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Analyse
Zu viele Leerstände in der Innenstadt

Analyse: Zu viele Leerstände in der Innenstadt
Kein Einzelfall: An der Talstraße existieren zwei Leerstände. Auch an anderen Stellen in der Innenstadt stehen Ladenlokale leer. Eine Werbung für die Mettmanner Innenstadt ist dies nicht. FOTO: Achim Blazy
Mettmann. Geschäftsleute beklagen zu geringe Kundenfrequenz. Die Baustelle wird ebenfalls als Einkaufshemmnis angesehen. Die Stadt muss sich an einigen Punkten neu aufstellen. Von Christoph Zacharias

Die Zahl der leerstehenden Ladenlokale in der Mettmanner Innenstadt hat zugenommen. Beispiel Talstraße: Das Matratzengeschäft im Allbahaus hat sein Ladenlokal geräumt und sucht einen Nachmieter. Ebenso sucht das Unternehmen "Wurstwerk", das in der Freiheitstraße sein Geschäft betrieben hat, einen Nachmieter. Allein in der Bismarckstraße sind acht Leerstände zu verzeichnen. Und in der Poststraße, der ehemaligen "Kö" der Kreisstadt, sieht es auch eher mau aus.

Einige Immobilienbesitzer haben sich geholfen, in dem sie ehemals Ladenflächen in Wohnungen umgebaut haben; so beispielsweise in der Poststraße und in der Bismarckstraße. Ein weiteres Problem: Es sind nicht nur die kleinen Ladenlokale, die leer stehen; bisweilen handelt es sich um Räume, die früher von der Dresdner Bank (Freiheitstraße), von netto (Conle-Bau an der Talstraße), oder als großes Reformhaus (Neanderstraße) genutzt wurden. Einige Geschäfte sind inner halb Mettmanns in leerstehende Ladenlokale umgezogen und haben so an einer anderen Stelle wieder einen Leerstand verursacht. Beispiel: Stein Gestöber zog von der Flintrop Straße an die Breite Straße.

Was auffällt, sind die teilweisen langen Leerstand-Zeiten: die Bäckereien in der Poststraße und in der Oberstraße, der Telekomladen und die Videothek gleich nebenan an der Schwarzbachstraße. Da sind die Eigentümer und Vermieter gefragt, welche Vorstellungen sie von einem Betreiber und von der zu erzielenden Miete haben. Einige Geschäftsleute führen die große Zahl der Leerstände auf die Eröffnung der Kö-Galerie und des Kö-Karrees zurück. Doch diese Meinung führt ins Abseits. Bereits vor der Eröffnung der Kö-Galerie gab es zahlreiche Leerstände in der Innenstadt. Und der Einzelhandel profitiert von der Kundenfrequenz der Kö-Galerie. Der jüngste Hinweis auf die Baustelle als Grund für die Leerstände trifft es ebenso wenig. Zwar leidet die Außengastronomie unter den Bauarbeiten, doch die Geschäfte sind alle bequem zu erreichen. Die Gründe liegen im gewachsenen Einkaufsverhalten der Mettmanner: Laut-IHK-Studie, bei der 300 Passanten befragt wurden, kommen über 70 Prozent der Kunden aus Mettmann. Dazu kommen immerhin ein paar Wülfrather (8 Prozent), doch die paar Erkrather (2,3 Prozent) und Haaner (2,7 Prozent) dürften sich eher zufällig in der Kreisstadt aufgehalten haben. Erstaunlich: Mehr als 40 Prozent der Kunden kommen zu Fuß, immerhin 37 Prozent nutzen das Auto, um in die Stadt zu kommen. Die meisten Kunden geben im Schnitt etwa 36 Euro in den Geschäften aus und verweilen 31 bis 60 Minuten in Mettmann. Doch oft fahren sie nach Düsseldorf, Hilden oder Ratingen, um dort einzukaufen. Um diesen Prozess im Sinne von Mettmann positiv zu beeinflussen, müssen einige Dinge verändert werden: Der jetzige Branchenmix muss überarbeitet werden. (zu viele Friseure, kein echtes Haushaltswarengeschäft). Die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt muss erhöht werden. Das bedeutet: Noch mehr Cafés und Lokale mit Außengastronomie, veränderte Öffnungszeiten (Mittwochsnachmittag gehen die Rolladen runter und samstags ist nach Mittag Feierabend).

Die in zwei Jahren aufgehübschte Innenstadt soll ebenfalls dazu beitragen, dass mehr Menschen ins Herz der Stadt kommen und hier einkaufen. Die Kreisstadt kann nicht mit den Großstädten konkurrieren, sondern muss eine "Nischenkultur" entwickeln. Frei nach dem Motto: klein, aber fein und gemütlich.

Quelle: RP
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