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Mönchengladbach
Aktion "Schauzeit" macht den Rheydtern richtig viel Spaß

Mönchengladbach. Nur noch sechs Tage bis zum 26. September läuft das Projekt: Dabei werden Leerstände in Geschäfte und Galerien verwandelt. Von Marion Lisken-Pruss

"Reinkommen, gucken, kaufen" gibt Quartiersmanager Markus Offermann als Motto für die letzten Tage der "Schauzeit" aus. "Wer die temporären Läden und Galerien nicht aufsucht, verpasst etwas", sagt er. "Noch sechs Tage" steht mit weißer Kreide auf den Stufen zum Ladenlokal an der Harmoniestraße 20 geschrieben. Bis zum 26. September läuft das Projekt "Schauzeit" noch, bei dem Designer, Künstler und Start-Ups 15 leerstehende Ladenlokale in der Rheydter Innenstadt in temporäre Läden und Galerien verwandeln.

An der Harmoniestraße verkauft Julia Weckauf Schmuck und selbst entworfene Stempel. Tätowierte Muskelmänner hält sie als Motive ebenso vor wie Eulen oder Füchse. Das Projekt "Schauzeit" hat sie begeistert: Die Organisation sei ausgezeichnet. Mit ihrem Verkaufserfolg zeigt sie sich ebenfalls zufrieden. Alla Marcova und Jana Plotkina, die ihr Modelabel Junk & Jerks in der Hauptpassage Mühlenstraße 56 präsentieren, hätten sich hingegen mehr Kunden gewünscht. Trotzdem gewinnen sie dem Projekt nur positive Seiten ab. "Wir haben für unser Geschäftsmodell viele neue Erkenntnisse gewonnen", sagt Alla Marcova. Zum Beispiel, dass ihre Haremshosen einen größeren Kundenkreis ansprechen als gedacht, und auch Frauen über 40 sie noch tragen. Und dass in einem Geschäft andere Artikel nachgefragt werden als online.

Die Erfahrung, dass ein eigener Laden anders zu führen ist als ein online-Handel, hat auch Innenarchitektin Verena Rees gemacht. In ihrem Concept-Store "Engel & Helden" in der Hauptstraße 20 bietet sie Hosen und Pullover für Kinder sowie Accessoires und Schmuck aus Kopenhagen oder Barcelona an. Sie erwägt, sich mit einem eigenen Laden selbständig zu machen. "Meine Rheydter Kunden haben mich immer wieder dazu ermutigt", sagt sie. Dazu zählt auch Heike Weitz, die das individuelle und vielfältige Angebot schätzt und schon erste Weihnachtsgeschenke erstanden hat.

Gegenüber an der Hauptstraße 35 macht sich hingegen Ernüchterung breit. Für die "Galerie Temporaire", zu der sich zehn Künstler zusammengeschlossen haben, hatte Herma Blindert auf mehr Kunden gehofft. Mit dem Projekt "Schauzeit" aber ist sie zufrieden: "Das ist eine gute Idee." Bei den Rheydtern stößt es auf breite Zustimmung, dass die Leerstände vorübergehend wieder belegt sind. "Es ist bedrückend, dass so viele Geschäfte schließen", sagt Renate Mitschkowski-Weiss, die seit 25 Jahren in Rheydt lebt. Ruth Ciré sucht gezielt die Schauzeit-Läden auf: "Die Aktion ist ein Imagegewinn für die Innenstadt", betont sie.

Quartiersmanager Markus Offermann hat zusammen mit Barbara Schwinges die "Schauzeit" auf die Beine gestellt. Auch sie konnten aus dem Projekt Schlüsse ziehen: Die "Schauzeit" habe ihm die unterschiedliche Funktion der innerstädtischen Straßen aufgezeigt, sagte Markus Offermann. "Manche Straßen werden nur passiert, um von A nach B zu gelangen. Die Kunden kommen nicht auf die Idee, hier zu flanieren." Dazu gehört die Friedrich-Ebert-Straße. Deshalb sieht er für diese Durchgangsstraßen eine andere Nutzung als durch den Handel. "Hier könnten sich Kulturvereine niederlassen", schlägt er vor.

"Rheydt ist im Wandel und auf einem guten Weg", resümiert Barbara Schwinges. "Dass wir 60 Bewerber für die "Schauzeit" hatten, zeigt, dass Rheydt interessant ist." Inwieweit sich die Hoffnungen der Initiatoren und Immobilien-Eigentümer erfüllen, dass sich Teilnehmer der "Schauzeit" für ein Ladenlokal interessieren, wird die Zukunft zeigen. "Zwei Teilnehmer erwägen ernsthaft, sich niederzulassen", sagt Barbara Schwinges. Immobilien-Eigentümer konnten Kontakte knüpfen und die Designer und Start-Ups den Schritt in die Selbständigkeit kostenfrei ausprobieren. Schwinges: "Jetzt ist Eigeninitiative gefragt." www.schauzeit-rheydt.de

Quelle: RP
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