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Kreis Mettmann
Wenn Schmerzen das Leben bestimmen

Kreis Mettmann: Wenn Schmerzen das Leben bestimmen
Dr. Peter Rensmann, Chefarzt am Haaner St.-Josef-Krankenhaus, leitet die dortige Schmerzambulanz. FOTO: Olaf Staschik
Kreis Mettmann. Patienten, die in die Schmerzambulanz kommen, haben oft eine Odyssee durch Arztpraxen hinter sich. Der Therapeut rät dazu, die Behandlung akuter Schmerzen nicht zu verschleppen. Von Sabine Maguire

Der Schmerz kommt. Und irgendwann geht er wieder. Auf dem Weg dorthin tun wir so einiges. Schmerztabletten, der Besuch beim Arzt, im schlimmsten Fall die Operation: Es gibt viele Strategien beim Kampf gegen Schmerzen. Vor allem dann, wenn sie akut sind, lassen sie sich durch geeignete Maßnahmen meist gut in den Griff bekommen. Immer häufiger jedoch entgleist das Geschehen. Der Auslöser ist längst abgeklungen, der Schmerz bleibt. "Dann sind Schmerzen nicht mehr ein Symptom unter vielen, sondern eine eigenständige Krankheit", gibt Dr. Peter Rensmann einen Einblick in das komplexe Geschehen.

Der Chefarzt am Haaner St. Josef Krankenhaus leitet die dortige Schmerzambulanz - eines der wenigen fachspezifischen Angebote im Kreis Mettmann. Patienten, die zu ihm kommen, haben oft eine Odyssee durch Arztpraxen hinter sich. "Viele sind von ihrer langjährigen Leidensgeschichte zermürbt und haben das Vertrauen in die ärztliche Behandlung verloren", weiß er.

Der Schmerz sei längst zum Fixpunkt im Leben der Betroffenen geworden. Schmerzpatienten gelten als schwierig - übrigens nicht nur bei Hausärzten, sondern auch bei Psychologen. Viele landen irgendwann beim Psychotherapeuten, weil sie selbst nicht mehr weiterwissen. Und weil der Schmerz ihre Belastbarkeit im Beruf und auch ihre privaten Beziehungen auf eine harte Bewährungsprobe stellt. Nicht selten führen chronische Schmerzen zu Ängsten und Depressionen - ein Teufelskreis beginnt. Die vom Schmerz pausenlos Geplagten ergeben sich in ihr Schicksal, werden sozial isoliert und geraten in eine Abwärtsspirale, aus der sie allein nicht mehr herausfinden.

"Nur wenn sich die Patienten ernst genommen fühlen, können wir eine Vertrauensbasis aufbauen. Deshalb erfüllen wir mit viel Rücksichtnahme und noch mehr Zeit auch das Betreuungsbedürfnis", so Dr. Peter Rensmann.

Dazu gehöre im Übrigen auch, die Betroffenen über ihre Prognose nicht im Unklaren zu lassen. Behutsam werde ihnen vermittelt, dass es bei der chronischen Schmerzerkrankung in den meisten Fällen nicht um eine vollständige Heilung, sondern nur um eine Linderung gehen kann. Zur Schmerztherapie gehöre demnach neben der medikamentösen Behandlung auch eine psychologische Betreuung.

Grundsätzlich rät der Schmerztherapeut dazu, die Behandlung akuter Schmerzen nicht zu verschleppen. Denn wer meint, den Schmerz lange ertragen zu können oder auch zu müssen, riskiert damit die Chronifizierung. Und nicht nur das: Schmerzmedikamente können zwar einerseits ein Segen sein. Werden sie allerdings dauerhaft geschluckt, ohne die Ursache zu behandeln, können sie Magen und Nieren schädigen.

Quelle: RP
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