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Serie Denkanstoss
All you need is love

Mönchengladbach. Der Autor des heutigen Denkanstoßes fragt sich, was in Zeiten von Hass, Krieg und Terror aus der alten Beatles-Botschaft geworden ist. Und er sagt: Wir müssen neu lernen, einander zu lieben. Von Hans-Ulrich Rosocha

"All you need is love": Im Juni 1967 konnten 400 Millionen Menschen aus 31 Ländern der Erde diesen Beatles-Song live im Fernsehen miterleben. Es war die erste TV-Produktion weltweit, die von der BBC in ihrer Sendung "Our World" ausgestrahlt wurde und die so viele Menschen sehen konnten. Aber was hat sich in den fast 50 Jahren danach auf der Welt getan? Ist die Botschaft des Liedes - "Alles, was du brauchst, ist Liebe" - von den Menschen angenommen und in die Praxis ihres Zusammenlebens umgesetzt worden?

Ich kann das leider nicht feststellen - im Gegenteil! Manchmal habe ich das Gefühl, es sei alles seitdem noch viel schlimmer geworden in unserer Welt: mehr Hass, mehr Krieg, mehr unbeschreiblicher Terror. Und ich frage mich: Was ist aus der Botschaft der Beatles von damals geworden? Brauchen die Menschen keine Liebe mehr? W o l l e n sie keine Liebe? Können sie nicht ohne Hass leben? Müssen Krieg und Terror wie ein unvermeidliches Schicksal sein, dem wir Menschen nicht entrinnen können? Und ich antworte, ja ich schreie es geradezu heraus: "N e i n!"

Ich will es nicht wahrhaben, dass die Menschen sich immer weiter hassen und gegenseitig bestialisch umbringen! Ich kann es nicht akzeptieren und will es auch nicht! Es ist kein blindes Schicksal! Es ist auch nicht der Wille eines Gottes! Es ist einfach unmenschlich, und wir Menschen müssen etwas dagegen tun! Und darum fordere ich: Menschen aller Länder, vereinigt euch! Lasst euch nicht vom Hass gegeneinander versklaven und unterdrücken! Erkennt, dass der Hass aufeinander uns Menschen vernichtet! Seht doch, dass wir stattdessen Liebe brauchen: "Love instead of hate, because all we need is love!"

Aber wie geht das, Lieben statt Hassen? Indem wir Menschen in unserem Innersten erkennen, dass jeder von uns auf Liebe angewiesen ist und keiner von uns ohne Liebe leben kann. Das gilt für jeden von uns in seinem ganz persönlichen Leben, und das gilt auch global für das Zusammenleben der Menschen miteinander. Zunächst müssen wir akzeptieren, dass jeder Mensch gleich ist, unabhängig von seiner Rasse, Nationalität, Hautfarbe, Religion und sexueller Orientierung. Jeder muss den anderen in seinem Anderssein anerkennen.

Als Nächstes muss jeder lernen, seinen Mitmenschen in seiner von der eigenen Meinung abweichenden Haltung zu tolerieren, und zwar vor allem auf den Gebieten der Politik und der Religion. Niemand darf seinen Mitmenschen gegen dessen Willen dazu zwingen, die eigene Religion oder Ideologie anzunehmen. Vor allem aber muss die Menschheit in einem langen, zähen und mühsamen Prozess gemeinsam daran arbeiten, die äußeren Lebensbedingungen aller Menschen so zu verbessern, dass sie menschenwürdig leben können. Das braucht Geduld, Zähigkeit, langen Atem - und vor allem Liebe zu den Menschen. Darum gilt für mich nach wie vor, was die Beatles vor 49 Jahren gesungen haben: "All you need is love".

DER AUTOR IST EVANGELISCHER PFARRER IM RUHESTAND.

Quelle: RP
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