| 20.50 Uhr

Wülfrath
Zu wenig Geld für Schulen

Düsseldorf. Die offenen Ganztagsschulen in Wülfrath leiden unter den knappen Zuschüssen des Landes. Weil die Stadt fast pleite ist, kann sie nichts dazu tun. Fördervereine und viele ehrenamtliche Helfer leisten wertvolle Arbeit. Von Oliver Wiegand

In der Grundschule Ellenbeek bleiben 37 Kinder nachmittags länger da, weil ihre Eltern arbeiten gehen. Das Geld, das die Eltern verdienen, reicht aber in einigen Fällen wohl gerade für den notwendigen Lebensunterhalt und nicht viel mehr. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass die Grundschule Ellenbeek nun in ihrem Jahresbericht an den Schulausschuss schreibt: „Ein Problem sind die Elternbeiträge, die zurück gebucht werden, weil das Konto nicht gedeckt ist. Hier wird es besonders schwierig, wenn bekannt ist, dass die betroffenen Kinder die Förderung durch die Ogata besonders nötig haben.“

„Damit müssen wir leben“

Nötig haben einige Kinder vor allem Sprachförderung, weil sie in Familien aufwachsen, in denen Deutsch nicht die Muttersprache ist. Wer schlecht deutsch spricht, hat in der Schule und später auf dem Ausbildungsmarkt weniger Chancen. Aber ohne Geld ist der Förderunterricht in Kleingruppen oder gar Einzelbetreuungen nicht zu finanzieren, heißt es weiter im Jahresbericht.

Die Elternbeiträge, das sind in den meisten Fällen 30 Euro pro Monat für das erste Kind. Ganz ähnlich sieht es in der Ogata an der Lindenschule aus. Auch dort zahlen einige Eltern die Beträge verspätet oder auch mal gar nicht. Die Stadt weiß, dass die Träger der Offenen Ganztagsschulen in Wülfrath den Elternbeiträgen oft hinter her laufen müssen. Aber die Stadt selbst ist arm wie eine Kirchenmaus und seit dem Haushaltssicherungskonzept (Hausiko) steht fest, dass im Kinder- und Jugendbereich 1,25 Millionen Euro im Jahr eingespart werden müssen. „Damit müssen wir nun mal leben, ich weiß, das ist eine prekäre Lage“, sagt Hans-Werner van Hueth, Leiter des Jugendamts gestern im Schulausschuss. Zurzeit sei von an finanziellen Zuschüssen von Seiten der Stadt „eben nicht mehr drin“. Nicht mal eine Befreiung von den Beiträgen, für Eltern die weniger als 20 000 Euro im Jahr verdienen, kann sich die Stadt leisten. So etwa ist in anderen „reichen“ Städten durchaus an der Tagesordnung. Des Pudels Kern, oder besser gesagt das Grundübel der mangelhaften Finanzierung will Klaus Faulhaber-Birghan, der als Vertreter der katholischen Kirchengemeinde im Schulausschuss sitzt, entdeckt haben. Die Finanzierung der Ogatas sei von Anfang an eine Mogelpackung gewesen. Konkret: Das Land Nordrhein-Westfalen zahlt für jedes Kind, das in einer Offenen Ganztagsschule untergebracht ist, 820 Euro im Jahr. Dazu kommen die Beiträge der Eltern. Springt die Stadt nicht ein, ist nur ein Grundprogramm zu finanzieren.

Doch in Wülfrath und das weiß auch die Stadt leisten freie Träger und Fördervereine der Ogatas hervorragende Arbeit. Mit viel Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter kann die Qualität der pädagogischen Arbeit aufrecht erhalten werden, schreibt die Lindenschule an den Schulausschuss. Das kann die Stadt nur unterstreichen. Mehr nicht.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wülfrath: Zu wenig Geld für Schulen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.