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Mönchengladbach
Abend mit Mahler, Debussy, Koechlin - und Sophie Witte

Mönchengladbach. Nicht ganz zufällig waren alle drei Komponisten, die im fünften Sinfoniekonzert zu hören waren, in den 1860er Jahren geboren - zwei von ihnen in Frankreich, einer in Böhmen. Gustav Mahler (*1860) und Claude Debussy (*1862) gehören zur Generation der raffinierten Klangfarben-Orchestrierer. Und dann war da noch ein dritter, der auch nicht uninteressant war. Den kriegen wir später. Von Gert Holtmeyer

Die Niederrheinischen Sinfoniker starteten im Konzertsaal Theater Mönchengladbach mit einem Paradestück des französischen Impressionismus, mit Claude Debussys Prélude à l'après-midi d'un faune. Sorgfältig arbeitete GMD Mihkel Kütson die differenzierten klanglichen Abstufungen heraus. Betörend klangen die Streicher, fabelhaft die Soli der Bläser.

Keiner muss sich schämen, der noch nie etwas von einer Vertonung der vier Gedichte des Edmond Haraucourt oder von Déclin d'amour aus den Herbstgedichten op. 13 gehört hat. Auch der Komponist dieser Vertonungen, der 1867 in Paris geborene Spross einer gut betuchten elsässischen Familie Charles Koechlin, erfreut sich heutzutage nicht gerade großer Bekanntheit. Dabei waren die kompositorischen Kostproben durchaus interessant. Vorzüglich wiedergegeben waren sie ohnehin. Auch hier hatte Klangdifferenzierung höchste Priorität. Und mit Sophie Witte hatte man eine ganz hervorragende Solistin verpflichtet.

"Clair de lune", das erste der Haraucourt-Gedichte, begann mit einem kräftigen Fortissimo. Befürchtungen, das kräftig aufspielende Orchester könnte die Sängerin übertönen, erwiesen sich allerdings als unbegründet. Sophie Witte, junges Ensemblemitglied des Theaters Krefeld/Mönchengladbach, setzte sich mit ihrem kraftvollen, ausdrucksstarken Sopran souverän in allen Höhenlagen durch. Zu Recht feierten die Zuhörer sie mit lebhaftem Beifall - für die Koechlin-Lieder ebenso wie im zweiten Teil für ihr Solo in Mahlers vierter Sinfonie.

Alle in der österreichischen k.k. Monarchie arrivierten Juden, ob sie nun Sigmund Freud oder Gustav Mahler hießen, trauten grundsätzlich keiner Idylle. Auch wenn sie sich wie Mahler taufen ließen - zu sehr spürten sie die stets lauernden Gefahren eines latenten oder manifesten Antisemitismus. So steckt auch Mahlers vierte Sinfonie, die zunächst recht fröhlich wirkt, voller Brüche. Kütson und seine Sinfoniker brachten sie ungeschminkt zum Ausdruck. Bewusst grell und drohend zerschnitten Holz- wie Blechbläser einschmeichelnde Streicherklänge. Die Aufführung war konsequent durchdacht und vom Orchester mitreißend ausgeführt. Sophie Witte brillierte auch hier.

Eine tadellose Leistung lieferte auch Konzertmeister Philipp Wenger ab, der auf einer höher gestimmten Geige (Skordatur) ein anspruchsvolles Solo zu spielen hatte.

Langer, begeisterter Beifall.

Quelle: RP
 
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