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Mönchengladbach
9000-mal Kino im Kinderkopf

Mönchengladbach: 9000-mal Kino im Kinderkopf
In der "Mediencorner" (Medien-Ecke) können die Mitglieder des Sommerleseclubs aus einer vielfältigen Auswahl an Büchern wählen. 9000 Exemplare sind in diesen Ferien bereits gelesen worden. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. 121 Bücher haben der zwölfjährige Ram und der 13-jährige Ajal bereits gelesen. Nicht etwa in ihrem ganzen Leben, sondern in diesen Ferien im Rahmen des Sommerleseclubs. "Diese Spitzenzahlen sind zwar beeindruckend", sagt Brigitte Behrendt, die Leiterin der Stadtbibliothek Mönchengladbach. Von Fee Grupe

"Aber uns geht es auch darum, Kinder zu motivieren, die ansonsten nicht so viel lesen." Damit das gelingt, kooperiert die Stadtbibliothek mit Schulen. Unter dem Motto "Deutschland sucht das Superbuch", bei dem es nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Optik des Covers ankommt, soll das Interesse der Schüler geweckt werden.

Auch der Klassenwettbewerb bietet eine Motivation und stärkt zudem den Zusammenhalt unter den Schülern. Die Klasse, die die meisten Bücher gelesen hat, erhält eine Stadionführung. Doch auch wer nicht mit der ganzen Klasse antritt, kann tolle Preise gewinnen. Ab drei Büchern gibt es ein Zertifikat, ab vier Büchern einen Sommerleseclubschal von Borussia, und am Ende wartet auf alle am 1. September eine Abschlussfeier im Volksbad. Ermöglicht wird das durch die Unterstützung verschiedener Partner, unter anderem durch Borussia. Doch nicht nur die materiellen Preise sind ein Gewinn für die Teilnehmer. "Schon mit dem ersten Buch setzt das Kino im Kopf ein", sagt Behrendt.

Das Angebot ist vielfältig. Neben dicken Romanen gibt es auch Comics und Witzebücher. Der zehnjährige Kishopen findet hier immer etwas: "Die Auswahl ist gut." Am liebsten mag er Comics, Action- und Abenteuerbücher. Vielleicht lese er durch den Sommerleseclub etwas mehr, aber die Liebe zu Büchern sei schon vorher da gewesen. Auch der 13-jährige Abikuna liest gerne. "Möglichst spannend" soll es dabei zugehen. 70 Bücher hat er in diesem Sommer bereits gelesen.

Den Sommerleseclub gebe es zwar auch in anderen Städten, aber Mönchengladbach sei als Großstadt eine Pionierin. Laut Behrendt gibt es hier den größten Sommerleseclub bundesweit. In den letzten elf Jahren haben 15.400 Kinder teilgenommen. In diesem Jahr wurden bereits 9000 Bücher von insgesamt 2000 Mitgliedern gelesen. Jene sind zwischen zehn und 13 Jahren alt, denn das ist laut Behrendt das Alter, in dem das Interesse am Lesen oft nachlasse. Ungewöhnlich hoch sei der Jungenanteil von 50 Prozent. "Normalerweise lesen weniger Jungen als Mädchen", sagt Behrendt.

Marlo, Emily und Chiara haben alle selbst am Sommerleseclub teilgenommen. In diesem Jahr sind sie als freiwillige Helferinnern dabei. Eine ihrer Aufgaben ist es herauszufinden, ob die Kinder die Bücher wirklich gelesen haben. Dafür lassen sie sich von den Teilnehmern den Inhalt der Bücher wiedergeben. "Es macht Spaß, den Kindern zuzuhören", sagt Chiara. "Am besten ist es, wenn man das Buch selbst gelesen hat", ergänzt Emily, "Dann kann man noch mal genauer nachfragen." Nur Chiara hat es mal erlebt, dass jemand ein Buch nicht wirklich gelesen hatte.

"Viele können nicht nachvollziehen, dass wir das hier ehrenamtlich machen", sagt Emily, und die anderen stimmen ihr zu. Dabei sei es ein tolles Gefühl, seine Sommerferien mit etwas Sinnvollem zu verbringen. "Und es macht ja auch Spaß", sagt Chiara.

Quelle: RP
 
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