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Mönchengladbach
360-Grad-Film vom Krankenhausdach

So macht man ein 360-Grad-Video
Mönchengladbach. Norbert Wimmer und Lothar Knobloch haben eine neue Technik für spektakuläre Rundum-Sicht-Aufnahmen entwickelt. Von Angela Rietdorf

In der Ferne sieht man die weißen Türme von Frimmersdorf, davor erhebt sich der schlanke Turm der Citykirche, etwas niedriger und gedrungener der Münsterturm. Der Blick wandert bis zum Stadion im Nordpark, weiter im Westen erkennt man die Autobahn, dann ganz dicht dran den Wasserturm, schließlich das Franziskanerkloster, den Bunten Garten und die Kaiser-Friedrich-Halle.

Der Blick vom Dach des Krankenhauses Bethesda ist grandios. Aber nicht öffentlich zugänglich. In Kürze aber kann jeder diesen Rundumblick auf dem Internetportal Youtube anklicken und genießen. Möglich macht dies der 360-Grad-Film, den Norbert Wimmer und Lothar Knobloch drehen.

Die beiden haben ihre Ausrüstung auf dem Dach des Krankenhauses aufgebaut. Neun Kameras wurden an einem auf bis zu vier Meter ausziehbaren Stativ montiert. Acht Linsen filmen in die verschiedenen Himmelsrichtungen, eine ist nach oben gerichtet. Bei der Aufnahme entsteht so ein kompletter Rundumblick. "Die Kameras überlappen sich im Aufnahmebereich", erklärt Norbert Wimmer. Bei der Postproduktion werden die Bilder so zusammengefügt, dass eine 360-Grad-Ansicht, also ein kompletter Rundum-Blick, entsteht. Man kann die Filme auf dem PC-Monitor ansehen, aber am besten funktionieren sie auf dem Smartphone. Dreht man sich mit dem Mobiltelefon im Kreis, drehen sich die Bilder mit und der Betrachter sieht das Gleiche, was er sehen würde, wenn er selbst auf dem Bethesda-Dach stände. Er kann sich hin und her drehen, den Bildschirm kippen und erhält immer eine angepasste Perspektive. "So entscheidet der Benutzer, was er sehen will", erklärt Norbert Wimmer. "Wir filmen alles."

Auch wenn sie alles filmen, alles zeigen wollen sie nicht. Die selbstgebaute Halterung für die vielen Kameras ist ein Betriebsgeheimnis. Sie haben erst mit zwölf, dann mit neun Kameras experimentiert und glauben jetzt, das Optimum erreicht zu haben. "Ich muss mich damit nicht verstecken", sagt Norbert Wimmer überzeugt. Seit einem Jahr beschäftigt er sich mit der 360-Grad-Technik. "Google hat die Cardboard-Brille entwickelt", erklärt der Filmenthusiast. "Das Ergebnis fand ich spektakulär und wollte die Technik auch einsetzen." Er hat in seine Kameras rund 5000 Euro investiert und plant nun gemeinsam mit seinem Kampagnon Lothar Knobloch auch den kommerziellen Einsatz. "Die Technik lässt sich sehr gut für Messeauftritte einsetzen", erklärt er. "Die Besucher können Brillen aufsetzen und sich dann im jeweiligen Betrieb oder auch rund um eine große Maschine bewegen."

Erst einmal aber ist der Blick über Gladbach dran. Es hängen zwar einige dunkle Wolken über der Stadt, aber die beiden Filmer haben Glück und es bleibt weitgehend trocken. Sie müssen noch einmal zwei Kameras austauschen, die nicht tun, was sie sollen, dann geht's los. Zeitgleich nehmen alle neun Geräte ihre jeweilige Perspektive auf, und zwar in Full HD-Qualität. Zu Hause wird Norbert Wimmer die Bilder noch etwa zwei Tage nachbearbeiten und dann den Film auf Youtube hochladen.

Angucken: Eine "Making-of-Doku" über den Film ist auf www.rp-online.de/moenchengladbach zu sehen. Unter Bethesda 360° werden die Aufnahmen zu finden sein, oder auch unter www.szenario360.de.

Quelle: RP
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