| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Als Ludwig van Beethoven neue Kraft fühlte

Mönchengladbach. Beliebte Konzertreihe mit Streichquartetten des Komponisten mit dem Alma-Quartett klang im BIS aus. Von Gert Holtmeyer

Ein verdienstvolles Projekt ging jetzt im "BIS" zu Ende. Das "Alma Quartett" hatte den ehrgeizigen Plan gefasst, in einem Zyklus sämtliche Beethoven-Streichquartette aufzuführen; die Reihe war im Oktober 2013 gestartet. Alles lief wie geplant, nichts kam dazwischen und mit dem sechsten Abend konnte das Vorhaben nun erfolgreich abgeschlossen werden. Wie bei allen anderen Konzerten war auch diesmal der Saal gut gefüllt, und wieder kam ein interessiertes und sachkundiges Publikum voll auf seine Kosten.

Sinnvollerweise hatte "Alma" die Werke nicht in chronologischer Reihung aufgeführt, und so kamen an jedem Abend stilistisch sehr unterschiedliche Werke zur Aufführung. Als Ordnungsprinzip wurden die Tonarten in der Reihenfolge des Quintenzirkels gewählt. Gestartet war man am ersten Abend mit G-Dur, nach dem Durchgang durch die Kreuz- und B-Tonarten standen am letzten Abend folgerichtig a-Moll und C-Dur an.

"Alma" mit Fabian Kircher und Andreas Greuer (Violine), Martin Börner (Viola) und Markus Beul (Cello) setzte das späte a-Moll-Quartett op. 132 an den Beginn, ein Werk, das Beethoven erst nach Vollendung der "Neunten" und der "Missa solemnis" komponierte. Sorgfältig war das sich nicht leicht erschließende Werk einstudiert, eindrucksvoll gelang auch der langsame Satz, den Beethoven nach Überwindung schwerer Krankheit "Heilige Danksagung eines Genesenen" überschrieben hatte. "Neue Kraft fühlend" war entsprechend das Programm überschrieben.

Aus der Gruppe der Rasoumowsky-Quartette, die am Beginn von Beethovens mittlerer Schaffensperiode stehen, stammt das C-Dur-Quartett op. 59.3. Es klingt deutlich flüssiger und melodiöser als das zuvor gehörte Werk. Heiterkeit und Ironie, von Alma liebevoll herausgearbeitet, bestimmen das Menuett. Zu größerer Bekanntheit brachte es vor einigen Jahren der letzte Satz mit seiner eigenwillig aufgebauten Fuge als Erkennungsmelodie des "Literarischen Quartetts". Mit viel Engagement temperamentvoll gespielt, war ein packender Schluss des Abends wie der ganzen Reihe garantiert. Während der begeisterten Beifallsspenden gab es noch ein Sonderlob von drei Quartettspielern für Martin Börner. Der Bratscher hatte sich nicht nur mit seinen informativen, dabei locker vorgetragenen Moderationen verdient gemacht, er zeichnete auch für gelungene Konzeption und Organisation der Reihe verantwortlich.

Börner konnte auch die im Publikum wahrnehmbare Wehmut über das Ende der beliebten Reihe mildern: Eine Pause will sich Alma zwar gönnen, aber für 2016 gibt es schon neue Pläne. Dann will man sich und dem treuen Publikum mit Smetana, Dvořák, Janáek und Erwin Schulhoff Streichquartette tschechischer Komponisten näher bringen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Als Ludwig van Beethoven neue Kraft fühlte


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.