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Redaktionsgespräch Marie-Luise Steves-Rombey Und Bernd Gothe
Aktiv für MG will Jugend für Politik begeistern

Redaktionsgespräch Marie-Luise Steves-Rombey Und Bernd Gothe: Aktiv für MG will Jugend für Politik begeistern
Marie-Luise Steves-Rombey übernimmt den Vorsitz des Vereins "Aktiv für MG" von Bernd Gothe. Die ehemalige Schulleiterin will vor allem junge Menschen dafür begeistern, sich für die Demokratie stark zu machen. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Der Verein "Aktiv für MG" orientiert sich neu - nicht nur im Vorstand. Er plant zusätzliche Projekte, die demokratische Prozesse fördern.

Wie ist der Verein Aktiv für MG entstanden?

Gothe In der Gründungsphase des Vereins Aktiv für MG lag seine Bedeutung in der Verbesserung der Wahlbeteiligung der Mönchengladbacher bei den Kommunal-, Landtags- und Europawahlen. Wir lagen bei der Wahlbeteiligung am Ende der Großstädte in NRW. Der damalige Oberbürgermeister drängte uns, auf die Menschen zuzugehen, den Grund ihrer Wahlmüdigkeit zu erkennen und die Situation zu verbessern. Anfangs hatten wir etwa 30 Mitglieder, die aus der Bürgerschaft der Stadt kamen, also Privatpersonen, die der Meinung waren, dass man die Lage verbessern müsste. Zu dem Verein gehörten auch Bürger, die ihre Vereine und Verbände vertraten sowie Vertreter der Parteien. Wir haben Flyer verteilt, sind auf die Straße gegangen, haben samstags auf dem Markt gestanden - alles das, was man im Wahlkampf tut. Und wir haben mit den Leuten geredet. Immer stand die Frage "Warum gehen Sie nicht zur Wahl?" im Mittelpunkt.

Was hat sich seit dieser Gründungsphase geändert?

Gothe Bei der Kommunalwahl 2014 sind wir, was die Wahlbeteiligung anbelangt, NRW-weit ins Mittelfeld gerutscht - ob wir uns das allein auf die Fahnen schreiben können, lassen wir mal dahingestellt. Wir stehen an dem Punkt, den Verein umzubauen, denn das Ziel einer höheren Wahlbeteiligung ist erreicht.

Welche neuen Ziele steckt sich der Verein für die Zukunft?

Steves-Rombey Es geht vor allem um demokratische Teilhabe und Beteiligung. Ich bin vor anderthalb Jahren als Patin des Projektes Jugendpartizipation Westend zum Verein gestoßen mit der Bitte, das Projekt zu unterstützen. Ich bin der Meinung, Jugendliche müssen erleben, dass man Demokratie aktiv mitgestalten kann. Im Zuge dieser sehr erfolgreichen Unterstützung der Initiative durch den Verein - in der Zwischenzeit gibt es den städtischen Beschluss, das Projekt Jugendpartizipation voranzutreiben - hat Aktiv für MG über eine Neu-Ausrichtung seiner Ziele nachgedacht.

Frau Steves-Rombey, wie sind Sie zu dem Projekt im Westend gekommen?

Steves-Rombey Ich nehme an einen privaten politischen Stammtisch teil, der sich alle vier Wochen trifft. In dieser Runde gelangten wir immer wieder zu dem Thema Jugendbeteiligung. Christoph Riedel und ich haben im Westend einen Runden Tisch einberufen, zu dem alle Jugendorganisationen der Stadt eingeladen waren. Daraus ist die Initiative entstanden. Wir haben Workshops mit den Jugendlichen gemacht, Reisen angeboten nach Berlin, jetzt fahren sie zum Beispiel zum Europaparlament nach Brüssel.

Wie lange arbeiten Sie mittlerweile im Westend?

Steves-Rombey Drei Jahre. Im Verein Aktiv für MG wollen wir das Projekt Jugendpartizipation weiter begleiten als Paten und darauf achten, dass es nicht wieder einschläft. Aber unsere Zielrichtung ist nicht allein auf Jugendpartizipation ausgerichtet. Wir möchten die, die bei uns organisiert sind, aber auch alle anderen Bürger, bitten, Projekte, die die demokratische Beteiligung zum Inhalt haben, an uns heranzutragen. Der Verein diskutiert dies und entscheidet, ob er das Projekt unterstützt sowie gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit vertritt. Außerdem möchten wir für die Europawahl eine Veranstaltung für Jungwähler zum Thema Europa auf die Beine stellen.

Das heißt: Der Verein stellt sich nicht komplett neu, aber breiter auf.

Steves-Rombey Genau, wir gehen weg vom direkten Wahlaufruf. Das ist weiterhin wichtig, aber es geht allgemein um demokratische Beteiligung.

Herr Gothe, Sie haben ihren Vorstandsvorsitz im Verein Aktiv für MG an Marie-Luise Steves-Rombey abgegeben. Warum?

Gothe Ich bin ja nun kein Jugendlicher mehr und habe zwar im sportlichen Bereich mit Jugendlichen gearbeitet, aber nicht so viel im politischen. Da ist es an der Zeit, sich langsam von einigen Ämtern zu trennen und sie in fähige jüngere Hände zu legen. Und das tue ich gern. Ich bleibe Mitglied und beratend tätig. Professor Hans Dieter Jakubowski bleibt Schatzmeister und die Rechtsanwältin Ulrike Wenzel-Daugsch stellvertretende Vorsitzende. Wir werden gemeinsam neue Initiativen entwickeln und den Vorstand sowie den Verein langfristig mit jüngeren Menschen auffrischen, damit die Meinungen der jungen Generation gehört werden und an die Politik weitergegeben werden können. Die Sozial- und Jugenddezernentin Dörte Schall war von Anfang an kooperativ.

Hat die Tatsache, dass Sie den Vorsitz im Verein Aktiv für MG abgeben, etwas damit zu tun, dass Sie auch im MKV aufhören?

Gothe Nein, davon habe ich nicht gesprochen. Es wird lediglich eine Umstrukturierung im MKV geben. Der MKV ist in vielen Dingen auf mich zugeschnitten, das kann ich nicht von heute auf morgen aufgeben. Ich werde zwar weniger Veranstaltungen durchführen, aber auf jeden Fall den Veilchendienstagszug organisieren und mich um alles kümmern, was mit Geld zu tun hat.

Frau Steves-Rombey, als Schulleiterin und Lehrerin haben Sie lange Jahre mit Jugendlichen gearbeitet. Was glauben Sie, was hat dazu geführt, dass die jungen Erwachsenen wahlmüde sind?

Steves-Rombey Die individuell oder in der Gruppe erlebten Ohnmachtserfahrungen im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen sind zu groß. Je mehr die Menschen spüren, dass sie in der Gesellschaft wirksam sein können, je mehr sie spüren, dass sie als Menschen mit ihren Bedürfnissen wahrgenommen werden, umso größer ist ihre Bereitschaft zur Identifikation. Sich an Wahlen zu beteiligen, ist ein wichtiger Aspekt von Wirksamkeit, aber für die jungen Erwachsenen sehr abstrakt. Sie sollten erfahren, dass es weitere Formen demokratischer Teilhabe gibt.

Was hat sich in Sachen demokratische Beteiligung bereits getan?

Steves-Rombey Es gibt ja interessante Kinderbeteiligungsprojekte in der Stadt. Wenn zum Beispiel neue Spielplätze geplant werden, werden die Ideen der Kinder und Familien miteinbezogen. Das führt zu einer stärkeren Identifikation mit seinem Stadtteil und auch dazu, dass man einen pfleglichen Umgang mit den Spielplätzen erreicht. So etwas kann man für viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens denken.

Wie arbeiten andere Städte mit dem Thema demokratische Beteiligung?

Steves-Rombey In Aachen hat man versucht, andere Möglichkeiten der demokratischen Beteiligung zu entwickeln. Die Stadt bietet jährliche Veranstaltungen an, bei denen Jugendliche mit Politikern über von den Jugendlichen vorgeschlagene Themen diskutieren. Das halte ich für ein sehr gutes Mittel, um die Jugendlichen an die Politik heranzuführen. Außerdem organisiert Aachen eine Jugendmesse, auf der sich die Vereine und Verbände vorstellen, die Angebote für Jugendliche im Programm haben. Dann gibt es noch die Aktion, bei der Jugendliche über einen bestimmten Zeitraum die Ratsleute bei ihrer Arbeit begleiten. Ähnliche Projekte können auch bald hier umgesetzt werden. So etwas begleiten und unterstützen wir als Verein Aktiv für MG.

RP: Wie sieht diese Begleitung konkret aus?

Steves-Rombey Wir können Projekte finanziell unterstützen. Wir können aber auch dafür sorgen, dass sie in Öffentlichkeit und an Politiker herangetragen werden. Wir sehen uns als Paten oder Botschafter.

Wie sehen Sie die Entwicklungen in Mönchengladbach? Was fehlt? Was kann man besser machen?

Gothe Es bewegt sich viel. Das ist schon optisch an den neu erschlossenen Gebieten erkennbar. Aber auch daran, dass neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Allerdings muss man da auch genau hinschauen. Wenn zum Beispiel durch Amazon in Rheindahlen 1000 neue Arbeitsplätze entstehen, muss man sich fragen: Wie viel bleibt vom Lohn für die Menschen? Viele werden kaum mehr bekommen, als wenn sie Hartz IV beziehen. Das ist eine Frage, die sich junge Menschen stellen. STEVES-ROMBEY Baulich entwickelt sich die Stadt gut. Mit der Masterplaninitiative haben wir eine wegweisende Beteiligungsinitiative gehabt. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie Bürgerbeteiligung in eine Aufbruchstimmung münden kann. Solche Initiativen können auch stadtteilbezogen stattfinden. Unsere Stadt lebt stark aus ihren Vierteln. Früher hat man Zentrenpolitik gemacht, jetzt gibt es eine Bewegung hin zu den kleinen Zentren. GOTHE Wir brauchen fremde Investoren, die das Gefühl haben, dass es sich lohnt, hier zu investieren. STEVES-ROMBEY Man darf nicht vergessen, dass Mönchengladbach eine Stadt mit größeren sozialen Problemen ist, die eine große Integrationsleistung zu erbringen hat. Denken Sie an zahlreiche Schulabbrecher, denken Sie an fehlende Plätze in den Kitas, die vor allem für Kinder aus zugewanderten Familien zu einer Verzögerung der sprachlichen Entwicklung führt. Die sozialen und Bildungsprobleme müssen gelöst werden. Eine wachsende Stadt muss auch eine sozial integrative Stadt sein.

Wer kann Mitglied bei Aktiv für MG werden? Und wie macht er das?

Steves-Rombey Jede Privatperson kann Mitglied werden, aber auch ein Bürger, der einen Verband oder einen Verein repräsentiert. Zum Verein gehören jetzt schon Vertreter des Kinderschutzbundes, der Hespers-Stiftung, des Stadtsportbundes und viele andere. Auf unserer Homepage, die derzeit neu gestaltet wird, findet man die Beitrittserklärung, die man ausfüllt und abschickt.

Mal angenommen, ich habe ein Projekt, das ich an Sie herantragen möchte. Wie gehe ich vor?

steves-rombey Sie reichen schriftlich eine Projektbeschreibung ein, der Vorstand bespricht ihn und die Mitgliederversammlung, die zwei- bis dreimal jährlich tagt, trifft die Entscheidung.

DAS INTERVIEW FÜHRTEN SIGRID BLOMEN-RADERMACHER, CHRISTIAN LINGEN UND GABI PETERS.

Quelle: RP
 
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