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Mönchengladbach
Abgesagt: Die Jugend will nicht in die Bütt

Mönchengladbach: Abgesagt: Die Jugend will nicht in die Bütt
In Mönchengladbach gibt es keine Kinder, die Büttenreden halten. Dafür gibt es viele Tanzgarden. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Weil sich nur vier Tanzgarden anmeldeten, sagte der MKV die für morgen geplante Veranstaltung ab. Das Hauptproblem ist, dass es keine Kinder gibt, die bereit sind, eine Büttenrede zu halten. Von Christian Lingen

Traditionell sollten morgen Nachmittag in der Gaststätte DenkMal in Geneicken die "Jugend in die Bütt" steigen. Doch nun sagte der Mönchengladbacher Karnevalsverband (MKV) die vor allem bei Kindern so beliebte Veranstaltung ab. "Wir hatten nur vier Anmeldungen. Um eine vernünftige Veranstaltung durchzuführen, hätten wir aber acht gebraucht", sagt Monika Ferfers. Als Hauptproblem nennt die Jugendbeauftragte des MKV, dass es in Mönchengladbach keine Kinder oder Jugendlichen gibt, die bereit sind, zu singen oder eine Büttenrede zu halten. Redende Kinder aus Düsseldorf, die in den Vorjahren bei "Jugend in die Bütt" auftraten, hätten morgen nicht mitmachen dürfen. "Dort findet der Vorstellnachmittag für Kinder erst nächste Woche statt. Wir haben zwar eine Kooperation mit dem Comitee Düsseldorf Carneval, doch dass sich die Künstler dort schriftlich verpflichten müssen, ihr Programm vorher nirgendwo anders zu zeigen, war uns nicht bekannt", sagt Geschäftsführer Horst Beines. Außerdem seien viele Kinder noch im Urlaub.

Als Folge aus diesem Missverständnis und den zu wenigen Anmeldungen, zog der MKV während des Muurejubbel-Essens am Donnerstagabend nun die Konsequenz. "Wir werden in der Elefantenrunde mit den Düsseldorfern besprechen, wie man künftig verfährt", kündigt Horst Beines an. Der Termin in den Ferien sei unglücklich gewählt gewesen. "Jugend in die Bütt" solle aber aufrecht erhalten werden. Monika Ferfers sieht das anders. "Die Veranstaltung hat sich überholt", sagt sie. "Der Charakter ist nicht mehr gegeben. Die Kinder hier in der Stadt wollen einfach keine Reden halten oder singen. Selbst wenn man auf Schulen zugeht, kommt keine Reaktion", bemängelt sie. In Köln oder Düsseldorf ist das anders. Dort werden Kinder, die eine Büttenrede halten möchten, professionell gefördert und unterrichtet. "Hier sind die Eltern aber nicht dazu bereit, für so etwas Geld zu investieren", sagt Monika Ferfers.

FOTO: Raupold Isabella

Auch Horst Beines hat das Problem erkannt. "Vielleicht tun wir auf diesem Gebiet zu wenig. Das müssen wir noch einmal sondieren", sagt er. Doch zu wenige Kinder, die Reden halten, sind nicht das einzige Problem. "Jugend in die Bütt" soll eigentlich der Vorstellnachmittag für Kinder sein, um für sich werben und Auftritte für die Session zu bekommen. "In den letzten Jahren kamen nur die Gesellschaften, deren Kinder bei uns auftreten. Um Kinder anderer Gesellschaften zu buchen, kam niemand", erzählt Monika Ferfers. Sie wirft den Gesellschaften vor, sich zu wenig für die Jugendarbeit der anderen zu interessieren. "Eine Veranstaltung abzusagen, ist nie eine schöne Sache. Aber bei den jungen Leuten ist es natürlich besonders schmerzlich", sagt Horst Beines.

Ein Vorstellnachmittag, bei dem nur getanzt wird, mache auch deshalb keinen Sinn, weil der MKV in Kooperation mit der Volksbank jede Session den Mariechenabend veranstaltet. Ohne Rede oder Gesang würde "Jugend in die Bütt" zu einem zweiten Mariechenabend verkommen. Der soll indes wie geplant stattfinden. Das Programm steht bereits seit Januar fest. "Wir werden in den nächsten Wochen alle Gesellschaften, die auftreten wollen, um Bestätigung bitten", sagt Ferfers.

Quelle: RP
 
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