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Mönchengladbach
Afrika durch die Brille für sich entdeckt

Mönchengladbach: Afrika durch die Brille für sich entdeckt
Die Kinder aus Kamerun flochten Natascha Happerschoß Zöpfe ins Haar. FOTO: Happerschoß
Mönchengladbach. Die 28-jährige Mönchengladbacher Augenoptiker-Meisterin Natascha Happerschoß hat ihren Jahresurlaub füreinen Einsatz mit der Augenhilfe Afrika geopfert. Auf eigene Kosten hat sie notleidenden Kamerunern geholfen. Von Gundhild Tillmanns

Schon als Kind war Natascha Happerschoß schwer kurzsichtig. Als sie mit neun Jahren ihre erste Brille bekam, ging für sie die Welt auf: "Ich sah auf einmal deutlich, Kontraste, Farben", erinnert sie sich. Nun mit 28 Jahren hat die Optikermeisterin ihren Jahresurlaub bei Heinrichs in Mönchengladbach genommen, um auf eigene Kosten nach Kamerun zu reisen und notleidenden Menschen ebenso die Welt des Sehens zu eröffnen.

Angeregt durch ihren früheren Chef Max Heinrichs hatte sich die junge Frau spontan entschlossen, an mehreren Operationskampagnen der Augenhilfe Afrika teilzunehmen und sich mit ihren Fachkenntnissen dort einzubringen. Sie war die einzige Weiße im Team von Dr. Raoul Cheuteu, auf dessen Initiative die Augenhilfe Afrika aus bruderschaftlichem Engagement in Korschenbroich entstanden ist. "Die Kinder haben meine Haut angefasst und mir in meine glatten Haare Zöpfen geflochten", freute sich Natascha Happerschoß über den freundlichen Umgang.

Während Dr. Cheuteu und sein Kollege Dr. Gilles Kagmeni die am Grauen Star Erblindeten notbedürftigen Menschen operierten, für die die Augenhilfe Afrika bekanntlich die Spenden sammelt, hatte auch die 28-jährige Mönchengladbacherin fast rund um die Uhr zu tun: "Wir haben sogar abends noch mit der Taschenlampe die Augen untersucht", berichtet sie. Denn Strom und fließendes Wasser gibt es in den ländlichen Gebieten Kameruns nur selten.

So unterentwickelt wie die Infrastruktur ist auch das Gesundheitswesen: Nur wer genügend Geld bezahlen kann, wird auch medizinisch versorgt. Das gilt für Operationen, aber auch für Brillen, Medikamente, für alles.

Kein Wunder, dass 600 Menschen alleine in Dschang herbei strömten, dem Geburtsort von Cheuteu. Radio- und Fernsehbeiträge zur besten Sendezeit und auf den populärsten Kanälen hatten nicht nur die Ärzte angekündigt, sondern auch die junge Deutsche. "Ich bin mit meinem Englisch gut klargekommen", berichtet sie über ihre ersten Medienerfahrungen überhaupt und dann noch in Afrika.

Bei einer Augenoperation durfte die 28-Jährige zuschauen - auch ein Debüt für sie: "Einer Frau musste das Auge herausgeschält werden. Da musste ich schon zwischendurch mal raus, um Luft zu schnappen. Aber ich habe durchgehalten", berichtet sie. "Und nicht nur bei dieser Frau kam die Hilfe in letzter Minute, eigentlich kamen alle schon fast zu spät." Eine Tatsache, die Dr. Cheuteu und sein Team bei allen Kampagnen erleben: Denn Augenärzte und fachlich gut ausgebildete Optiker sind in Kamerun Mangel-ware. Und wenn es sie in ausreichendem Maße gäbe, könnte ein großer Teil der Bevölkerung sie nicht bezahlen.

Deshalb hat sich die deutsche Optikermeisterin auch intensiv um die Weiterbildung des Optikernachwuchses in Kamerun gekümmert. Sozusagen unter Schirmherrschaft des dortigen Gesundheitsministers hat Happerschoß in der Hauptstadt Yaoundé 20 angehende Optiker in deren Fachschule unterrichtet: "Sie waren sehr motiviert", sagt sie. Mitgebracht hatte sie einen von der Augenhilfe Afrika finanzierten Schleifstein für Brillengläser, der jetzt dauerhaft in Kamerun bei den Kampagnen und in Cheuteus Filialklinik im Süden des Landes zum Einsatz kommt. "In Deutschland wird nur noch bei einem Automaten auf den Knopf gedrückt. Ich bin froh, dass ich die Arbeit mit dem Schleifstein in meiner Ausbildung noch gelernt habe und jetzt in Afrika weitergeben konnte", sagt Natascha Happerschoß und beteuert: "Ich würde noch einmal nach Afrika gehen und helfen, am liebsten aber noch intensiver und für längere Zeit an einem Ort."

Informationen Augenhilfe Afrika Kontakt-Tel. 0171 415 66 38, www.augenhilfe-afrika.de, Spenden an IBAN: DE52 3055 0000 0093 4481 32, BIC: WELA DE DN (Sparkasse Neuss)

Quelle: RP
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