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Mönchengladbach
2. Sinfoniekonzert: Temperamentvolles aus Dänemark

Mönchengladbach. Der Hagener Frank Beermann und die Niederrheinischen Sinfoniker überraschten mit einer fulminanten zweiten Sinfonie von Carl Nielsen. Von Dirk Richerdt

Dass etwas "faul im Staate Dänemark" sei, ist ein geflügeltes Wort. Als Franz Liszt 1858 Shakespeares "Hamlet" eine sinfonische Dichtung widmete, stand der launische Charakter des Dänenprinzen im Fokus seines Werks. Die episodische Folge von Charakterstücken eröffnete das 2. Sinfoniekonzert im Theater-Konzertsaal. Am Pult leitete Frank Beermann die Niederrheinischen Sinfoniker so souverän, als ob er das Orchester schon seit Jahren kennte. Standsicher die Füße breit ausstellend, ließ der 51-jährige Hagener die widerstreitenden Momente in Hamlets und Ophelias Gefühlswelten wohlakzentuiert herausarbeiten. Ganz ohne "faule" Stellen. Nach dem Podiumsumbau für den Solisten Bernd Glemser sah sich Gastdirigent Beermann mit einer unerwarteten Herausforderung konfrontiert: Das nach hinten versetzte Podest kippelte, was störende Geräusche verursachte. Ein Keil schuf Abhilfe.

Beethovens einziges Klavierkonzert in Moll, Opus 37 in c-Moll, gibt dem Solisten wegen der langen Orchesterexposition viel Muße vor dem Ersteinsatz. Bernd Glemser bestand die Geduldsprobe souverän und war mit dem dreifachen explosiven Tonleiteraufschwung auf den Punkt zur Stelle. Glasklarer Anschlag, filigranes Laufwerk und schonungslose Transparenz dank zurückgenommener Tiefensubstanz kennzeichnen das Spiel des als "Klaviermagier" gefeierten 54-Jährigen. Seine Vorliebe für Ben-marcato-Phrasierung konnte indes nicht verbergen, dass Legato-Bindung nicht Glemsers Stärke ist. So riss im E-Dur-Largo, einer Preziose im Stil eines Mendelssohn'schen "Lieds ohne Worte", der Spannungsfaden. Was im Rondo-Finale durch muntere Tanzfiguren und kraftvoll pulsierende Orchestereinlagen wettgemacht wurde.

Die vier Temperamente hat der Däne Carl Nielsen in seiner 1902 geschriebenen 2. Sinfonie in Klang gegossen. Dem einer eher antiromantischen Tonsprache zuneigenden Komponisten ist hier ein prachtvolles Klanggemälde gelungen. Wut, Zorn, Aufbegehren kennzeichnen den Kopfsatz, der das Wesen des Cholerikers ausstellt. Dem Orchester gelang ein famos ungebärdiges Klanggetüm von filmmusikalischem Glanz, das mächtig aufwühlte. Auch die beiden folgenden, dezenter gehaltenen Mittelsätze mit "phlegmatischem" und "melancholischem" Gestus boten etlichen Stimmgruppen dankbare Gelegenheiten zu Referenzleistungen. Der heitere Sanguiniker im Finale bescherte einen bestgelaunten Kehraus mit verspielt hüpfenden Streicherfiguren und knatternden Posaunen. Da durfte sich jeder im Publikum als Lebensgenießer fühlen. - Sympathisch, wie Beermann unterm Schlussapplaus durch die Orchesterreihen eilte, um möglichst vielen Musikern per Handschlag zu ihren guten Leistungen zu gratulieren. Eine superfaire Geste!

Quelle: RP
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