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Serie Was Macht Eigentlich?
Altstadt-Sheriff und Sozialarbeiter

Serie Was Macht Eigentlich?: Altstadt-Sheriff und Sozialarbeiter
Josef Vitz am, aber nicht im Streifenwagen, hier für den Fotografen. Denn als Bezirksbeamter muss man gut zu Fuß sein. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Josef Vitz und seine Rauschgiftspürhunde waren bei der Polizei in ganz NRW gefragt. Er wurde in Gladbachs Altstadt bekannt wie ein bunter Hund: als Polizist mit Verständnis und Herz für die Randgruppen der Gesellschaft - aber auch sehr guten Kontakten zur Prominenz. Von O. E. Schütz

Es sind zwei verschiedene Welten: Gladbachs unruhige Altstadt, die 17 Jahre sein Revier war, und die ländliche Idylle in Günhoven mit Blick von seinem Haus auf Äcker und Wald. Hans-Josef Vitz, Josef, Jupp oder auch "Manni" gerufen, fühlt sich in beiden "Welten" wohl. Ein Mann, der mit sich und seinem Leben immer zufrieden war und ist: in seinen vier Jahrzehnten als Polizist und nun seit gut einem Jahr als Hauptkommissar im Ruhestand.

Er genießt es, nicht mehr Tag für Tag in der Pflicht zu stehen, macht vier Monate im Jahr Urlaub mit seiner Frau im Ferienhaus an der Costa Blanca in Spanien, das sie vor Jahren gekauft haben. Und er hat genügend zu tun, wenn er daheim ist. Zuhause: Das ist nicht nur Günhoven, sondern auch ein Stück weit die Altstadt. Und er hat sich nun auch ein wenig für die Kommunalpolitik gewinnen lassen.

Erfolgloser Einsatz für Rock am Ring in Gladbach FOTO: K

Jupp Vitz ist ein sehr kommunikativer Mann. Eine Eigenschaft, die das Leben leichter macht und ihm auch in seinen Beruf sehr geholfen hat. Er kommt mit Menschen klar, die wegen Alkohol oder Drogen an den Rand der Wohlstandsgesellschaft gerutscht sind und schon mal in Konflikt mit dem Gesetz geraten. Aber er hat auch guten Kontakt zu wohlsituierten, oft auch prominenten Bürgern, bei denen er Verständnis für die Benachteiligten weckt und Hilfe bekommt. Zum Beispiel für das "Café Pflaster" (siehe unten).

Die Gladbacher Schützenbruderschaften haben Josef Vitz zu ihrem "Altstadt-Sheriff" ernannt: Ein Mann, der für Recht und Ordnung sorgt - aber am liebsten auf die ruhige Art, auch wenn er selbst über sich sagt: "Ich war anfangs ein scharfer Hund." Nämlich einer, der "auf jedes Gramm Heroin scharf" war, das sein zum Drogenhund ausgebildeter Riesenschnauzer Utz witterte: "Er hatte eine Superspürnase, so wie kaum ein anderer." Die monatelange, jährlich wiederholte Ausbildung von Tier und Mensch muss sich schließlich auszahlen - für den Staat, aber auch ein wenig die Karriereleiter: "Ich musste schließlich für mein Geld etwas tun." Die Karriere war allerdings nicht der absolute Maßstab für Josef Vitz: Er verzichtete stets auf die ihm angebotene Laufbahn bei der Kriminalpolizei. Der Umgang mit den Hunden (vier wurden es im Lauf der Jahre, alle lebten in seinem Haus) machte viel Freude - und ihn bei der Polizei in ganz Nordrhein-Westfalen gefragt. Das war ihm lieber als ein Schreibtischjob.

Der PSVist 2012 "Verein des Jahres": Eric Block und Josef Vitz. FOTO: ISA

Bis 1998 ein Kollege Josef Vitz riet, sich auf die frei werdende Stelle eines Bezirksbeamten in der Altstadtwache zu bewerben. Er bekam sie - und es war ein Glücksgriff. Für ihn selbst, aber auch für die Polizei. Die Altstadt bekam so einen Beamten, der mit seiner positiven Einstellung gegenüber den Menschen und seinem Beruf der richtige am rechten Platz war. "Die meisten Leute, mit denen ich zu tun hatte, reagierten positiv. Die wirklich Schlimmen waren in der Minderheit", sagt Vitz.

Er sorgte für Recht und Ordnung, fragte sich aber auch, warum Menschen zum Beispiel stehlen: "Da gibt es die Oma mit sehr kleiner Rente, die es aus Not macht. Und den Junkie, der seine Sucht finanziert. In solchen Fällen bin ich nicht nur Polizist, sondern auch Sozialarbeiter. Neben der Bestrafung versuchen wir, den Menschen zu helfen. Bei Taten wie Kindesmissbrauch oder Vergewaltigung fehlt mir jedes Verständnis. Aber auch dieser Täter ist ein Mensch."

Es sind die sorgfältig ausgewählten Bezirkspolizisten, die eine wichtige Rolle im Umgang mit Randgruppen und Problemfällen spielen, die ihre Pappenheimer kennen, von ihnen als Autorität anerkannt und respektiert werden. "Josef Vitz hat die offensichtlichen Nöte im Blick", sagte Polizeipräsident Hans-Hermann Tirre. "Diese Beamten sind Leuchttürme für ihre Bezirke."

Vitz' Bezirk war die Altstadt, der Alte Markt, Waldhausen und die Stadtmitte. "Jeder von uns findet seinen Bezirk schön. Aber der in der Altstadt ist auch noch anspruchsvoll", sagt er. "Weil man hier auf alle möglichen Gesellschaftsschichten trifft: von den so genannten Pennern und Junkies über die Wirte und Geschäftsleute, Schausteller, Schützenbrüder, Schausteller, ganz normale und auch prominente Altstadtbesucher und Politiker bis hin zu den Jugendlichen oder gar Kindern, die vor den Verlockungen und Gefahren der Altstadt beschützt werden müssen."

Der "Altstadt-Sheriff" hat zu allen Gruppen einen ganz persönlichen "Draht", weiß auf sie in der jeweils passenden Art einzugehen. Der Club der Altstadt-Wirte lädt ihn noch heute als Ratgeber und Kontaktperson zu Stadt und Polizei zu seinen Treffen ein - weil er so gut vernetzt ist. Auch die Politik hat ihn nach langem Zureden für sich gewonnen: Er ist CDU-Mitglied, berät als sachkundiger Bürger, ist im Vorstand des Ortsverbandes Waldhausen und der CDU Nord, und Mitglied der Altstadtinitiative. "Weil mir die Altstadt am Herzen liegt", sagt Josef Vitz. Und das als einer, der am Schmölderpark aufgewachsen ist und Gladbach lange nur vom Hörensagen kannte: "Als ich als junger Polizist erstmals zum Gericht an die Hohenzollernstraße musste, wusste ich nicht, wo das war. Da habe ich mir schnell einen Falk-Stadtplan gekauft, habe ihn die erste Zeit immer in der Tasche gehabt."

Vom Rheer Jung zum Altstadt-Sheriff: Josef Vitz findet sich überall zurecht, weiß sich umzustellen. So bei seiner Berufswahl: Eigentlich wollte er Maschinenbau studieren, machte eine Maschinenschlosser-Lehre - und landete bei der Polizei, weil seine damalige Freundin ihm das geraten hatte, um nicht zur Bundeswehr zu müssen. Es war keine schlechte Wahl. Für ihn nicht und nicht für die Polizei.

Quelle: RP
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