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Mönchengladbach
125 Jahre Arbeiterbewegung: IG Metall feiert

Mönchengladbach. Mönchengladbach gehörte nie zu den Hochburgen der Arbeiterbewegung - dementsprechend wenig ist die Geschichte der Gewerkschaften vor Ort erforscht. Dennoch wusste SPD-Fraktionschef Felix Heinrichs, qua Studium (sowie IG-Metall-Praktikum 2010 und Mitgliedschaft seitdem) prädestiniert für diese Aufgabe, in seiner Festrede zu "125 Jahre IG Metall" gestern Nachmittag im Monforts-Quartier das eine oder andere Schlaglicht zu präsentieren. Etwa die Tatsache, dass das im Jahr 1900 gegründete sozialdemokratische "Gewerkschafts-Kartell" Frauen aufnahm, selbst entgegen der ausdrücklichen Aufforderung der Polizei - 18 Jahre, bevor Frauen das Wahlrecht erhielten. Von Jan Schnettler

Anfang des Monats hatte die IG Metall in der Frankfurter Paulskirche bereits ihr zentrales Jubiläum gefeiert. Mit dabei: Reimund Strauß, Erster Bevollmächtigte der Gewerkschaft in Gladbach, und der 23-jährige Gianpetro Cuccu von GE Grid (früher Alstom), den die IG-Metall-Jugend vorgeschlagen hatte. "Unser Jubiläum hier in Gladbach ist sicher nicht ganz so glamourös, aber in diesen historischen und für uns so wichtigen Monforts-Hallen feiert es sich doch auch ganz passabel", sagte Strauß gestern. "Auch wenn es mir noch lieber wäre, wenn hier weiter Maschinen gebaut würden."

Alle aktiven Metaller waren eingeladen, in der Maschinenhalle bei Livemusik, "Werkbank-Buffet" und eingerahmt von historischen Textilmaschinen zu feiern. Bürgermeister Michael Schroeren sprach ein Grußwort, Gäste wie Gülistan Yüksel (SPD-Bundestagsabgeordnete), Hans-Willi Körfges (SPD-Landtagsabgeordneter), Karl Sasserath (Grüne), Klaus Churt (DGB Düsseldorf) und Hans Lehmann (DGB Gladbach) waren gekommen.

Heinrichs zeigte auf, wie die IG Metall auch in der Textilstadt Mönchengladbach zur größten Einzelgewerkschaft reifte. Wie andernorts seien es politische Vereinigungen gewesen, die den Gewerkschaften vorausgingen. Dabei habe eine Reihe von Arbeitern eine wichtige Rolle gespielt, die die SPD in Mönchengladbach gründeten. Jedoch war die Arbeiterschaft größtenteils katholisch sozialisiert - so sei der christlich-soziale Textilarbeiterverband den sozialdemokratischen Arbeiterverbänden zeitlich voraus gewesen. In Weimarer Republik und Nazi-Zeit hätten sich die Gewerkschafter als mutige, sozial eingestellte Männer und Frauen hervorgetan. Schon kurz nach der Kapitulation, im September 1945, sollte in der KFH von altgedienten Gewerkschaftern eine neue Organisation gegründet werden. "Die rote Farbe der Plakate erinnerte zu sehr an die Plakate der Nationalsozialisten und sorgte daher für Unruhe unter den Alliierten", sagte Heinrichs. Die Erlaubnis wurde zurückgezogen, die Männer befragt, die Gründung verzögerte sich noch ein paar Monate.

Das alles ist Geschichte; "keine von Helden, aber eine von Arbeitern", wie Heinrichs sagte. Und längst die einer überparteilichen Gewerkschaft, die dennoch nie ihre sozialdemokratischen Wurzeln verleugnet hat. Und die sicher künftig, beim Wandel hin zur Wirtschaft 4.0, überaus wichtige Aufgaben vor der Brust haben wird. "Wir sind und bleiben eine Selbsthilfe-Organisation der Arbeitnehmer", sagte Strauß. Und eröffnete das Buffet.

Quelle: RP
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