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Mönchengladbach
Adenauers Enkel aus Mönchengladbach

Mönchengladbach: Adenauers Enkel aus Mönchengladbach
Max Reiners in seinem Unternehmen. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Max Reiners führt mit Rhenus Lub ein global erfolgreiches Familienunternehmen. Er hat aber auch einen berühmten Großvater: Seine Mutter war die älteste Tochter des ersten deutschen Bundeskanzlers. Von Denisa Richters

Manchmal erleichtert es das Leben nicht, wenn es einen Prominenten in der Familie gibt. Man muss es schon mögen, sich in den Strahlen des Stars zu sonnen. Oder man geht vor allem seinen eigenen Weg. Max Reiners hat sich für Letzteres entschieden. Das ging auch leicht, weil er nicht den Namen seines berühmten Großvaters trägt: Konrad Adenauer, erster Bundeskanzler der jungen Bundesrepublik, Mitgestalter des Grundgesetzes, auf dem Weltparkett ebenso zu Hause wie im geliebten Garten in Rhöndorf.

"Das ist doch keine Leistung, dass ich sein Enkel bin", sagt Reiners und lächelt tiefgründig. Seine Leistung ist auf dem Gelände im Südwesten von Rheindahlen zu sehen: Rhenus Lub heißt das Unternehmen, das Schmierstoffe, Öle und Fette produziert. Das klingt banal, betrifft aber sämtliche Branchen. Automobilhersteller, Bergbau, Chemie, Flugzeugbau, Futtermittelindustrie, Medizintechnik, Opel, Rolls Royce, Thyssen und Airbus gehören zu seinen Kunden. Wo ist Rhenus überall drin? "Fragen Sie lieber, wo es nicht drin ist", sagt Reiners und gibt gleich die Antwort: "In Zähnen."

Es ist einer der globalen Player aus Mönchengladbach. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1882 und zum Gründer Wilhelm Schlafhorst zurück. 1911 hat es Wilhelm Reiners, der andere Großvater übernommen. Anfang der 1940er folgt sein Sohn, Walter Reiners, an die Spitze. Dessen Sohn Max übernimmt 1989 komplett das Ruder. Er hat daraus einen international aufgestellten Konzern gemacht, der inzwischen in nahezu allen europäischen Ländern, aber auch in Fernost vertreten ist. Sein erster Arbeitstag als Rhenus-Geschäftsführer ist der 1. Oktober, 39 Tage später fällt in Berlin die Mauer.

Ein unglaubliches Ereignis. Aber eines, an das Konrad Adenauer immer geglaubt hatte - und das sich am 23. Mai 1949 in der Präambel zum Grundgesetz widerspiegelte: "Das gesamte deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden." Die Passage ist in der Sonderausgabe mit Artikeln und Titelseiten über Adenauer zu finden, die die Rheinische Post anlässlich des 50. Todestags Konrad Adenauers herausgegeben hat (Bezug siehe Info-Kasten).

Reiners blättert darin, lächelt, schüttelt immer wieder den Kopf. Jubelnde Massen, Staatsbesuche, Wiederwahl, der Kanzler privat - im Urlaub, im Garten, ganz nah. "Diese Begeisterung für neue Politiker, da sind wir heute distanzierter", sagt Reiners. Und die Spitzen-Politiker stehen unter besonderem Schutz. Kaum vorstellbar, wie frei sich damals der Regierungschef bewegen, präsentieren und auch zurückziehen konnte. "Wir standen nie unter Polizeischutz, er ist auch nie in einem gepanzerten Wagen gefahren", erinnert sich sein Enkel. Auf den Zeitungsseiten ist das Privathaus zu sehen, auch die Teestunde in der Villa La Collina am Comer See oder Adenauer beim Boccia-Spielen. "Meine Eltern hatten eine Boccia-Bahn im Garten", sagt Reiners. Heute steht sein Haus in dem Garten. Und während Regierungschefs heute ständig stand-by sein müssen, war Adenauer der Sonntag heilig: "Mein Großvater ging in die Messe, nach dem Essen hielt er seinen Mittagsschlaf, danach Kaffeetrinken mit einer seiner drei Töchter." Reiners' Mutter Ria war die erste Tochter des ersten deutschen Bundeskanzlers, sie reiste mit ihm auch nach Frankreich, Staatschefs und Prominente gingen im Hause Adenauer ein und aus. "Für uns war das ganz normal", sagt Max Reiners.

Er war 14, als Adenauer starb. In Köln verfolgten Massen den Trauerzug über den Rhein. Die Enkel waren "an vorderster Front" dabei - und staunten doch, wie viele Staats- und Regierungschefs zur Trauerfeier gekommen waren. Und anschließend das Begräbnis auf dem stillen Waldriedhof in Rhöndorf. Welch ein Kontrast! "Es beschreibt aber gut, diese große weite Welt, die mein Großvater kennengelernt und mitgestaltet hat, und auf der anderen Seite die Ruhe in der Familie." Seinen Garten hat Adenauer geliebt.

Gesehen hat Reiners den großen Mann der CDU "nur an seinem Geburtstag, zu Weihnachten und im Sommer zum Kirschen essen". Dem berühmten Großvater ständig auf dem Schoß zu sitzen "war nicht meine Sache". Seine prägendste Erinnerung: Als Anfang der 1960er Jahre der Bankier Robert Pferdmenges starb, kam Duzfreund Adenauer "aus den Ferien zu seiner Beerdigung". Auf dem Weg zurück zum Flughafen durfte Enkel Max im offenen Polizeiporsche mitfahren. Unvergesslich für das Kind. Reiners ist CDU-Mitglied, aber in die Politik zu gehen, kam für den 64-Jährigen nie in Frage. "Mir ist wichtiger, vor Ort etwas zu bewegen." Etwa im Initiativkreis, zu dem sich Unternehmer zusammengeschlossen haben, um den Standort nach vorne zu bringen. Doch ob dort oder in seinem eigenen Betrieb - eines hat Reiners doch vom berühmten Großvater Adenauer übernommen, nämlich das Grundprinzip des Rheinischen Kapitalismus: "Wenn es einem gut geht, soll es allen gut gehen. Wenn es nicht läuft, müssen alle ran."

Quelle: RP
 
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