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Serie Was Macht Eigentlich?
Akis Tanz mit Borussias Pokalsiegern

Serie Was Macht Eigentlich?: Akis Tanz mit Borussias Pokalsiegern
Der Chef im Hintergrund, der Assistent ganz vorne: Düsseldorfs Trainer Aleksandar Ristic und Axel Malchow. FOTO: MS
Mönchengladbach. Axel Malchow ist als Versicherungskaufmann immer noch aktiv. Bekannt am Niederrhein wurde "Aki" vor allem als Fußballer: 54 Jahre Torhüter und Trainer, von Borussias Jugend bis in die Zweite Bundesliga. So nebenbei war er noch Discjockey und Inhaber einer Musikkneipe. Von O. E. Schütz

Berti Vogts, Klaus Sieloff, Jupp Heynckes im falschen - nämlich Kölner - Trikot, aber mit dem berühmten "Pott" in der Hand, daneben Günter Netzer, Schütze des 2:1-Siegtores, im Borussen-Dress: Das veilhundertfach veröffentliche Foto vom Ende des legendären DFB-Pokal-Finales am 23. Juni 1973 zwischen Mönchengladbach und dem 1. FC Köln im Düsseldorfer Rheinstadion ist ein Stückchen Borussia-Historie.

Nicht nur ausgewiesene Fans kennen noch heute die vier Hauptdarsteller auf dem Foto. Darauf ist aber auch, ein Schritt hinter Heynckes und Netzer, ein junger Mann, der später zu einer durchaus bekannten Größe im hiesigen Amateurfußball werden sollte: Axel Malchow. Nur ein paar Dutzend Schritte vom Bökelberg entfernt aufgewachsen und acht Jahre Torwart in Borussias Jugendmannschaften.

Der Jubellauf Borussias mit dem Pokal und in den falschen, nämlich Kölner Trikots. Nur Günter Netzer hatte nicht getauscht. Und Axel Malchow (Zweiter von rechts) war als "Ordner" dabei. FOTO: Schirner

1973 spielte er während des Dienstes bei der Bundeswehr bei den Sportfreunden Neuwerk - und hatte sich für das Pokalfinale etwas "ganz Cleveres" ausgedacht: das Spiel seiner "Fohlen"´sehen, aber statt Eintritt zu zahlen, 30 Mark kassieren - als Ordner. Doch nach dem Abpfiff vergaß der gerade 20-Jährige in überschäumender Freude alle Pflichten. Eigentlich sollte er helfen, einen "Platzsturm" zu verhindern. Stattdessen war er in erster Reihe dabei. "Ich stand während des Spiels hinter Borussias Bank. Doch als abgepfiffen wurde, gab es auch für mich kein Halten mehr. Ich lief auf den Platz und drehte mit der Mannschaft die Ehrenrunde" erzählt der heute 64-Jährige, immer noch mit einem Leuchten in den Augen. Sein Foto mit Vogts, Sieloff, Heynckes, Netzer und dem DFB-Pokal hält er natürlich in Ehren.

26 Jahre später hat "Aki" Malchow selbst ein kleines Stück DFB-Pokalgeschichte mitgeschrieben. Er war Co-Trainer des Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen, der in der Saison 1998/99 die Erstligisten schockte: 4:3-Sieg nach Elfmeterschießen gegen den Hamburger SV, dann ein 2:0 gegen "seine" Gladbacher Borussen, und RWO stand im Halbfinale. Dort erst war Endstation - gegen den FC Bayern München mit 1:3.

Torhüter Malchows Aufstieg mit dem 1. FC Viersen 1975 in die Oberliga mit Trainer Rudi Pöggeler (links) und Vereinschef Fritz Meies (rechts). FOTO: Herbert Berger

Malchows Chef bei Oberhausen war Aleksandar Ristic, und nicht nur dort. "König Alex" nannten Fortuna Düsseldorfs Fans den Bosnier, der "einer der unterhaltsamsten Trainer der Bundesliga war",wie der "Stern" einmal schrieb. Neben Ristic auf der Bank saß von Ende der 1990er Jahre bis 2003 Axel Malchow: Er war bei Fortuna, Rot-Weiß Oberhausen und schließlich beim Oberligisten KFC Uerdingen Ristics Assistent. "Wir haben uns immer verstanden, waren ein Duo, das sich gut ergänzte", sagt Malchow.

Dumm war nur, dass Ristics beste Zeit schon vorbei war. Wenn der Chef entlassen wurde, bekam der Assistent ebenfalls die Papiere. Und weil Torhüter Malchow selbst Anfragen von Austria Wien oder für ein Vierteljahres-Engagement in Houston/Texas nicht ernsthaft wollte, blieb er halt im Lande - was ihn bis heute aber nicht wirklich stört: "Ich habe nichts zu bereuen."

Karrierestart mit zehn Jahren für Torhüter Axel Malchow in Borussias D-Jugend (vorne Dritter von rechts). FOTO: AM

Denn Axel Malchow liebt seine Heimatstadt Mönchengladbach und ihre Umgebung. Hier hat er im Fußball in 54 Jahren eine "Karriere" gemacht. mit der er zufrieden und die von einer im heutigen Fußball nicht so alltäglichen Vereinstreue geprägt ist: Als Torhüter hatte er neben des kurzen Auftakts während des Wehrdienstes bei den Sportfreunden Neuwerk in 23 Jahren nur drei Vereine: acht Jahre in Borussias Jugend, zehn beim 1. FC Viersen und zehn Jahre beim Rheydter Spielverein. Auch als Übungsleiter hielten sich seine Vereinswechsel in Grenzen: Elf Vereine hatte er in 31 Jahren als Trainer oder Co-Trainer mit A- und B-Lizenz des DFB. "Nur einmal wurde ich entlassen: hier in Gladbach beim 1. FC. Ich passte nicht zum Verein, und der Verein passte nicht zu mir", sagt der 64-Jährige ohne Groll.

"Gepasst" aber hat es ab 1982 beim Rheydter Spielverein: als Torhüter und ab 1986 in Personalunion als Co-Trainer und zweiter Torhüter unter Peter Schleuter. 1992 wurde Mlchow mit dem "Spö" sogar Deutscher Vizemeister der Amateure. Geklappt hat es auch, siehe oben, mit Aleksandar Ristic in Oberhausen, Düsseldorf und Uerdingen sowie schon 1986 in einer viermonatigen Rolle neben dem Job bei Ristic als "Feuerwehrmann und Retter" des Kreisligisten Rheydt 08. Oder als Assistent Jörg Jungs beim Oberligisten SV Straelen. Und dann als Cheftrainer in der Landesliga beim SC Kapellen, beim Oberligisten 1. FC Viersen, beim Rheydter Spielverein, wo er zweimal von sich aus ging und zweimal zurückgeholt wurde.

Beim ASV Süchteln blieb Malchows Mannschaft in der Bezirksligasaison 2010/2011 ungeschlagen, verpasste aber wegen der Tordifferenz den Aufstieg - und der Trainer musste gehen. "Der Fußball ist faszinierend und nicht ausrechenbar. Es gibt immer wieder Überraschungen, damit bleibt es spannend", sagte "Aki" Malchow damals gelassen und verkündete: "Jetzt muss Schluss sein. Nach 25 Jahren als Trainer und 40 Jahren insgesamt im Fußballgeschäft ist irgendwann die Luft raus. Dann muss mal Feierabend sein. Ich war in fast allen Ligen aktiv, nur in der Ersten Bundesliga nicht und nicht in der Kreisliga B." Er schob aber doch hinterher: "Ich werde niemals nie sagen!" Und sagte "ja", als 2014 der Heinsberger Kreisligist SV Niersquelle Kuckum kam. Drei Jahre, bis zum Sommer 2017, blieb er dort. Dann machte er Schluss, "diesmal wirklich", sagt er.

Nun widmet er sein berufliches Engagement voll und ganz dem, was er vor einem halben Jahrhundert gelernt hat: als selbstständiger Versicherungskaufmann: Am 1. August feiert er sein 50-jähriges Dienstjubiläum in der Branche.

Quelle: RP
 
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