| 10.20 Uhr

Mönchengladbach
A-ha will ins Museum Abteiberg

Mönchengladbach. Magne Furuholmen, Keyboarder und Songwriter der norwegischen Band "a-ha", spricht im Interview über moderne Kunst, das Konzert der Abschiedstournee im Mönchengladbacher Hockeypark, das Angebot in einer Casting-Show-Jury zu sitzen und die Chancen von Lena Meyer-Landrut beim European Song Contest in Oslo. Von Semiha Ünlü

Magne, das ist heute ihr viertes Interview, zwei weitere liegen vor ihnen, gerade hatten sie zwei Konzerte in Los Angeles. Und nach all den Konzerten in den vergangenen Wochen liegen immer noch 49 Konzerte vor ihnen. Wie erschöpft sind sie denn gerade?

Magne Furuholmen Viele Menschen denken, dass man nach so vielen Konzerten kaputt ist, aber ehrlich gesagt bekommen wir von den Fans so viel Energie und Wertschätzung, dass ich gar nicht müde bin. Ein paar Stunden Schlaf genügen.

28 Jahre a-ha, das sind mehr als 35 Millionen Platten und zwölf Alben. Mit der Welttournee "Ending on a high note" verabschiedet sich die Band nun. Wie traurig ist die Tour?

Furuholmen (lacht) Es ist überhaupt nicht traurig. Wir feiern unseren Abschied, unsere lange Karriere und die Möglichkeiten, die der Erfolg uns gegeben hat. Und vor allem danken wir unseren Fans. Unsere Konzerte in Deutschland sind etwas besonderes, denn während unserer Karriere waren die deutschen Fans uns die ganze Zeit treu. Unsere Tour haben wir im vergangenen Jahr extra so geplant, dass wir in Deutschland im Sommer Open-Airs spielen.

Sie waren schon einige Male in Deutschland, deswegen wissen sie bestimmt, dass wir wettertechnisch nicht so der Hit sind.

Furuholmen (lacht) Das ist gar kein Problem. Das macht uns nicht aus.

Am 28. Mai spielen sie bei uns in Mönchengladbach. Freuen sie sich auf etwas in unserer Stadt?

Furuholmen (räuspert sich) Auf nichts Bestimmtes. Dafür kenne ich Deutschland leider zu wenig.

Sie sind nicht nur Musiker, sondern auch Maler, hatten Ausstellungen in ihrer Heimat Norwegen, in Japan und in Frankreich. Gibt es eine Chance, dass sie sich unser Museum Abteiberg ansiehst?

Furuholmen Wie heißt das?

Abteiberg.

Furuholmen Was kann man da im Moment denn sehen?

Den US-Künstler Robert Morris.

Furuholmen Das ist ja ein Zufall. Vor ein paar Jahren habe ich einen Workshop bei ihm besucht. Buchstabieren sie mal bitte den Namen des Museums?

A-b-t-e-i-b-e-r-g.

Furuholmen Super, ich habe mir das jetzt aufgeschrieben.

Meinen sie wirklich, die Zeit dafür zu finden? Am Tag nach ihrem Mönchengladbach-Konzert werden sie schon in Trier erwartet.

Furuholmen Ich werde es auf jeden Fall versuchen. Das ist ja am Touren so schön, dass man sich Kunst und Kultur in fremden Städten ansehen kann.

Als sie 1985 ihren großen Hit "Take on me" hatten, sagten viele Kritiker, dass ihr nur eine One-Hit-Boygroup seid. War das niederschmetternd?

Furuholmen Nicht unbedingt niederschmetternd, aber irritierend. Wir waren sehr jung, um die 20 Jahre. Viele Kritiker waren mehr an unseren Haaren und Outfits interessiert und unterstellten uns, dass wir das auch seien. Aber dieses Image konnten wir nicht kontrollieren und mussten lernen, irgendwie damit klarzukommen.

Apropos Kritiker: Würden sie sich in die Jury einer Casting-Show setzen? So wie der von The X-Factor?

Furuholmen Nein.

Wurden sie schon mal gefragt?

Furuholmen Ja, vor kurzem, aber ich halte nichts von diesen Shows. Warum sollte ein Künstler jeden Abend bei einer Casting-Show einen anderen Musikstil präsentieren? Das wird ihm doch nicht helfen, sich als Künstler auszudrücken. Bei den Shows werden junge Menschen gesucht, die zu jeder Mahlzeit passen, so wie Kartoffeln. Und es geht um das Aussehen. Ein Bob Dylan hätte es niemals geschafft. Was für ein Verlust das gewesen wäre. Aber wer dennoch mitmacht: Viel Erfolg!

Viele Fans sind mit ihnen aufgewachsen, sie haben mit Platten wie "Minor Earth Major Sky" aber auch neue und junge Fans dazugewonnen. Wie hat sich ihre Fanpost verändert?

Furuholmen Am Anfang unserer Karriere bekamen wir sehr viele Puppen geschenkt und natürlich Liebesbriefe. Aber nun sind es mehr Briefe, in denen Menschen uns schreiben, wie eines unserer Lieder ihnen geholfen hat, eine schwere Zeit durchzustehen. Warum ihnen welches Lied was bedeutet. Und dass sie unsere Musik sehr schätzen. Viele Fans sind ja mit uns erwachsen geworden.

Sie haben mal gesagt, dass kein Mensch das Comeback einer 80er Jahre Band brauche. Aber fünf Jahre nach der Trennung 1994 standen sie dann doch beim Konzert zum Friedensnobelpreis gemeinsam auf der Bühne. Dann folgte das Comeback.

Furuholmen Damit meinte ich, dass keine Band zurückkommen sollte, nur um alte Hits zu spielen. Wenn man nur alte Hits spielt und sich nicht weiterentwickelt, hat das Comeback doch eigentlich keine Berechtigung. Sehen sie sich das Comeback von The Police an: Eine tolle Band mit vielen Hits, aber als sie sich entschied zurückzukehren, war es allen klar, dass sie als Band nichts Neues machen würde. Ich habe sie mir angesehen und es war pure Nostalgie. Bei so einer Band ist das aber dennoch irgendwie toll.

Sie sind seit 1992 verheiratet, haben zwei Söhne. Keine Sex- und Drogenskandale. Scheint alles glatt für sie gelaufen zu sein.

Furuholmen Es war nicht immer so glatt, wie es vielleicht aussieht. Ich hatte auch schwere und nicht so erfreuliche Zeiten. Aber ich würde nichts ändern oder missen wollen. Man lernt aus allem und wird zu dem, der man ist.

In Mönchengladbach spielen sie vielleicht vor gut 10 000 Fans. Was erwartet ihre Fans?

Furuholmen Das Schöne ist, dass wir in 30 Jahren ein großes Repertoire an Liedern aufgebaut haben und daher Hits querbeet spielen können.

Bands wie Coldplay sagen, dass sie große Fans ihrer Midtempo-Balladen sind. Wie fühlt sich das an?

Furuholmen (lacht) Nicht schlecht. Nach unserem Comeback Ende der 90er waren viele Menschen uns wohlgesonnen. Kritiker, aber auch Künstler wie Chris Martin von Coldplay. Es ist eine Grätsche, als Künstler Anerkennung und Erfolg zu bekommen. Am Anfang hatten wir die großen Erfolge, später kam die Anerkennung. Da können wir doch sehr zufrieden sein.

Während des European Song Contests in ihrer Heimatstadt Oslo sind sie in Deutschland unterwegs. Werden sie sich die Show im Fernsehen ansehen?

Furuholmen Es wird schwierig sein, sie sich nicht anzusehen. Aber eigentlich ist der Contest in Norwegen nicht so populär.

Wir gehen mit Lena Meyer-Landrut, quasi unserer Kate Nash, ins Rennen.

Furuholmen Ich habe von ihr gehört. Sie soll ja einer der Favoriten sein.

Deutschland zieht beim Wettbewerb leider oft den Kürzeren.

Furuholmen Wirklich? Warum denn?

Wir haben schon hässliche Spaßvögel hingeschickt und auch hübsche Pop-Sängerinnen. Aber irgendwie haben wir nie eine Chance.

Furuholmen Ich werde auf jeden Fall die Daumen drücken.

Semiha Ünlü führte das Gespräch.

Quelle: RP
 
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