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Mönchengladbach
Ärztesprecher kritisiert Anspruchsdenken

Mönchengladbach. Mehr als die Hälfte aller Patienten, die außerhalb der Praxissprechzeiten die Notaufnahmen der Krankenhäuser aufsuchen, sind keine echten Notfälle. Davon ist jedenfalls die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein überzeugt. Von Dirk Richerdt

Der niedergelassene Gastroenterologe Dr. Arno Theilmeier spricht für die Kreisstelle Mönchengladbach der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, wenn er sagt: "In dieser Stadt werden die Ambulanzen der Krankenhäuser immer stärker in Anspruch genommen von Patienten, die meinen, ein Notfall zu sein, die aber ohne weiteres auf Behandlung warten könnten, bis die Arztpraxen wieder öffnen." Für Fälle, bei denen eine fiebrige Erkrankung, Leibschmerzen oder eine kleine Schnittverletzung Menschen veranlassen, direkt ins Krankenhaus zu fahren, hat Theilmeier einen hilfreichen Tipp: "Für diese Patienten haben wir den Ärztlichen Notdienst breit aufgestellt, den die Praxen abdecken, aufgeteilt auf Allgemeinmediziner, Augenärzte, Chirurgen, HNO-Fachärzte und Kinderärzte." Und dann gibt es mit der Notdienstpraxis am Bethesda-Krankenhaus in Stadtmitte eine Anlaufstelle für alle, die sich am Wochenende oder nachts wegen einer akuten Erkrankung helfen lassen wollen.

"Wir stellen aber fest, dass zum Beispiel die Patienten aus Rheydt nicht bereit sind, nach Gladbach zu fahren, sondern lieber das Elisabeth-Krankenhaus ansteuern, um hier die Ambulanz in Anspruch zu nehmen", weiß Horst Imdahl, Geschäftsführer der Städtischen Kliniken. Solch massenweise fehlgeleitetes Verhalten führe naturgemäß dazu, dass Patienten in der Notaufnahme oft erheblich länger warten müssen, bis ihnen geholfen wird, als manchem zumutbar erscheint. "Das ertragen nicht alle in Geduld und das schafft Verdruss - auch für Ärzte, Assistenten und Pflegekräfte", ergänzt Theilmeier. Er betont, die Wartezeit in der von der KV Nordrhein betriebenen Notdienstpraxis an der Ludwig-Weber-Straße sei weitaus kürzer als in den Klinik-Ambulanzen. So suchten 2014 nur 2500 Patienten die Notaufnahme am Bethesda auf, aber gleichzeitig zählte das Maria-Hilf-Krankenhaus 11.107 Akutpatienten, und ins Krankenhaus Neuwerk fuhren 12.316 Menschen bei vermutetem Notfall. Die allermeisten Patienten in diesem Bereich allerdings verzeichnet das "Eli". Hier fanden sich 23.351 Patienten in der Notaufnahme ein.

"Das ist für uns eine immer größere Herausforderung", erklärt Horst Imdahl. "Wir müssen jeden Patienten sehen, eingehend untersuchen, und erst danach können wir feststellen, ob wirklich ein Notfall vorliegt." Dass manche Patienten danach wieder nach Hause geschickt werden müssen, verstehe natürlich nicht jeder. Theilmeier hält die von der KV ermittelte Quote von rund 33 Prozent der Einwohner Mönchengladbachs, die 2014 Notfallbehandlung forderten, für "völlig überzogen". Mehr als 50 Prozent seien keine Notfälle. Er warnt, dass in Bälde das Netz von Arztpraxen sehr löchrig sein werde. Dann müsse "das ganze System auf den Prüfstand". Noch sei die medizinische Versorgung hoch qualifiziert.

Quelle: RP
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