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Mönchengladbach
2000 gehen gegen NPD auf die Straße

NPD-Demo in Mönchengladbach mobilisiert Gegendemonstranten
NPD-Demo in Mönchengladbach mobilisiert Gegendemonstranten FOTO: Reichartz,Hans-Peter
Mönchengladbach. Laut, entschieden und originell war der Großteil der Gegendemonstration gegen die NPD-Kundgebung. Viel Arbeit hatten hunderte Polizisten aber nicht nur wegen der 150 NPD-Anhänger, sondern auch wegen linken Randalierern. Von Ralf Jüngermann

Mehrere hundert Polizisten zur selben Zeit am selben Ort gibt es in Mönchengladbach sonst nur, wenn Köln zum Derby in den Borussia-Park reist. Diesmal wirkte der Anlass für das Großaufgebot, das die Gladbacher Innenstadt über Stunden in eine Festung verwandelte, eher mickrig: 150 NPD-Symphathisanten, viele von ihnen mit dem Zug angereist, zogen vom Platz der Republik zum Eickener Markt.

Der Zugweg der NPD-Demo. FOTO: Johannes Jungilligens

Doch wie gut die Polizei daran tat, überall in der Innenstadt mit vielen Kräften präsent zu sein, zeigte sich im Laufe des Nachmittags. Immer wieder versuchten Gegendemonstranten aus der autonomen linken Szene, die Absperrungen zu durchbrechen.

Fünf Menschen musste die Polizei deshalb vorübergehend festnehmen. Von 49 weiteren nahm sie die Personalien auf. Die hatten, wohl aus Frust, dass sie die ganze große Demo-Randale nicht schafften, auf dem Real-Parkplatz an der Krefelder Straße Autos zerkratzt und Einkaufswagen aus der Verankerung gerissen. Dennoch lief der Demonstrations-Rekordtag mit insgesamt 13 angemeldeten Kundgebungen vergleichsweise glimpflich ab. Verletzt wurde, Stand gestern Abend, niemand.

So bleiben von diesem Tag - neben dem Gruseln über einen rechtsradikalen Zug durch die Stadt mit vielen jungen Anhängern und einigen vermummten Linken - vor allem beeindruckende Bilder in Erinnerung. Der Europaplatz, wo sich das bürgerliche Mönchengladbach traf, war voller, als viele wohl erwartet hatten. Laut und unmissverständlich in der Botschaft hatte man sein wollen. Vieles war zudem noch originell.

NPD-Verbotsantrag - ein riskantes Unterfangen FOTO: dapd, Nigel Treblin

Schilder wie "Nazis essen heimlich Döner", "Lieber Ratatouille als brauen Suppe" und Gesänge wie "Ihr habt den Krieg verloren", sorgten für das bunte Bild, das viele Redner beschworen. Offenheit gegen Menschen jeglicher Herkunft mahnte Regionaldekan Ulrich Clancett in seiner Rede an. "Bei Borussia spielen viele, die nicht in Deutschland geboren sind. Genau so bunt muss unsere ganze Stadt sein." Dietrich Denker, Superintendent des Kirchenkreises Gladbach Neuss, sagte: "Der 1. Mai gehört nicht den Rechten. Er gehört den Arbeitern und allen demokratischen Kräften in unserem Land."

Ferdi Hoeren, Vorsitzender des Bündnisses "Aufstehen", nannte es "infam und provokant", dass die NPD ausgerechnet den Tag der Arbeit für "ihre menschenverachtenden Parolen" nutze. "Ich bin 78 Jahre alt und habe die Nazis noch als Kind erlebt. Ich habe erlebt, was sie angerichtet haben", sagte er. Zu den Demonstranten gehörte neben vielen lokalen Politikern auch der wieder genesene frühere Regionaldekan Eddi Erlemann. Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners, der sich im Vorfeld mit klaren Worten gegen den NPD-Aufmarsch positioniert hatte, sprach bei der Kundgebung des DGB in Rheydt und ging dort auf die Demonstration ein.

NPD-Demo in Duisburg: Prügelei zwischen Linken und Rechten FOTO: Christoph Reichwein

Beide Demonstrationszüge zogen, von der Polizei getrennt, auf unterschiedlichen Wegen zum Eickener Markt. Zum ersten Mal in Hörweite waren sie am früheren Eickener Kreisel. Es wurde laut, vor allem dank Trillerpfeifen; dazu gab es obszöne Gesten auf beiden Seiten. Auch auf dem Eickener Markt, wo Rechte und Linke sich nur aus der Entfernung zu sehen bekamen, gab es Pöbeleien.

Die bürgerliche Gegendemo löste sich kurz darauf auf dem Adenauerplatz auf. Am Eickener Kreisel, wo noch einmal NPD-Vertreter Reden hielten, gab es letzte Scharmützel. Der braune Spuk war um 16.30 Uhr hinter dem Bahnhof vorbei; dort, wo er gut vier Stunden zuvor begonnen hatte.

Ferdi Hoeren bilanzierte: "Wir haben denen gezeigt, dass Gladbach kein Spielfeld für Nazis ist. Die haben hier nie ein Bein an die Erde bekommen - und das bleibt auch so."

Quelle: RP
 
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