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Mönchengladbach
155.000 Fans feiern die Tour de France

So war die Tour de France in Mönchengladbach
So war die Tour de France in Mönchengladbach FOTO: Sabine Kricke
Mönchengladbach. Die Gladbacher bejubelten das größte Radrennen der Welt in ihrer Stadt euphorisch. Alles verlief ohne große Zwischenfälle. Von Andreas Gruhn, Thomas Grulke, Sabine Kricke und Maximilian Krone

Es gibt Dinge, die kann man einfach nicht planen. Da stellt man kilometerlang Absperrgitter und zahlreiche Lkw-Sperren auf, mehr als 400 Polizisten, 450 Feuerwehrleute, 150 Sicherheitskräfte und 300 Volunteers sind im Einsatz - alles klappt perfekt am Tour-de-France-Sonntag in Mönchengladbach. Und dann beginnt kurz vor der Durchfahrt der Radsport-Weltelite der Regen, der den Asphalt in eine glitschige Rutschbahn verwandelt. Aber trotzdem: Alles geht gut, kein Fahrer stürzt in Mönchengladbach. Und nach Angaben der MGMG feiern rund 155.000 Menschen im gesamten Stadtgebiet entlang der mehr als 20 Kilometer langen Strecke - von Lürrip bis Wanlo beste Stimmung ohne große Zwischenfälle.

Sekunden-Spektakel

Das Fahrerfeld erreichte das Mönchengladbacher Stadtgebiet um exakt 14.18 Uhr. Auf regennasser Fahrbahn rasten die Profis wenig später die Bismarckstraße zur Sprintwertung kurz vor der Kaiser-Friedrich-Halle hinauf. In wenigen Sekunden war das Spektakel in der Innenstadt auch schon wieder vorbei. Die Besucher verschwanden, die Barrieren blieben aber bis zum frühen Abend. Erst dann wurde die Strecke wieder für den Autoverkehr freigegeben. In der City blieben im Sprintbereich in jedem Block noch Plätze frei. Die Stadt berichtete am Abend dennoch von 25.000 bis 30.000 Besuchern dort. Die Fans sorgten jedenfalls für viel Lärm, als die ersten drei Ausreißer des Fahrerfelds über den Asphalt jagten.

Mönchengladbach: Impressionen von der Rennstrecke FOTO: Reichartz,Hans-Peter

In Rheydt, Wickrath und Wickrathberg waren zahlreiche Besucher erschienen. Rund um den Tellmannplatz versammelten sich tausende Menschen, um den Fahrern zuzujubeln. Viele waren Stunden, bevor das Fahrerfeld den Ortsteil erreichte, am Rand der Strecke, um sich die besten Plätze zu sichern. Einige hatten sich Rasseln und Fahnen besorgt, um die Fahrer anzufeuern, und sorgten lautstark für Stimmung. Der französische Markt entpuppte sich hingegen als nicht besonders frankophil: Zum französischen Rotwein wurden Backfisch und Wurst gereicht. Dennoch war das Tourfieber in Rheydt zu spüren.

Übertragung auf Leinwände

Der Hotspot auf dem Wickrather Markt stand ganz im Zeichen der Familien. Während sich die Kinder auf Hüpfburgen vergnügten, informierten sich die Erwachsenen auf der großen Leinwand über das Renngeschehen. Dicht gedrängt standen die Zuschauer. Und als das Fahrerfeld die Hochstadenstraße Richtung Markt herangefahren kam, stieg der Geräuschpegel nochmals deutlich an. Bei Partystimmung stand wenige Rennkilometer weiter Wickrathberg dem Ortsnachbarn in nichts nach. Vor allem am Finkenberger Hof war die Dorfstraße voller Zuschauer. Kartoffelbauer Jörg Engels hatte zur Tour-Party eingeladen und bot den etwa 1000 Besuchern auf seinem Hof Livemusik. Und als das Peloton Wickrathberg passierte, sorgten die Radsportfans mit ihrem dichten Spalier schon fast für eine Bergetappen-Atmosphäre.

Die Werbekarawane der Tour de France in Gladbach FOTO: Reichartz,Hans-Peter

Vor dem Trubel hatte die Stadt jedoch rund 80 Autos an der Tourstrecke abschleppen müssen, 30 davon noch am frühen Sonntagmorgen. 34 Politessen und zwölf Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes waren dafür im Einsatz. "Die Anwohner hatten sehr viel Verständnis und Disziplin, dafür ein großes Kompliment", sagte Stadtsprecher Wolfgang Speen. Am frühen Sonntagmorgen wurden 25 Schriftzüge von Braunkohlegegnern bei Wanlo von der Straße entfernt. Aktivisten hatten diese in der Nacht mit Kreide und Lack aufgemalt und nutzten die Tourdurchfahrt zu Protestaktionen. Auch dort blieb alles friedlich.

Nach und nach wurden die Straßen wieder freigegeben. Um 18.45 Uhr konnten die Autofahrer wieder die gesamte Stadt mit Ausnahme der Bismarckstraße befahren - bei strahlendem Sonnenschein. Als ob es nie eine Tour gegeben hätte.

Quelle: RP
 
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