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Schräger Halt
Wo man gerne vor Anker ging

Hösel. Für einen gestandenen Seemann liegt der Ratinger Ortsteil Hösel "hoch und trocken". Dort beginnt das Bergische Land, nicht umsonst gehörte Ratingen einst zu den Bergischen Hauptstädten. Klare Sache: Ein paar Meter über Meeresniveau gibt es keinen Hafen, nur ein paar Bäche. Aber auch die sind nicht schiffbar. Trotzdem wundert sich der gemeine Nutzer der Linie 753 Ratingen-Hösel über den Haltepunkt "Am Anker". Wir steigen mal aus.

Weit und breit ist kein Anker zu sehen, noch nicht einmal in einem Vorgarten. Nichts Maritimes, was auf die Bedeutung der Haltestelle hindeuten könnte. Nur Ortskundige erinnern sich aber, dass einst an der Ecke Eggerscheidter Straße/Schlipperhaus eine Gastwirtschaft betrieben wurde. Detlev Klostermann vom Heimatverein Ratingen hat im Archiv noch alte Postkarten aus der Zeit der vorigen Jahrhundertwende gefunden: An der Ecke gab es einst das "Café-Restaurant Romberg", später hieß es dann "Zum Anker".

Damals war Hösel noch ein echter Luftkurort. Viele Postkarten aus dieser Zeit werben mit Gruß aus "Hösel im Walde". Vermutlich mangels anderer Motive zeigten die Postkarten meist die örtliche Gastronomie. Die meisten Cafés, Kneipen und "Restaurationen", von denen es offenbar doch einige gab, sind längst verschwunden. Einige Gebäude stehen aber noch. Auch der alte und sehr gute erhaltene und gepflegt wirkende Natursteinbau steht noch, es ist heute ein Wohnhaus. Leserin Silke Sturhan erinnert sich: "Der "Anker" wurde 1973 ,neu' eröffnet und am 20.11.1993 endgültig geschlossen.

Jede Stadt im Kreis Mettmann hat Haltestellen, die eigenartig klingen und hinter denen eine Geschichte steckt. Ihnen geben wir in der Kolumne Raum.

(jpr)
 
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