| 00.00 Uhr

Mettmann
Wenn der Hausmeister auch Arabisch spricht

Mettmann: Wenn der Hausmeister auch Arabisch spricht
Samir Siala hat als Hausmeister der Flüchtlingsunterkunft an der Seibelstraße alles im Griff. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Samir Sala ist Hausmeister der städtischen Flüchtlingsunterkunft. Er macht vieles, was nicht in seiner Stellenbeschreibung steht. Von Sabine Maguire

Glühbirnen auswechseln, kleinere Reparaturen und die Lage im Haus im Blick behalten: Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, was ein Hausmeister üblicherweise so alles macht. Damit dürfte man bei Samir Siala nicht allzu weit kommen. Denn als Hausmeister der städtischen Flüchtlingsunterkunft macht er dazu noch Vieles, was nicht in seiner Stellenbeschreibung steht.

Vor Monaten sind dort mehr als 100 junge Männer eingezogen, die sich auf den Weg gemacht haben in der Hoffnung, hier ein sicheres und besseres Leben beginnen zu können. Und man macht sich oft keine Vorstellung davon, was das in einem Land wie Deutschland mit einem Wust an Bürokratie konkret bedeuten kann. Samir Siala hatte gerade begonnen, von seiner eigenen Flucht vor 30 Jahren aus dem Libanon zu erzählen, da steht schon der erste Hilfesuchende in der Tür. In der Hand einen Stapel mit Formularen, von denen er nicht weiß, wie er sie ausfüllen soll. Das Ganze wiederholt sich während des Gesprächs mehrmals. Hier eine Frage, dort einen Rat: Samir Siala nimmt sich Zeit und lässt niemanden ohne eine Antwort aus der Tür. Der 47-Jährige weiß, dass es für eilige Antworten schon zu spät sein könnte. Er übersetzt, vereinbart Arzttermine, erledigt Telefonate: Es gibt vieles, dass nur gelingt, wenn jemand deutsch spricht. In seinem Büro ist man mittendrin in den Lebensgeschichten der Menschen, die dort wohnen. Dazu gehört nicht nur, das Leben im Hier und Jetzt halbwegs in den Griff zu bekommen - sondern auch, sich in vielen Gesprächen dem zu widmen, was die oft Weitgereisten mitbringen aus der traumatischen Vergangenheit.

Allzu nah kann und darf Samir Siala die Lebensgeschichten jedoch nicht an sich heranlassen. Schließlich ist und bleibt er Hausmeister und sein Büro ist kein Therapieraum. Allerdings weiß er, wie sich die Menschen fühlen, die ihm beinahe jeden Tag begegnen. In den 1980er Jahren kam er mit zwei Brüdern aus dem Libanon. Damals war er selbst elf Jahre alt, seine Brüder nur wenige Jahre älter. "Die Mutter hat uns weggeschickt, es war zu unsicher", erinnert er sich an eine Zeit, die sich in seiner Seele eingebrannt hat. Vier Jahre hat er damals in der städtischen Unterkunft in der Talstraße gelebt. Immer wieder hat er später als Jugendlicher versucht, irgendwo zu arbeiten. Nachdem er mit der Aufenthaltserlaubnis in der Tasche endlich arbeiten konnte, nahm er jede Gelegenheit wahr, um etwas zu tun und damit selbst für sein Leben zu sorgen. Anfangs war es die städtische Recycling-Werkstatt, später folgten zwölf Jahre bei Eismann und 15 Jahre bei Weyermann. Als sich dort die Türen schlossen, stand Samir Siala plötzlich auf der Straße.

"Das war keine gute Situation, auch mit der Frau und den Kindern zuhause. Ich wollte etwas tun und ein gutes Vorbild sein", spricht er über die darauf folgende Arbeitslosigkeit, in der er nichts unversucht ließ, um endlich wieder arbeiten zu können. Und dann kamen im vergangenen Jahr plötzlich die Flüchtlinge in die Stadt, und mit ihnen die Notaufnahmeeinrichtung des Landes in der Turnhalle an der Flurstraße.

Dort wurde Samir Siala plötzlich gebraucht - auch weil er gut Deutsch spricht und ins Arabische übersetzen kann. "Er hat handwerkliche Fähigkeiten und dass, was man interkulturelle Kompetenz nennt", lobt Fachbereichsleiterin Ute Piegeler das Engagement von Samir Siala, der seit dem Sommer bei der Stadt als Hausmeister angestellt ist. Für ihn selbst scheint es keinen besseren Job zu geben. Man spürt, dass ihm die Arbeit gefällt. Und dass sie mehr ist, als nur ein Job, mit dem man Geld verdient. Für die Bewohner der Unterkunft in der Seibelstraße ist er jedenfalls ein Glücksfall - mit seiner Unterstützung gelingt so Manches leichter.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mettmann: Wenn der Hausmeister auch Arabisch spricht


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.