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Mönchengladbach
150 neue Flüchtlinge in nur 24 Stunden

Mönchengladbach: 150 neue Flüchtlinge in nur 24 Stunden
Im Theater im Nordpark (TiN) lebten bisher 90 Flüchtlinge, seit gestern sind es 170. FOTO: Isabella Raupold, RP-Archivfoto (u.): Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Zusätzlich zu den Asylsuchenden, die der Stadt ohnehin zugewiesen werden, hat das Land jetzt 150 Menschen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Algerien, Somalia und dem Iran geschickt. Grund: Die Erstaufnahmeeinrichtungen sind voll. Von Inge Schnettler

Am Montag hat die Bezirksregierung angeordnet, 150 zusätzliche Flüchtlinge nach Mönchengladbach zu bringen. Schon abends waren 100 Menschen da. Gestern Nachmittag kamen 50 dazu. Innerhalb nur weniger Stunden musste die Stadt entsprechend viele Plätze für die Asylsuchenden aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Algerien, Somalia und dem Iran herrichten. Im Theater im Nordpark (TiN) und im ehemaligen Aldi-Markt an der Aachener Straße wurden in Windeseile Feldbetten aufgestellt. Außerdem wurde die neue Unterkunft im Luisental vorzeitig in Betrieb genommen.

Nachdem die Dortmunder Erstaufnahmeeinrichtung wegen Überfüllung geschlossen worden war, wurden 600 Flüchtlinge in Bussen auf Oberhausen, Aachen, Gelsenkirchen, Herne und Mönchengladbach verteilt. Die Stadt betonte gestern, dass es sich anders als bisher nicht um eine Zuweisung, sondern um eine vorübergehende Unterbringung handelt.

Mönchengladbach: Flüchtlinge leben im ehemaligen Aldi FOTO: Ilgner Detlef

90 Flüchtlinge lebten bisher im TiN, nun sind 80 dazugekommen. Im großen Saal stehen blaue Feldbetten, hier und da hocken Menschen zusammen, reden leise, schauen sich um. Im Raum nebenan stehen Etagenbetten dicht an dicht. Mit Plastiktüten und Bettwäsche haben die Flüchtlinge ihre Kojen abgehängt, versuchen, ein bisschen Privatsphäre zu gewinnen. Im Foyer spielt ein Vater mit seinem Söhnchen Fußball. Dessen helles Lachen schallt durch die Räume. In einer Ecke schneidet eine junge Frau einem jungen Mann die Haare. Auf der Rampe sitzen junge Männer und rauchen. Der Caterer kommt vorgefahren. Er liefert das Essen für die Asylsuchenden. Im Aldi-Markt an der Aachener Straße wurden die bislang 55 Plätze für Flüchtlinge auf 80 aufgestockt. Privatsphäre, Intimität? Auch hier - Fehlanzeige.

"Natürlich stellen wir uns dieser Verantwortung. Nichtsdestotrotz trägt das Land das Problem auf dem Rücken der Kommunen aus. Das Land ist dringend aufgefordert, auf der eigenen Ebene nach Lösungen zu suchen und nicht zusätzlichen Druck auf die Kommunen auszuüben", betont Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners. Erst vergangene Woche sah sich die Stadt gezwungen, 21 Flüchtlinge in der ehemaligen Schulturnhalle an der Regentenstraße unterzubringen. Mit der aktuellen Zuweisung leben nun 1570 Flüchtlinge in den städtischen Unterkünften. Hinzu kommen 450 Flüchtlinge, die in von ihnen selbst angemieteten Wohnungen leben.

Das JHQ wird zur Flüchtlingsunterkunft FOTO: Dieter Weber

Tony Trapp, ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe im Bereich Römerbrunnen aktiv, hatte im RP-Interview die städtischen Wohnungsgesellschaften GWSG und Kreisbau aufgefordert, Flüchtlinge in ihre leerstehenden Wohnungen ziehen zu lassen. Es gebe genügend davon in deren Bestand.

Hans-Jürgen Meisen, Geschäftsführer der Kreisbau AG, weist die Vorwürfe als haltlos zurück. "Nur wenige unserer Wohnungen stehen leer. Wir stimmen uns ständig mit dem Fachbereich Soziales und Wohnen ab, außerdem haben wir bereits Wohnungen an Flüchtlinge vermietet." Auch Armin Maaßen, Geschäftsführer der GWSG, verwahrt sich gegen die Vorwürfe. "Wir haben aktuell 27 Wohnungen mit insgesamt 1699 Quadratmetern an Flüchtlinge vermietet", sagt er. "140 Asylsuchende leben in diesen Wohnungen."

In Zahlen: Flüchtlinge pro Stadt

Wolfgang Speen bestätigt die Zahlen. Der Pressesprecher der Stadt sagt: "GWSG und Kreisbau haben Wohnraum an insgesamt 192 Flüchtlinge vergeben, die Stadt hat im Römerbrunnen Wohnungen für 228 Menschen angemietet, im städtischen Gebäude an der Brucknerallee leben 67 Asylsuchende."

Quelle: RP