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Mönchengladbach
Abiturientin gewinnt Geschichtswettbewerb

Mönchengladbach: Abiturientin gewinnt Geschichtswettbewerb
Die 19-jährige Janka Drenghahn zeigt stolz ihre Arbeit über die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche. Sie gewann damit den Landespreis. FOTO: Rietdorf
Mönchengladbach. Sie steckte im Prüfungsstress und lieferte auch noch eine 50-seitige Arbeit für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ab: Die 19-jährige Janka Drenghahn untersuchte die Rolle von Frauen in der katholischen Kirche. Von Angela Rietdorf

Viele machen das nicht: in der heißen Phase des Abiturs noch mal eben an einem Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teilnehmen und dann gleich eine fünfzigseitige Arbeit abliefern. Janka Drenghahn schon. Noch mehr: "Ich würde es wieder tun", sagt die 19-jährige Abiturientin vom Stiftisch-Humanistischen Gymnasium. "Es hat richtig Spaß gemacht." Sie hat sich in ihrer Arbeit mit der Rolle der Frauen in der katholischen Kirche beschäftigt, hat eine kreative Verbindung zu den starken Frauengestalten der französischen Künstlerin Nicci de Saint Phalle geschaffen und stellt mit Blick auf die aktuelle Situation der Frauen in der Kirche fest: "Es ist noch viel Luft nach oben."

Der Anstoß zur Teilnahme am Wettbewerb kam von ihrer Geschichtslehrerin Claudia Busenius-Pongs. "Schüler unserer Schule nehmen seit zehn Jahren am Geschichtswettbewerb teil", erklärt die Pädagogin. Das sei eine gute Chance, sich einerseits mit Themen auseinanderzusetzen, zu denen die Schüler einen persönlichen Bezug haben und andererseits wissenschaftliches Arbeiten zu erproben, sagt sie.

Thematisch dreht sich der diesjährige Wettbewerb des Bundespräsidenten um Gott und die Welt - "Religion macht Geschichte" lautet die Aufgabenstellung. "Als ich von dem Thema hörte, kam mir gleich die Idee, mich mit den Frauen in der katholischen Kirche zu beschäftigen", erklärt Janka, die selbst in ihrer Gemeinde aktiv ist.

Einen feministischen Ansatz weist sie zwar von sich, sagt aber: "Ich möchte den Frauen eine Stimme geben." Sie hat sich mit Jahren des Wandels auseinandergesetzt - mit der Zeit zwischen 1960 und 1980. Auffällig ist, dass es dazu nicht allzu viel Material gibt. Also hat die 19-jährige recherchiert: im Diözesanarchiv genauso wie in der Stadtbibliothek oder im Internet. Vor allem aber hat sie Interviews geführt. "Ich habe Priester kennengelernt, Vorträge gehört und mit vielen ehrenamtlich engagierten Frauen gesprochen", erzählt sie.

Deutlich wird in ihrer Arbeit: Es gab einen Umbruch. Er lässt sich beispielsweise an den sogenannten Mütterschulen festmachen, die spätestens in der 1980er Jahren zu Familienbildungsstätten wurden. Nicht nur dem Namen nach, sondern auch inhaltlich. "In den Mütterschulen drehte sich tatsächlich alles um die drei Ks: Kinder, Kirche und Küche", sagt Janka. In den Familienbildungsstätten zeigt sich ein geändertes Rollenverständnis: Es wird von einer gleichberechtigten Partnerschaft ausgegangen. "Der Wandel ist da", stellt Janka fest. "Er steckt aber fest."

Viele ihrer Gesprächspartnerinnen hätten das Gefühl, dass die Frauenfrage für die Kirche heute zweitrangig sei. "Die Frauen sind im Ehrenamt erwünscht, es fehlt aber an Würdigung", erklärt die Abiturientin. "Nicht durch die Gemeinden, aber durch die Institution Kirche." Dabei engagieren sich Frauen heute anteilsmäßig stärker als jemals zuvor in der katholischen Kirche. Von diesen Ergebnissen aus hat Janka einen Bogen zur Kunst geschlagen und die Nanas der französischen Künstlerin Nicci de Saint Phalle in den Blick genommen. "Sie stehen für Weiblichkeit und Stärke", sagt Janka. So seien auch die Frauen in der Kirche Nanas, Säulen der Gemeinde. "Auch Maria war eine Nana", betont die 19-Jährige.

Rund 5000 Beiträge wurden in diesem Jahr beim präsidialen Geschichtswettbewerb eingereicht, 250 davon als Landessieger ausgewählt. Janka Drenghahns Beitrag gehört dazu. Ihr großer Tag ist am 3. Juli: Dann wird die Abiturientin im Haus der Geschichte in Bonn für ihre Arbeit geehrt.

Quelle: RP
 
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