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Mönchengladbach
3,2 Millionen Umsatz durch Ebay-Projekt

Mönchengladbach: 3,2 Millionen Umsatz durch Ebay-Projekt
Schaffrath - hier die Fachberaterinnen Lena Kamlak (li.) und Beate Kempkes mit Verkaufsleiter Oliver Sperling - ist der jüngste Projektteilnehmer. Ingrid Schrey (re.) von Lamm-Pion Ledermoden ist schon länger dabei. FOTO: Stefan Krocek
Mönchengladbach. Die Pilotphase ist beendet, jetzt wird Bilanz gezogen. Und die fällt durchweg positiv aus - fördert allerdings auch manche überraschende Erkenntnis zutage. Das Portal wird fortgeführt, neue Pilotkommune wird das niedersächsische Diepholz. Von Jan Schnettler

Bei Schaffrath sind die Eindrücke am frischesten: Erst seit anderthalb Monaten ist das Wohnkaufhaus bei "Mönchengladbach bei Ebay" am Start und ist damit der jüngste der 79 Projektteilnehmer. "Wir haben in den ersten drei Wochen bereits eine dreistellige Artikelzahl verkauft", sagt Geschäftsführer Marc Fahrig. Und das, obwohl man erstmal mit einem kleinen Sortiment aus dem Bereich Wohnaccessoires begann. Alle Verkäufe seien an Kunden außerhalb des Verbreitungsgebiets erfolgt. "Das sind unsere ersten Gehversuche, wir wollten nicht direkt mit Möbeln starten", sagt Marketingleiter Marc Probson. "Wir werden den Kanal Ebay ab sofort in unsere Werbung implementieren."

Die Erfahrungen, die Schaffrath mit "MG bei Ebay" macht, stehen stellvertretend für die Erkenntnisse, die die Projektpartner jetzt nach Ablauf der Pilotphase zusammengetragen haben. Neun Monate lang erprobten Ebay und MG Retail 2020 (ein Projekt der Wirtschaftsförderung und der Hochschule Niederrhein), wie dem stationären Einzelhandel der Sprung ins Online-Geschäft gelingen kann. Dass er gelingen kann, steht außer Frage: Mehr als 3,2 Millionen Euro Umsatz erzielten die 79 Teilnehmer in den neun Monaten. 87.000 Artikel wurden in 84 Länder verkauft. 200.000 Artikel sind auf dem Portal verfügbar. Der hochgerechnete, zusätzliche durchschnittliche Jahresumsatz pro Händler liegt bei stolzen 90.000 Euro. "Es wurde in einer Woche mehr verkauft als bei manch anderem Projekt dieser Art in 18 Monaten", sagt Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer der WFMG. "Manche der Teilnehmer machen mittlerweile zehn Prozent ihres Umsatzes mit Ebay - und das ist Umsatz, den es sonst nicht geben würde." Bei Michael Hofmann von Gosimo Uhren und Schmuck sind es sogar "fast 20 Prozent. Ich benötige mittlerweile fast zwei Drittel des Tages für Ebay-Bestellungen. Bald muss ich jemanden zusätzlich einstellen."

Ebenfalls Teilnehmer der ersten Stunde: Sabine Kuch vom Haus der Braut (li.) und Natalie und Rolf Krichel vom gleichnamigen Kunsthaus. FOTO: Mönchengladbach bei Ebay

Eines der anvisierten Ziele hat das Projekt nicht erreicht: den stationären Handel tatsächlich auch vor Ort zu stärken, etwa durch Methoden wie "Click & Collect" (im Netz kaufen, im Laden abholen). "Das war eine der Erwartungen", sagt Schückhaus. "Doch es hat sich herausgestellt, dass 90 Prozent der Waren von außerhalb gekauft werden. Der Versand ist der primäre Absatzkanal." Nicht messbar - aber sicher an der Tagesordnung - seien hingegen Fälle, in denen der so genannte ROPO-Effekt (Research online, Purchase offline - online informieren, im Geschäft kaufen) auftritt. Trotzdem sei das Projekt "vor Ort erst einmal nicht erfolgreicher als andere lokale Marktplätze im Internet". In erster Linie die Anbindung an die große, weite Ebay-Welt mache sich bezahlt. Dabei gelte die Faustregel: Je mehr Artikel online stehen, desto größer sind die Erfolgsaussichten.

"Es ist völlig unstrittig, dass wir ,Mönchengladbach bei Ebay' fortsetzen", sagt Steven Marks, Multi-Channel-Experte von Ebay. Allerdings in leicht abgespeckter Form - so werde es künftig etwa keinen "Händler des Monats" mehr geben. Nun wolle das Unternehmen noch Erfahrungen in einer Kleinstadt machen - nächste Pilotkommune ist das niedersächsische Diepholz mit 16.000 Einwohnern. Später sei es denkbar, das Projekt auf weitere Städte auszuweiten. Einen Ableger gibt es bereits in L'Aquila (Italien).

Quelle: RP
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