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Serie Ross Und Reiter
Wie Pferde die Seele heilen

Serie Ross Und Reiter: Wie Pferde die Seele heilen
Rachel Chusit mit einem ihrer vierbeinigen "Kollegen", die bei der Therapie von Menschen mit körperlichen oder seelischen Problemen helfen. FOTO: MATZERATH
Mettmann. Rachel Chusit aus Langenfeld setzt ihre fünf Pferde als Co-Therapeuten bei psychischen Blockaden ein. Von Isabel Klaas

Langenfeld Pferde können Kutschen ziehen, Reiter auf ihrem Rücken zum Turniersieg bringen oder sie gemütlich durch Wald und Wiese tragen. Immer häufiger sind sie aber auch als Therapeuten für Menschen mit körperlichen oder seelischen Problemen im Einsatz. Letzterem hat sich Rachel Chusit mit ihren fünf Pferden auf dem Reiterhof "Freitraum" in Wiescheid verschrieben.

Es ist die Empathie ihrer Tiere, auf die sie schwört, das Vermögen, hinter der Fassade den wirklichen Menschen und seine Blockaden aufspüren und sichtbar zu machen. Als Beispiel führt die 32-jährige Ingenieurin, die für die Arbeit mit Pferd und Mensch vor anderthalb Jahren ihren Job aufgegeben hat, erstaunliche Geschichten an.

Bei einer Sitzung - natürlich in Anwesenheit eines Pferdes - habe ein verärgerter Herr ihr mitgeteilt, wie sehr ihn Regelverstöße selbst von Fremden aufregen. Während der Herr sich in Rage redete, sei Aaron, das ehemalige Turnierpferd, auf einmal ganz außer Rand und Band geraten, habe die Regenjacke seiner Besitzerin vom Zaun gezupft und rumgeschmissen, seine Striegelbox umgestoßen und schließlich begonnen, den Zaun anzuknabbern und so gegen jegliche Regeln verstoßen.

Der Herr habe herzlich über das ungehorsame Pferd gelacht, aber auch über sich selbst und seinen Kontrollwahn.

Natascha Korsten ist seit anderthalb Jahren bei Rachel und ihren Pferden in Therapie. "Ich habe seitdem viele Ängste verloren, bin nicht mehr so angespannt und viel geduldiger", berichtet sie. "Pferde spiegeln das Verhalten des Menschen eins zu eins und machen uns so vieles klar."

Auch beim Schlichten eines "Zickenkriegs" zwischen Mutter und Tochter half eins ihrer Pferde, erzählt Chusit. Als die beiden das Tier am Halfter nahmen und gemeinsam durch den Parcours führen wollten, sei der sonst so folgsame Capry Moon einfach stehengeblieben und habe sich immer umgeschaut - so, als gäbe es noch etwas zu berücksichtigen. In der Tat war es der geschiedene Ehemann und abwesende Vater, der das Verhältnis der beiden Frauen belastet hatte. "Capri hat das Problem sichtbar gemacht", sagt Rachel Chusit, "so dass es angegangen werden konnte."

So wie Hunde und Delphine zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden, so können das auch Pferde, ist Chusit überzeugt. Ihr besonderes Interesse am Menschen und das Auseinandersetzen mit seinem Unbewussten machen Rachel Chusit zur Therapeutin und ihre Pferde zu Ko-Therapeuten. Dabei greift sie auf das Wissen aus diversen Fortbildungen zurück: "Ich habe eine Ausbildung in informationsorientiertem Heilen gemacht, einen Kursus als Intuitionsbegleiter belegt, kenne mich ein bisschen in Psychosomatik aus und habe schließlich in meinem Job Führungskräfte-Seminare und Management-Coachings mitgemacht, in dem ich eine Menge über Persönlichkeitsstrukturen gelernt habe", sagt Chusit.

Mit ihrer Therapie will sie zur Persönlichkeitsbildung beitragen. "Für Kinder ist es erheblich interessanter, mit dem Pferd zu arbeiten, als in einem Zimmer auf einem Stuhl zu sitzen", sagt sie. Geritten wird bei dieser Arbeit eher nicht. Es geht darum, das Pferd zu führen und im Umgang mit dem Tier eigene Probleme aufzuspüren.

Aber auch als "Pferdeflüsterin" kommt die Ingenieurin ins Haus. Wenn das Tier krank oder schwierig ist. Übrigens stammen fast alle ihre Pferde aus problematischen Verhältnissen und sind durch liebevolle Pflege zu umgänglichen Zeitgenossen geworden. Für sie hat die Pferdeliebhaberin in Wiescheid ein Paradies geschaffen, in dem sie entspannt in der Herde leben, ihr Heu glücklich aus Netzen zupfen und in der Sonne dösen - wenn sie nicht gerade als Therapeuten im Einsatz sind.

Quelle: RP
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