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Mönchengladbach
Alma-Quartett entführte nach Prag

Mönchengladbach. Im BIS standen Bedrich Smetana und Antonin Dvorak auf dem Programm. Von Gert Holtmeyer

"Aus meinem Leben" nannte der tschechische Komponist Bedrich Smetana sein erstes Streichquartett und steuerte ein Programm bei, mit dem er seine Musik erläuterte. Wer nichts von diesem Programm weiß, kann diese schöne Musik auch einfach so genießen - allerdings mit einer wesentlichen Ausnahme.

Deshalb war es gut, dass im zweiten Konzert "Alma in Prag" zuerst einmal auf die Hintergründe hingewiesen wurde. Wie von den Konzerten des Alma-Quartetts im BIS gewohnt, gab Bratscher Martin Börner einige wesentliche Hinweise fürs Verständnis. Er wies darauf hin, dass Smetana ein ähnliches Schicksal wie Beethoven erlitt und ertaubte. Und den Tinitus, mit dem das Leiden für den 50-jährigen begann, skizzierte Smetana im letzten Satz mit einem extrem hohen Halteton über dem bedrohlich klingenden Tremolo der Mitspieler.

Unwillkürlich zuckte man zusammen, als das Alma Quartett mit Fabian Kircher und Andreas Greuer (Violine), Martin Börner (Viola) und Markus Beul (Cello) diese unheimliche Stelle wiedergab. Wie in ihren bisherigen BIS-Konzerten hatten die vier Musiker von den Niederrheinischen und den Dortmunder Philharmonikern alles gewissenhaft einstudiert. Deutlich brachten sie die Stimmungsgegensätze des Werkes zum Ausdruck. Schließlich skizzierte Smetana nicht nur die Schattenseiten seines Lebens. Auch die Freuden seiner jungen Jahre kamen nicht zu kurz, sein Spaß am Tanzen und das Glück der ersten Liebe wurden vom Komponisten in die Musik einbezogen und von Alma entsprechend schwungvoll oder empfindsam wiedergegeben.

Für das zweite Werk des Abends wurde das Quartett mit Zeynep Artun-Kircher zum Quintett erweitert. Die Pianistin und Dozentin der Kölner Hochschule für Musik und Tanz erwies sich als sichere und kompetente Mitspielerin in Dvoraks A-Dur-Klavierquintett op. 81, einer in der Grundstimmung lebensfrohen, heiteren Komposition. Natürlich schuf der Komponist auch Raum fürs Melancholische. Gefühlvoll wurde die "Dumka" wiedergegeben. Heiter und spritzig klangen die schnellen Sätze wie das Scherzo und das Finale.

Herzlicher, begeisterter Beifall.

Quelle: RP
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