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Mönchengladbach
Als Ruth Witteler-Koch die FDP aufmischte

Mönchengladbach. Ratsmitglied, Landtagsabgeordnete, stellvertretende Bundesvorsitzende: Die Grande Dame der Gladbacher Liberalen hat über Jahre politisch Einfluss gehabt - aber nicht immer FDP-Positionen vertreten. Heute wird sie 70 Jahre alt. Von Dieter Weber

Die Herzen von echten Liberalen werden bei dieser Aussage Freudesprünge machen. "Ich möchte, dass Menschen die Freiheit haben, so zu leben, wie sie es gerne möchten." Ruth Witteler-Koch sagt diesen Satz und fügt gleich hinzu: "Leider ist es aber oft so, dass die Liberalen in der FDP oft konservativer als die Konservativen sind." Es wird viele Freie Demokraten in Stadt, Land und auch Bund geben, die jetzt bemerken: "Ja, so ist sie, die Ruth!" Die einen sagen es mit einem unterschwelligen Seufzer, die anderen drücken ihre klammheimliche Freude aus, weil sie ähnlich wie Ruth Witteler-Koch denken und empfinden. Denn sie hat sich in ihrer politischen Karriere in der FDP nicht gescheut, auch unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Heute wird die Grande Dame der Gladbacher Liberalen 70 Jahre alt.

Ruth Witteler-Koch hat eine bemerkenswerte Entwicklung bei den Liberalen gemacht. In einem "schwarzen CDU-Elternhaus" in Iserlohn aufgewachsen, erfüllte sie der Freiheitsdrang, als sie schon die 20 überschritten hatte. Und weil sie nicht "immer nur meckern, sondern etwas verändern wollte", trat sie der FDP bei. Im Mönchengladbacher Ortsverband wurde sie aktiv, und das blieb schon nach kurzer Zeit nicht folgenlos: Bei einem Treffen mit den Rheydter Liberalen und der gemeinsamen wichtigen Aufgabe, für das DRK zu sammeln, lernte sie das FDP-Mitglied F. Manfred Koch kennen. "Da hat es fürchterlich zwischen uns gefunkt", erzählt sie und lacht. Drei Monate später waren beide verheiratet, und sie erinnert sich, wie Freunde und Verwandte ihr immer wieder auf den Bauch guckten - in der Erwartung, dass sie schwanger und das Ganze eine Muss-Heirat wäre. Das war es nicht: Die Kinder - Fee und Jil - kamen später.

Ihre politische Karriere ist in einigen Facetten ein politisches Lehrstück. In den Mönchengladbacher Rat kam sie 1979, weil bei der damaligen Kandidatenaufstellung darauf geachtet wurde, dass "auf Position fünf endlich mal eine Frau kommen sollte". Der Rang zog - im Gegensatz zu dem aussichtslosen Listenplatz, den man ihr für die Landtagswahl 1980 anbot. Dass sie fünf Jahre später bei der NRW-Wahl auf den fünften Platz gesetzt wurde, führt sie vor allem darauf zurück, dass sie sich über ihren Einsatz bei den Liberalen Frauen einen Namen gemacht hatte. PR-Profi Witteler-Koch - bis 2014 hatte sie in Gladbach eine eigene PR-Agentur mit mehreren Mitarbeitern - wusste, dass sie für sich trommeln musste. Zwei Wahlperioden vertrat sie liberale Ideen und Interessen im Landtag. Und zwischendurch, Dezember 1994, gelang ihr noch ein besonderer Coup: Sie wurde stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende, stach damals in einer Kampfabstimmung einen gewissen Rainer Brüderle, später Bundeswirtschaftsminister und FDP-Fraktionschef im Bundestag, aus. Aber es gab damals auch bereits Risse in der liberalen Liaison zwischen ihr und der Partei. "Die Liberalen an der Spitze sind gar nicht so liberal" - noch so ein Satz aus ihrem Munde. 1997 gab sie alle Ämter ab.

In der Partei blieb sie. Und verfolgt aufmerksam, wie sich nach der NRW-Wahl eine Schwarz-Gelbe Koalition bildet. "Die FDP sollte darauf achten, dass das Regierungsprogramm stärker wirtschaftspolitisch ausgerichtet ist", gibt sie Fraktionschef Christian Lindner mit auf den Verhandlungsweg. Und dann kommt noch so eine Aussage, die manche FDP-Seele aufheulen lässt: "Ich bin übrigens für den großen Lauschangriff und die Schleierfahndung."

Quelle: RP
 
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