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Mönchengladbach
2012 - Jahr der Weichenstellungen

Mönchengladbach. Arcaden, Innenstadtkonzept Rheydt, Masterplan – das sind nur einige Projekte, die das kommende Jahr prägen. 2012 wird vieles umgesetzt, was lange geplant worden ist, noch mehr wird in die Wege geleitet. Und Platz für die eine oder andere Überraschung ist sicherlich auch noch. Von Jan Schnettler

Auch wenn 2012 noch einige Wochen hin ist – schon jetzt ist klar, dass das neue Jahr als eines der Veränderungen und Weichenstellungen in die Stadtgeschichte eingehen wird. Seit Jahren geplante Bauvorhaben sollen realisiert werden, Umweltzonen sollen die Luftqualität regeln, ein Masterplan wird erstellt, um die zukünftige Stadtentwicklung in geordnete, sinnvolle Bahnen zu lenken. Dazu kommen zahlreiche weitere Projekte und Ereignisse, die für frischen Wind in zum Teil verkrusteten Strukturen sorgen werden. Ein Überblick:

Arcaden Der wohl markanteste Umbruch im Stadtbild steht an der Hindenburgstraße an. Nach dann 13 Jahren Leerstand wird das Alte Stadttheater abgerissen, ebenso der angrenzende Lichthof und das Iduna-Hochhaus. Investor Mfi errichtet an selber Stelle das neue Einkaufszentrum Arcaden.

Zwar hat sich der Zeitplan in den letzten Monaten etwas nach hinten verlagert, dennoch sollen die Bagger definitiv 2012 anrücken. Derzeitiger Stand der Planung: Im Februar verabschiedet der Stadtrat den Bebauungsplan, nach Ostern wird der Ersatzbau aufgestellt, im Sommer beginnt der Abriss der Theatergalerie. Sobald tatsächlich gebaut wird, dürfte auch die Stepgesstraße für den Verkehr geschlossen werden – ein Vorgeschmack auf die Zeit nach Fertigstellung der Arcaden, wenn die Hindenburgstraße eine durchgehende Fußgängerzone ergibt und der Verkehr im Ringsystem um die Innenstadt herum geleitet wird.

Umweltzone/Tempo-30-Zonen Mit einiger Spannung erwartet die Stadt den Entwurf des Luftreinhalteplans, den die Bezirksregierung Düsseldorf voraussichtlich im Frühjahr 2012 vorlegen will. Wesentlicher Bestandteil dürfte die Forderung sein, dass die Stadt eine Umweltzone einrichtet, die vermutlich den gesamten Innenstadtbereich beinhaltet. Weil die Stadt zusätzlich noch eine Richtlinie der EU erfüllen und einen Lärmaktionsplan aufstellen muss, um Verkehrslärm zu verringern, drohen zudem weitere Tempo-30-Zonen. Auch diese Thematik wird das Jahr 2012 prägen.

Innenstadtkonzept Rheydt Sichtbare und massive Veränderungen stehen in Rheydt an – und das nicht erst ab Mitte des Jahres, wenn die Bagger rund um den Marktplatz anrücken und die Grundlage für eine völlig neue Optik schaffen: für einen Belag mit Natursteinen etwa, für eine erhöhte Terrasse mit dem Zierkirschen-Hain im Westen und für komplett neues Platzmobiliar. Bereits ab Februar ist das dann sanierte Pahlkebad nach mehreren Jahren erstmals wieder offen, bis Ende 2012 wird der Hugo-Junkers-Park für 1,5 Millionen Euro runderneuert: mehr Wiesen, mehr Spielflächen, weniger Sträucher und Angsträume. Weil die meisten Fördergelder für das Innenstadtkonzept aus einem Topf namens "Soziale Stadt" stammen, wird sich auch in Sachen Sozialprojekten 2012 noch vieles tun in Rheydt.

City-Ost Mit der Ankündigung der Kette B & B, auf dem Areal des früheren Güterbahnhofs ein Hotel zu errichten – mit dem Bau soll noch im ersten Quartal 2012 begonnen werden – ist der Startschuss für eine weitere Entwicklung des Geländes gefallen. Nach wie vor ist ein Fachmarktzentrum im Gespräch. So oder so wird die Breitenbachstraße ein zentraler Bestandteil des künftigen Verkehrs-Ringsystems. Nach dem bereits erfolgten Umbau des Eickener Kreisels in unmittelbarer Nähe steht 2012 die Erweiterung der Straße auf drei Spuren im Bereich der Eisenbahnbrücke an.

Masterplan Vor wenigen Tagen hat das Team um den britischen Architekten Sir Nicholas Grimshaw seine Arbeit aufgenommen. Auf Initiative der lokalen Unternehmerschaft wurden die Stadtplaner beauftragt, in einem einjährigen Prozess bis Ende 2012 einen Masterplan für die Entwicklung der Stadt zu erstellen.

Über das Jahr verteilt wird es diverse Workshops und Diskussionsveranstaltungen mit den Bürgern geben, die die zentralen Impulse liefern sollen. Erste Ansätze hat Grimshaw bereits durchschimmern lassen: sinnvoll vernetzte Grünanlagen, mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer, die Umnutzung von brachliegenden Gebäuden für junge kreative Unternehmer. Sichtbare Ergebnisse wird der Masterplan 2012 noch nicht zeigen, seine Erstellung allerdings dürfte das Jahr prägen.

Regiopark Der Bau des Logistikzentrums von Esprit und Fiege im Regiopark liegt in den letzten Zügen, der Spatenstich für das Großlager von DHL und Primark in unmittelbarer Nachbarschaft ist vor kurzem erfolgt. Bis Mitte 2012 soll es fertig sein. Unabhängig davon, ob weitere Ansiedlungen an Land gezogen werden oder nicht, eines ist klar: Das Gewerbegebiet in Güdderath, das jahrelang als Rohrkrepierer galt, nimmt 2012 richtig Fahrt auf.

Städtische Kliniken Massiv gebaut wird 2012 auch rund um das Elisabeth-Krankenhaus: Bis Frühjahr 2013 werden 40 Millionen Euro in Neu-, An- und Ausbauten gesteckt. So wird das "Eli" etwa zur größten Geburtsklinik NRWs ausgebaut, das Haupthaus wird saniert, bis Juni entsteht ein Neubau für die Geriatrie. Die zieht an die Hubertusstraße, da der bisherige Standort, die Hardterwald-Klinik, an einen privaten Investor verkauft wurde. Dieser will ebenfalls groß investieren (25 Millionen Euro) und im Hardter Wald ein Rehazentrum für Herzpatienten entstehen lassen. Am 26. Juni 2012 soll die Klinik "besenrein" übergeben werden.

Hochschule Niederrhein Auch die Fachhochschule baut 2012 aus. Die Wirtschaftswissenschaften erhalten bis Frühjahr 2013 ein neues Multifunktionsgebäude. Weil der Platzmangel dadurch aber nicht gelöst wird, ist die Hochschulleitung auf weitere Neubauten aus. Außerdem könnte die Hochschule sich über ihre eigenen Gebäude hinaus ausdehnen: Derzeit ist eine Expansion ins leerstehende Theater im Nordpark (TiN) oder auf das Monforts-Gelände im Gespräch.

Oerlikon Schlafhorst Schon seit Juli 2009 ist klar, dass der einst größte Arbeitgeber der Stadt – Wilhelm Schlafhorst gründete die Firma 1882, 5000 Menschen arbeiteten zu Spitzenzeiten bei dem Textilmaschinenbauer – selbige verlassen wird. Im ersten Halbjahr 2012 wird der Umzug nach Übach-Palenberg vollzogen. Obwohl das Unternehmen sicher ist, die Fläche in ihrem Schlafhorst-Businesspark schnell neu zu vermieten, geht 2012 nach 130 Jahren ein bedeutendes Stück Industriegeschichte zu Ende.

Bei zahlreichen weiteren Themen ist schon jetzt absehbar, dass sie das Jahr 2012 prägen werden. Der Abriss des markanten früheren Bauamts an der Viersener Straße, die Hotel-Pläne anstelle des Alten Hauses Zoar, die Würdigung für die Ju 52 am Flughafen, die Einführung der Bettensteuer für Übernachtungen in Hotels und der Amtsantritt des neuen Chefs der Niederrheinischen Sinfoniker, Mihkel Kütson, sind nur einige Beispiele. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass auch die Borussia eine prägende Rolle spielt – vielleicht ja mit den ersten Auftritten im Europapokal nach dann 16 Jahren.

Quelle: RP
 
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