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Mettmann
Zeit für Zivis wird knapp

Zivildienst - eine Chronik
Zivildienst - eine Chronik FOTO: AP
Düsseldorf. Die angekündigte Verkürzung der Wehrzeit auf sechs Monate hätte auch Auswirkung auf die Dauer des Zivildienstes. Die Altenheime befürchten eine schlechtere Versorgung und ein Desinteresse an der Arbeit. Von Florian Tesche

Die schwarz-gelbe Bundesregierung feilt an Plänen, den Zivildienst von derzeit neun auf sechs Monate zu verkürzen. Ob und wann es tatsächlich zu einer Gesetzesänderung kommen wird, steht allerdings noch in den Sternen. Doch schon jetzt laufen Sozialverbände Sturm.

Unsere Redaktion hörte sich bei Krankenhäusern, Altenheimen und Wohlfahrtsverbänden im Kreis um, was sie von den Plänen halten und welche Auswirkungen ein verkürzter Zivildienst auf die Arbeitsstrukturen der jeweiligen Betriebe hätte. Holger von Gehlen, Zivildienstbeauftragter im Krankenhaus Mettmann, sieht den adäquaten Einsatz von Zivildienstleistenden im Haus gefährdet. "Es braucht Zeit, Zivis einzuarbeiten und mit den Strukturen vertraut zu machen."

Die von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder favorisierte Regelung, die Dienstzeit freiwillig verlängern zu können, halte er für unrealistisch. "Vielmehr wird es darauf hinauslaufen, dass Zivis lustlos auf ihr Dienstzeitende hinarbeiten", so von Gehlen.

Stefan Vieth vom DRK-Kreisverband Mettmann hat die Hoffnung, dass doch viele junge Männer von der Regelung Gebrauch machen. "Bei uns fangen viele potenzielle Berufseinsteiger mit ihrem Zivildienst an." Allein deshalb halte er eine Verkürzung für schwierig. "Wir hätten weniger Zeit zur Verfügung, Zivis auf berufliche Tätigkeiten vorzubereiten."

Die Lücke, die zwischen Dienstende und Ausbildungsbeginn entstünde, sei nicht durch hauptamtliches Personal abzudecken. Vieth: "Im Moment tun wir uns schwer, Interessierten am Zivildienst konkrete Informationen über die Zukunft des Dienstes zu vermitteln." Entspannter sieht einer etwaigen Verkürzung Susanne Gomille entgegen, Leiterin der Wülfrather Altenheime Haus-August-von-der-Twer und Haus-Luise-von-der-Heyden.

"Eine Verkürzung wäre zwar bedauerlich, aber immer noch besser als gar nichts", meint sie. Der Zivildienst sei von höchster Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung junger Männer. "Erfreulich ist, dass ehemalige Zivis sich als ehrenamtliche Helfer für die Arbeit in den Heimen gewinnen lassen."

Maximilian Leppak leistet derzeit seinen Dienst im Haus-von-der-Heyden. "Ich würde auch zwölf Monate hier arbeiten", sagt er. Durch Lehrgänge, Krankheit und Urlaub sei man bei Umsetzung der Pläne dann höchstens fünf Monate im Einsatz. Gerade an Demenz erkrankte Bewohner bräuchten lange, bis sie sich an Zivis gewöhnt hätten.

"Ein ständiger Mitarbeiterwechsel im Sozialen Dienst bringt nur Unruhe ins Heim", kritisiert Leppak die Pläne der Regierung. Skeptisch blickt er auf die Lücke, die nach Dienstende entstehen würde. "Ich denke, dass deshalb viele Zivis ihren Dienst freiwillig verlängern würden." Denn eine Lücke im Lebenslauf würde niemand so leicht in Kauf nehmen.

Quelle: RP
 
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