, dennoch betonte Bürgermeister Schultz: "Gewalt gegen Frauen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und kommt nicht nur in Flüchtlingsunterkünften vor." Es sei daher lobenswert, dass diesmal mehr Händler als zuvor die von der Stadt gesponserten Tüten verteilen. Und es wirkt: Jürgen Mann von der Erkrather Tafel weiß, dass die Tüten-Informationen gelesen werden und dass darüber gesprochen wird. Metzgermeister Dirk Hanten macht zum ersten Mal mit - weil "Gewalt die letzte Zuflucht des Unfähigen ist", wie er sagt.

(hup)
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