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Dr. Ulrich Schückhaus
Alle sehen die Aufbruchstimmung

Dr. Ulrich Schückhaus: Alle sehen die Aufbruchstimmung
Ulrich Schückhaus freut sich über die positiven Entwicklungen der Stadt. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Wirtschaftsförderer und EWMG-Chef Dr. Ulrich Schückhaus über neue Flächen für Gewerbe und Wohnungsbau, die Wahrnehmung von Mönchengladbach als Wirtschaftsstandort und zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten.

Sie sind gerade von der MIPIM, einer internationalen Messe für Wohn-, Gewerbeimmobilien und Betriebsansiedlung im südfranzösischen Cannes, zurückgekehrt. Mit welchem Ergebnis für Mönchengladbach?

Schückhaus Mit einem sehr interessanten Ergebnis. Als EWMG waren wir zum fünften Mal in Cannes dabei, aber zum ersten Mal unter Führung des Oberbürgermeisters mit einer ganzen Reihe von Partnern aus Mönchengladbach, mit Architekten, Bauunternehmern, Maklern, Projektentwicklern und einem Handelsunternehmen. Das war seitens der Wirtschaft ein klares Bekenntnis zum Standort Mönchengladbach und Zeichen eines neuen Geistes. Dem entspricht die Außenwahrnehmung der Stadt. Ich habe von vielen Seiten gehört, dass sehr aufmerksam wahrgenommen wird, wie viel in der Stadt in Bewegung ist. Das erregt sogar die Aufmerksamkeit international tätiger Unternehmen. Zu den bekannten Projekten gehören sicherlich das Minto, der Regio- und der Nordpark, aber ganz wichtig ist auch der Masterplan. Ihn hat der mitgereiste Fritz Otten vom Verein MG 3.0 dem NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin erläutert, der sehr fasziniert von dem Thema war. Und auch von der Tatsache, dass der Masterplan mit 600 000 Euro Sponsorengeldern finanziert wurde und jetzt noch einmal 200 000 Euro für die erste Phase der Umsetzung zur Verfügung stehen.

Die Entwicklung des Areals Bunter Garten lief ohne die EWMG. Wären Sie da als Entwicklungsgesellschaft auch gern zum Zuge gekommen?

Schückhaus Eigentlich nicht, wir waren in genügend andere Themen eingebunden, beispielsweise in die Ausschreibung der Flächen für das Minto oder auch in die Entwicklung der Roermonder Höfe. Wenn das Minto fertig gestellt ist, werden wir uns mit den angrenzenden Flächen beschäftigen, die wir intern als Croonsquartier bezeichnen, also mit dem Finanzamt und den umliegenden Grundstücken. Außerdem werden mehrere Schulen in Innenstadtnähe freigezogen, deren Flächen überplant werden müssen. Das Areal der ehemaligen Schule Regentenstraße würde sich beispielsweise wunderbar eignen, um das Gründerzeitviertel weiterzuentwickeln. Auch um die im Zentrum gelegene Fläche des Maria Hilf machen wir uns gemeinsam mit der Stadtverwaltung Gedanken. Ich kann mir dort zum Beispiel hochwertigen Wohnungsbau vorstellen. Man hat von dort aus einen gigantischen Blick über die Stadt - das kann eine der besten Wohnlagen werden.

Wie weit sind die Gespräche mit potenziellen Interessenten um einen Büropark in der City Ost gediehen?

Schückhaus Wir können derzeit noch keine Flächen anbieten, solange es keinen Bebauungsplan gibt. Trotzdem bewerben wir die City Ost als Perspektivfläche. Wir vermitteln jetzt schon die Botschaft, dass spekulative Bürobauten in Mönchengladbach funktionieren. Der Beweis dafür ist im Nordpark zu sehen, an der Steinmetzstraße oder den Roermonder Höfen.

Wie sieht es beim Wohnungsbau aus? Die Dahlener Heide füllt sich. Wo könnte das nächste größere Baugebiet erschlossen werden?

Schückhaus Ja, in der Dahlener Heide ist der dritte Bauabschnitt in der Vermarktung. Als nächstes stehen zwei Baufelder in Rönneter mit insgesamt über 40 Grundstücken an. Ab 2016 brauchen wir neue Flächen.

Nachdem der Rat den Beigeordneten Andreas Wurff abberufen hat, ist damit zu rechnen, dass auch der EWMG-Aufsichtsrat Herrn Wurff vom Amt des Geschäftsführers abberuft. Sie sind dann für mehrere Monate alleiniger Geschäftsführer. Was bedeutet das für die Arbeit der EWMG?

Schückhaus Es wird keinen Stillstand geben, weil wir uns in den Projekten sowieso eng mit den Fachbereichen abstimmen müssen. Eine Vernetzung zwischen Baudezernat und EWMG ist ohnehin zwingend notwendig, damit die Informationen ungehindert fließen.

Der Regiopark ist eine Erfolgsgeschichte, aber er ist so gut wie voll. Wie geht es mit den Gewerbegebieten weiter?

Schückhaus Beim gemeinsam mit Viersen geplanten Gewerbegebiet muss das Areal im kommenden Regionalplan verankert und verabschiedet werden. Das sieht derzeit sehr gut aus. Es gibt kleinere wasserrechtliche "Hürden", die aber zu überspringen sind. Es handelt sich bei dem Areal um ein Wasserschutzgebiet 3b, das heißt, es gibt Auflagen; aber die meisten Gewerbegebiete der Stadt liegen in Wasserschutzzonen, beispielsweise Rheindahlen, Hardt, Giesenkirchen. Die Flächen eignen sich zur Ansiedlung von Produktionsbetrieben, für Logistik oder auch Dienstleistungsunternehmen. Es gibt aber kurzfristig noch Alternativen: Flächen in Rheindahlen hinter dem ehemaligen Schlafhorst-Areal beispielsweise oder Restflächen in Güdderath. Wir werden auf dem Gelände der Mülforter Zeugdruckerei jetzt mit der Innenerschließung beginnen. Diese Fläche ist unter anderem für mittelständische Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe geeignet.

Geben Sie der Idee eines Gewerbeparks mit der Gemeinde Jüchen in Sasserath eine Chance?

Schückhaus Jüchen würde das unterstützen, aber das müsste ebenfalls erst im Regionalplan verankert werden. Es gibt die Idee, den vorhandenen Autobahnstummel zu nutzen und dahinter ein kleineres Gewerbegebiet zu schaffen, mit oder ohne Jüchen. Dann hätten wir mehr Flexibilität. Die Zusammenarbeit mit Jüchen hat sich ja sehr bewährt.

Mönchengladbach ist inzwischen ein namhafter Logistikstandort. Wie sieht die weitere Entwicklung aus? Setzten Sie jetzt andere Schwerpunkte?

Schückhaus Richtig, der Schwerpunkt Logistik hat gut funktioniert. Vor Jahren mussten wir kämpfen, jetzt kommen die Unternehmen von allein auf uns zu. Wir denken jetzt über eine Weiterentwicklung in Richtung E-Commerce nach. Zum E-Commerce gehören zum Beispiel Call-Center oder Software-Entwickler. Wir müssen überlegen, was die Stadt tun kann, um für solche Unternehmen attraktiv zu sein. Die Branche benötigt beispielsweise exzellente Datenverbindungen, die sich möglichst durch Schnelligkeit und Redundanz auszeichnen.

Was kann die EWMG für die Firmen tun, die bereits vor Ort sind? Oder für die, die sich für eine Verlagerung nach Gladbach entschieden haben wie SMS mit seiner Unternehmenszentrale?

Schückhaus Natürlich unterstützen Verwaltung und WFMG intensiv die Expansionspläne der SMS-Gruppe, damit das für die Stadt wichtige Projekt reibungslos funktioniert. Wir können ergänzend Angebote machen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz nach Mönchengladbach verlegen, so zum Thema Wohnen und Bauen in Mönchengladbach. Ziel sollte es sein, möglichst vielen auch eine neue Wohnheimat in der Vitusstadt zu bieten. Dazu könnte man Partner aus der Immobilienbranche mit ins Boot holen. Es kommen ja jetzt eine ganze Reihe von interessanten Immobilien auf den Markt, die attraktiven Wohnraum bieten, wie die Roermonder Höfe oder das Quartier Kühlen in Eicken.

Vor einigen Jahren war Mönchengladbach für einen Wirtschaftsförderer ein Himmelfahrtskommando. Wie sieht es heute aus? Welchen Stellenwert hat die Stadt?

Schückhaus Ganz so schlimm war es sicher nicht. Aber es hat sich in den letzten Jahren tatsächlich einiges geändert. Hier hat es sich gelohnt, dass wir auch in schwierigen Zeiten unsere Strategie und unseren Kurs beibehalten haben. Die Aufbruchsstimmung in der Stadt wird auch von außen wahrgenommen. Dazu hat zuletzt auch der Masterplan sehr viel beigetragen. Besonders aufmerksam wird jetzt beobachtet, dass es nun in die Umsetzung geht. In anderen Städten verschwindet so ein Masterplan schnell wieder in der Schublade. In Mönchengladbach nicht. Das hilft uns bei der Vermarktung immens. Es macht wirklich Spaß, so arbeiten zu können.

DAS INTERVIEW FÜHRTEN DIETER WEBER UND ANGELA RIETHDORF.

Quelle: RP
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