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Mönchengladbach
Ahnungsvolle Träume am Abteiberg

Mönchengladbach. In die zweite Runde geht ab 23. Juni das Außenprojekt "Ein ahnungsloser Traum vom Park". Das Museum Abteiberg und der Düsseldorfer Kurator Markus Ambach lenken mit Objekten das Augenmerk auf die Parklandschaft am Abteiberg. Von Dirk Richerdt

Im Zuge der machtvollen Umgestaltung der City durch den Essener Projektentwickler mfi nutzt das Team des von Hans Hollein entworfenen Kunstmuseum auf dem Abteiberg die Gunst der Stunde. Museumsdirektorin Susanne Titz kam vor gut einem Jahr auf die Idee, die vorhandenen, topografisch miteinander verbundenen Grünflächen zwischen Geropark, Museumsgarten und Berggarten als wieder neu zu entdeckende "Spielfläche" von Stadtentwicklung in den Brennpunkt zu rücken. Davon waren Vertreter der Stadt ebenso begeistert wie Arcaden-Entwickler mfi, die Stadtsparkasse und etliche Unternehmen in der Stadt. Sie wollen helfen, das in Zeiten entleerter Kassen tollkühn anmutende Vorhaben umzusetzen: die Grünflächen am Museum, Münster, Haus Erholung, an Musik- und Volkshochschule als zusammengehörige Naturraum-Einheit bewusst zu machen. Das geschieht durch künstlerisch-poetisch motivierte Eingriffe in die urbane Naturlandschaft, die Bürger einlädt, sich das Gebiet einmal genauer beobachtend zu erschließen. Dabei sollen die Kunstwerke gleichsam als Wegweiser oder Merksteine dienen, die den Blick auf neue Zusammenhänge lenken. Susanne Titz versicherte sich der Unterstützung durch die Hans-Fries-Stiftung, die Kunststiftung NRW und weitere Förderer. Und holte den renommierten Düsseldorfer Künstler und Kurator Markus Ambach ins Boot, der sich unter anderem mit der vielbeachteten, preisgekrönten Aktion "B1 / A 40 – Die Schönheit der großen Straße" im Sommer 2010 einen Namen gemacht hat.

Ambach kreierte den etwas schrägen Namen "Ein ahnungsloser Traum vom Park" für das große Outdoor-Projekt, dessen erste Phase im Sommer 2012 anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Museums Abteiberg lief. Phase I erhob den Abteiberg sozusagen zur Bühne; tatsächlich schuf der Künstler Christian Odzuck eine Freilichtbühne am Talrand des Skulpturenparks, wo öffentliche Popkonzerte und Podiumsgespräche stattfanden. "Der Skulpturengarten ist für das Projekt so etwas wie der Nukleus", erläutert Susanne Titz. Von diesem Kern aus soll der "Traum", natürlich nicht ganz ahnungslos, vonstattengehen, über die vorhandenen, künftig neu markierten Grünflächen den Zusammenhang mit der neu entstehenden City und dem Einkaufszentrum Mönchengladbach-Arcaden herzustellen. "Bisher zeigen sich die Parks als fragmentierte Flächen", sagt Ambach. Das soll sich gründlich ändern.

Am 23. Juni, das ist der Jahrestag der Eröffnung des Museums 1982, soll der Startschuss fallen für die Phase II des Park-Traums im Park-Raum. Dann wird sich das Gelände, speziell auch der Hans-Jonas-Park, in neuer Anmutung zeigen. Derzeit beginnen die Vorarbeiten zum Bau des Fragments eines Schwimmbassins von Christian Odzuck, das in einem vertieften Karrée exakt an der Stelle entstehen wird, wo vor mehr als 30 Jahren schon einmal ein Landschaftsarchitekt ein Bassin mit Brunnen vorgesehen hatte. Diese wurde nie realisiert. "Einmal in der Woche wird dort in diesem Sommer Wasser aus einer Fontäne das gekachelte Objekt besprühen", verspricht Susanne Titz.

Ganz in der Nähe, auf dem nur von Ortskundigen benutzten Verbindungs-Hohlweg zwischen Spatzen- und Fliescherberg, will Alex Morrison versuchen, diesen Weg mit romantisch bunten Glaslampen "zu bezaubern" (Titz). "Traumstraße" nennt der Künstler sein Projekt. Zur Stepgesstraße hin wird Andreas Siekmann, der zuletzt im Museum Abteiberg die Ausstellung zur Geschichte der Treuhand gestaltet hatte, einen neuen Sockel für die Bronzeskulptur Hans Jonas des Bildhauers Hans Karl Burgeff errichten. "Dabei wird der Mönchengladbacher Philosoph temporär einen verlängerten Mantel erhalten", verrät Titz.

Insgesamt 14 Künstlerinnen und Künstler sind mit temporären Projekten in den Parks rund um den Abteiberg beschäftigt. Ziemlich weit gediehen sind die Arbeiten nahe der Pergola zwischen Haus Erholung und dem alten Haus Zoar, wo Ulrike Möschel eine "Versunkene Wippe" installiert. Mitarbeiter der Mönchengladbacher Bauunternehmung Ernst Kreuder haben soeben das Fundament dafür gegossen. "Diese Arbeiten spendet die Firma für das Projekt", hebt Susanne Titz dankbar hervor.

Im nächsten Jahr soll dann Phase III des Großprojekts anlaufen: Dann wird der "ahnungslose Traum" zum "konkreten Traum", deutet Markus Ambach an.

Quelle: RP
 
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